Minister Peter Hauk stellt sich in Schönau der Kritik der Höhenlandwirte

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 02. März 2019 um 10:00 Uhr

Schönau

Wegen Förderausfällen in Hanglagen sind die Höhenlandwirte im Schwarzwald sauer. Landwirtschaftsminister Peter Hauk musste sich in Schönau viel Kritik anhören.

Im Prinzip sind sich alle einig: Damit die Landwirte auch weiterhin die steilen Berghänge bewirtschaften, brauchen sie staatliche Unterstützung. Denn die Allgemeinheit hat ein Interesse daran, dass im Südschwarzwald die Weiden nicht zuwachsen. Doch in der Praxis ist das nicht so einfach, wie es zunächst klingt.

Diese Woche trafen sich rund zehn Höhenlandwirte mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) im Rathaus Schönau, um ihm über ihre finanziellen Ausfälle von bereits zugesagter Förderung zu berichten. Bernhard Stiegeler aus Fröhnd berichtete beispielsweise von einigen Tausend Euro Einbußen, weil die Behörden jene Flächen nicht mehr gefördert hätten, auf denen Heidekraut wachse. Manfred Knobel aus Aitern stimmte ihm zu. Ein Landwirt aus Ibach betonte in diesem Zusammenhang: "Wir brauchen Verlässlichkeit in der Förderperiode."

Pragmatische Lösungen werden gewünscht

Schützenhilfe bekamen die Landwirte vom Landschaftserhaltungsverband in Lörrach. Dessen Vertreterin Simona Moosmann prophezeite, dass demnächst auch Nasswiesen und Bäche aus den Förderflächen herausgerechnet werden, so dass die Bauern ähnlich wie bei den Heiden plötzlich weniger Geld erhalten. "Ich sehe die Schwierigkeit in der Genauigkeit, mit der gemessen wird", sagte Simona Moosmann.

Ähnlich sieht das Georg Dutschke von der Stadt Todtnau. Er wünschte sich pragmatische Lösungen. Ein Vertreter des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) ging noch weiter: Er sagte, dass einzig in Baden-Württemberg das Heidekraut kartiert werde. Andere Bundesländer handhabten dies als erlaubte Futterpflanze – "die sind nicht so engstirnig".

Auch Kontrolleure werden kontrolliert

In der eineinhalbstündigen Gesprächsrunde in Schönau wurde deutlich, wie vielschichtig und kompliziert die Landwirtschaftsförderung in Europa ist. Verschiedene Gesetzesbereiche überlappen sich (zum Beispiel Naturschutz und Landwirtschaft), die Vegetation verändere sich (Beispiel Dürre 2018), und Landwirte fühlen sich durch Kontrolleure zunehmend gegängelt. Minister Hauk erwiderte: "Es ist nicht die Absicht in Stuttgart, die Bauern zu triezen." Er bedauerte, dass es auf europäischer und bundesdeutscher Ebene ein großes Misstrauen gegenüber Landwirten gebe.

Wie zu erfahren war, müssen auch Kontrolleure Kontrollen über sich ergehen lassen – so wie in Peter Hauks Heimat Odenwald, wo EU-Prüfer festgestellt hätten, dass Vor-Ort-Kontrollen des Landes nicht gesetzeskonform erfolgt seien. "Sanktionen und Rückzahlungen – so kann man mit Landwirtschaft nicht umgehen", protestierte Bauer Oswald Tröndle.

"Wir fallen hier durch jedes Raster."

Nebenerwerbslandwirt Johannes Rombach aus Wieden sagte: "Die Hangflächen sind naturschutzfachlich hochinteressant, aber wirtschaftlich gesehen ein Totalausfall." Er wünscht sich, dass das Land sage, wo es hingehe mit der Landwirtschaft. Die ist im Ländle bekanntlich kleinteiliger aufgestellt als bei großen Mastbetrieben in Norddeutschland. "Wir fallen hier durch jedes Raster."

Nun wird mit Interesse verfolgt, wie die kleinen Landwirtschaftsbetriebe im Süden konkret gefördert werden. Hauk sagte zum Abschluss: "Ich glaube, ich habe das Problem erkannt." Am Mittwochnachmittag erwartete sich aber trotzdem niemand eine schnelle Hilfe in dem Gesetzesdschungel von Europäischer Union und Land. Bruno Schmidt, Bürgermeister in Häg-Ehrsberg, machte klar: "Wir als Gemeinde können die Allmendflächen nicht offenhalten. Das können nur die Landwirte."