Schöner Schein und bittere Wahrheit

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 03. März 2020

Bad Säckingen

Vernissage zur Kunstausstellung "The Good, the Bad, the Ugly and the Beautiful" in der Villa Berberich in Bad Säckingen.

BAD SÄCKINGEN. Eine Wand voller Frauenbilder, bis an die Decke reichende Zeichnungen, vieldeutige Installationen und Herzenswünsche auf Pappkartons zeigen vier Künstlerinnen aus Berlin in der Villa Berberich in Bad Säckingen. Der Titel "The Good, the Bad, the Ugly and the Beautiful" lehnt sich an einen legendären Italo-Western an und eröffnet ein weites Feld an Assoziationen.

"Ein Kunstwerk muss ein Rätsel sein. Es muss dem Betrachter Anlass geben, sich Fragen zu stellen", sagte Frank van Veen, Vorsitzender des Kunstvereins Hochrhein, bei der außerordentlich gut besuchten Vernissage. Die Schau, die extra für die Räume des Kunsthauses konzipiert worden ist, fordere solche Fragen, Denkansätze und neue Formen der Wahrnehmung heraus.

Wie ein Bühnenbild wirkt die Installation von Xenia Fink im Eingangsraum. An den Wänden hängen vom Boden bis zur Decke große Papierbahnen mit digitalen Zeichnungen von Faltenwürfen, die etwas von Kulissen haben. Auf diesen großen Bahnen sind filigrane Feder- und Tuschezeichnungen angebracht, die wiederum das Sujet des Faltenwurfs variieren. In feinsten Strichen bringt Fink kunsthistorische und religiöse Motive zusammen, das Tuch der Veronika, Madonnen, Engel, die einen Vorhang öffnen, einen Heiligen, der einem Wanderer seinen Mantel gibt. Diese Motive verschmelzen mit anderen Figuren, die oft kopfüber stürzend dargestellt sind. Wellige Linien von Haaren und Ornamentales verleihen den Figuren etwas Amorphes und Geheimnisvolles.

Mit dem Thema Frau, der weiblichen Identität, dem fragwürdigen Schönheitsideal beschäftigt sich Niki Elbe in ihrer Serie "Am I Pretty? No, You are Beautiful". 40 Porträts von Frauen und Mädchen hat sie an einer Wand versammelt, in Aquarell, Tusche, Acryl oder als Collage. Es sind fiktive Gesichter aus allen Nationen, in allen Hautfarben, ein Potpourri unterschiedlichster Frauentypen, poppig, fantastisch, surreal verfremdet mit wilden Mustern, Zebrastreifen oder farbigen Schachbrettfeldern. Nach realen Modellen entstanden ist die Reihe von lebensgroßen Silhouetten junger Frauen. Auf Holzplatten sieht man die schemenhaften Körper, die auf dem Sprung in das eigenständige Leben sind und sich von der Kindheit lösen. Auch in zwei weiblichen Büsten in Keramik setzt sich Elbe mit dem Frauenbild auseinander.

Installative Objekt-Kunst bringt Johanna Smiatek in zwei Räume. Auf einem Sockel liegt eine weiße kinetische Klang-Kugel aus Keramik, die sich über Sensoren aktivieren und 64 Töne erklingen lässt. Unter anderem ertönt die rauchige Stimme von Marlene Dietrich. Auf großen Papierbahnen und auf einem vier Meter langen Teppich sind Spuren der hin und her gerollten Kugel abgedruckt – ähnlich wie Reifenspuren. Die Künstlerin führte das in einer Performance mit der Klang-Kugel vor. Als "Artist Nails" präsentiert Smiatek ihre mit 24 Karat vergoldeten abgeschnittenen Fingernägel wie kostbare Schmuckstücke auf Samt – ein ironischer Kommentar zum Kunstmarkt. Auf den Schönheitswahn in Frauenzeitschriften beziehen sich die Farbstiftzeichnungen mit Slogans wie Glitzer und Bling-Bling.

Um den schönen Schein und die bittere Wahrheit dahinter geht es in den Arbeiten von Julia Brodauf, in denen sie Texte einbringt. Wörter wie "alles schön" sind Teil der Figurenbilder in Collagetechnik mit verschiedensten Materialien und Techniken. Häufig verwendet die Künstlerin Konfetti, kleine bunte Papierschnipsel sowie Goldfolien für ihre fiktiven Gestalten. Der schimmernde Glanz der Goldfolie umgibt die Figuren wie ein Heiligenschein, symbolisiert aber auch die glänzende Fassade. Weibliche Akte, ein Hase, ein Western-Cowboy aus Packpapier finden sich in diesen Figurenwelten. Im Erkerraum hat Brodauf ein schwebendes Mobile mit einem Text auf Goldfolien angebracht. Der Betrachter kann sich in diesen Kreis aus Wörtern hineinbegeben und den Text auf sich wirken lassen. Auch in ihrer Collage "Herzenswünsche" in Stempelschrift auf Pappkartons löst die Künstlerin ein Spiel mit Worten, Gedanken und Bildern aus.

Die Ausstellung ist bis 29. März, mittwochs 16 bis 18, samstags 14 bis 17, sonntags 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr zu sehen.