Schüler gehen in die Luft

Vom Ulrich Senf

Von Vom Ulrich Senf

Mi, 10. Juli 2019

Weil am Rhein

Kletterprojekt an der Leopoldschule gibt Selbstvertrauen / Diakonisches Werk macht’s möglich.

WEIL AM RHEIN. Auf Seilen lässt sich balancieren, an Seilen kann man über Schluchten hangeln, über Seile kann man hüpfen und an Seilen kann man klettern, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, sogar auf die großen Platanen im Hof der Leopoldschule. 15 Viertklässler ließen sich von zwei erfahrenen Baumklettern in die hohe Kunst einführen und waren am Ende nicht nur ganz begeistert von den Möglichkeiten, die die hängenden oder gespannten Seile ihnen boten, sondern auch ganz schön geschafft.

Bevor es in die luftige Höhe ging, war aber erst einmal ein wenig Theorie angesagt, schließlich geht auch beim Klettern die Sicherheit vor. Und damit das auch gleich haften blieb, demonstrierte Daniel Grunwald jeweils, was passiert, wenn man nicht die vielen Tipps und Hinweise seines Kollegen Gottfried Schlichenmaier befolgt. Dann landet man nämlich etwas unsanft in der Sicherung des Halteseils oder pendelt wie ein nasser Sack gegen den Baumstamm, womit dann auch anschaulich geklärt war, für was denn der Helm, den alle Baumkletterer tragen, nötig ist.

Waren dann aber die ersten Tücken, das Anpassen der Klettergurte und das sichere bediene der Karabiner, überwunden, gab es kein Halten mehr, da zog es die ersten fünf Schüler in den Baum – wenn das denn nur so einfach gewesen wäre. Denn ganz ohne Geschick, ein wenig Kraft und die richtige Technik ging da zunächst nicht viel. Der richtige Rhythmus zwischen dem Anziehen des Seils und dem Verschieben des Sicherungsknotens, der dann wieder das ganz Körpergewicht auffängt und Halt für die nächsten Höhenmeter gibt, wollte erst einmal verinnerlicht sein. Ein Glück, dass Gottfried Schlichenmaier und Daniel Grunwald, beide von der Müllheimer Firma Pfefferer Baumkultur, immer wieder mit Rat und Tat zur Seite standen. Ging es dann aber erst einmal in die Höhe, kannte der Stolz keine Grenzen mehr.

Langeweile kam bei dem ungewöhnlichen Projekt, das Schulsozialarbeiterin Diana Renk organisiert hatte und das das Diakonische Werk im Rahmen seiner Kooperation mit der Firma Pfefferle ermöglichte, auch bei denene nicht auf, die zunächst am Boden bleiben mussten. Unter Anleitung von Daniel Grunwald verwandelten die sich nämlich in Indianer, die durch eine tiefe Schlucht voneinander getrennt waren und sich nur an zwei Seilen hangelnd besuchen konnten, was, wie sie bald feststellten, sogar mit "Gegenverkehr" funktionierte.

"Das sind Erlebnisse, die den Schülern Selbstvertrauen geben. Hier entstehen gute Gespräche, wenn man gemeinsam an einem Projekt arbeitet, sogar mit Schülern, die sonst eher Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken", erklärt Sozialarbeiterin Diana Renk den Hintergrund der Aktion. Dass solche Projekte immer wieder für Begeisterung bei den Schülern sorgen, freut sich Ulrich Pfefferer, der das Konzept in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk vor Jahren entwickelt hat und Diana Renk auch beim Anlegen des Schulgartens unterstützt hat. Das Baumklettern fand nun bereits zum zweiten Mal an der Leopoldschule statt – und soll im kommenden Schuljahr in jedem Fall wiederholt werden, wie Pfefferer den Schülern versicherte.