Unterm Strich

Schule vs. Jogginghosen: Vom Schwieberdinger Schlabberhosenstreit und seinen Folgen

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Do, 12. November 2015

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Eine Rektorin in dem schwäbischen Städtchen Schwieberdingen hat der Jogginghose am Schülerbein den Kampf angesagt. Sie stört sich am Schlabberlook.

Wir müssen von der Hose reden, schon wieder, Pardon. Zuletzt ging es hier im Juli um Hotpants und darum, dass mancher Schulleiter die knappen Textilien für zu aufreizend hält. Wer gehofft hatte, damit habe sich das Thema Hose in dieser seriösen Zeitung bis zum nächsten Sommer erledigt, irrt. Denn jetzt wird an Schulen und in Facebook schon wieder um die Hose gestritten, allerdings um das Gegenteil der Hotpants, die Jogginghose, und da müssen wir uns einmischen. Immerhin erfährt die Welt damit, dass es Schwieberdingen gibt, denn eine Rektorin in dem schwäbischen Städtchen hat der Jogginghose am Schülerbein den Kampf angesagt. Sie stört sich am Schlabberlook. "Schule ist keine Chillout-Zone", sagt sie. Und Kleidung habe auch etwas mit Haltung zu tun. Das klingt gut, macht es aber nicht einfacher. Denn das mit der Haltung unterschreibt auch der junge Jogginghosenträger. Und er denkt an die Werbung im Internet: Als "strapazierfähig und atmungsaktiv" wird seine Hose da gepriesen, "für Sportskanonen und Couchpotatoes", kurz: "gnadenlos cool".

Dass auch Hosen umstürzlerische Energie freisetzen können, weiß man seit den Sansculotten, denen "ohne Kniebundhosen", die in Frankreich die Revolution gemacht haben. So blutig muss sich der Schwieberdinger Schlabberhosenstreit nicht auswachsen. Dennoch ist er nicht leicht zu nehmen. Denn die jungen Fans gepflegter Jogginghosen könnten zurückfragen, was die Regeln sind, wer sie bestimmt und wie es zum Beispiel um die Optik des Lehrkörpers bestellt ist: der graumelierte Vollbart akkurat getrimmt oder ruhig auch zottelig? Das Hemd in der Hose oder gern auch außerhalb, damit der Bauch nicht so spannt? Mancher betritt das Klassenzimmer im Sommer auch gern barfuß in der Riemchensandale. Und was ist mit den kunstvoll zerlöcherten Designerjeans der Klassenkameradinnen? Man sieht: Ein Regelwerk muss her, ein kategorischer Dresscode, frei nach Kant: Trage nur das, von dem du ertragen könntest, dass es alle tragen. Wir sind gespannt.