Pragmatische Lösung

Schwangerschaftsberatung soll auch online möglich sein

kna

Von kna

Do, 26. März 2020 um 13:11 Uhr

Deutschland

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey hat mit den Ländern vereinbart, dass eine Schwangerschaftskonfliktberatung während der Corona-Krise auch online oder per Telefon ermöglicht werden soll.

Eine Beratungsbescheinigung zur Wahrung der Frist könne dann per Email oder Post versendet werden, teilte Giffey am Mittwochabend auf Instagram mit. Das persönliche Erscheinen der Schwangeren sei nicht notwendig, so die Ministerin. Die Grünen riefen den Bund dazu auf, dass dies auch in allen Bundesländern erfolge und sich kein Land weigere.

Giffey hatte die Landesminister bereits am vergangenen Freitag aufgefordert, die digitalen Möglichkeiten einer Beratung zu prüfen. Dazu gehörten "alle Formen von digitalen Beratungsformaten, die anzuerkennen sind". Das Schwangerschaftskonfliktgesetz biete ausreichend Spielraum für pragmatische Lösungen, so die SDP-Politikerin.

Die Schwangerenberatungsstellen beraten Frauen in Konfliktsituationen und können dabei auch einen sogenannten Beratungsschein ausstellen, der Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung ist. Beratungsstellen der katholischen Kirche stellen den Schein nicht aus.

Ärzte und Verbände wie Pro Familie hatten zum Teil weitergehende Forderungen gestellt. Über eine Videoberatung hinaus plädierten sie etwa dafür, einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch zu Hause mit telemedizinischer Begleitung bis Ende der neunten Woche zuzulassen. Zudem wollten sie Abtreibung als notwendige medizinische Leistung im Sinne der Pandemiebestimmungen anerkennen lassen. Der Bundesverband Lebensrecht hatte derartige Forderungen zurückgewiesen.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulle Schauws, erklärte dazu, kein Bundesland dürfe sich weigern, die nun vorgelegten Regelungen umzusetzen. Eine ortsgebundene Beratungspflicht in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten, sei unverantwortlich. Jetzt sei die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefragt, schnellstmöglich über Änderungen des Beratungsangebots in verschiedenen Sprachen aufzuklären. Die Anonymität, der Datenschutz und die Vertraulichkeit von Beratungen und Schwangerschaftsabbrüchen dürften nicht gefährdet werden.

Die Grünen-Sprecherin für Gesundheitsförderung, Kirsten Kappert-Gonther, ergänzte, Schwangerschaftsabbrüche dürften nicht daran scheitern, dass die Kostenübernahme wegen Schließungen oder Engpässen in Krankenkassen nicht rechtzeitig gewährleistet werde. Ärztinnen und Ärzte müssten darin unterstützt werden, medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche mit telemedizinischer Begleitung entsprechend der Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation anbieten zu können.