Zischup-Interview mit Marc Pach über Fotografie

"Schwarz-Weiß hat so einen Charme"

Helen Duppé, Klasse 9a, Kepler-Gymnasium

Von Helen Duppé, Klasse 9a, Kepler-Gymnasium (Freiburg)

Fr, 26. Februar 2021 um 09:37 Uhr

Schülertexte

Kaum einer fotografiert heute noch analog. Helen Duppé aus der Klasse 9a des Freiburger Kepler-Gymnasiums hat Marc Pach, Fachangestellter bei Vario Foto, zur analogen Fotografie interviewt.

Zischup: In Ihrem Geschäft werden immer noch analoge Filme verkauft. Ist das nicht eine aussterbende Art?
Pach: Natürlich. Früher war das der totale Boom. Da gab es oft 100 Meter lange Schlangen vor dem Geschäft. Wenn früher einmal ein Familienfest dokumentiert wurde, sind da schon mal mehrere Filme draufgegangen, und das ist ja nicht einmal pro Jahr passiert, sondern täglich.
Zischup: Solche Filme zu verkaufen, ist doch bestimmt teuer, nicht nur für den Kunden, sondern auch für das Geschäft. Lohnt es sich überhaupt noch, so etwas zu verkaufen?
Pach: Momentan wächst die Zahl der Käufer wieder, vor allem weil Jugendliche die alten Kameras ihrer Eltern oder Großeltern wiederfinden. Es gibt aber tatsächlich auch Leute, die nie mit der analogen Fotografie aufgehört haben! Der Markt ist also doch nicht so klein, wie er vorgibt.

Zischup: Jetzt gerade wird die Retro-Fotografie wieder zum Trend. Mit welchen Interessen kommen denn Kunden, außer diesem Grund, zu Ihnen?
Pach: Das kann ich jetzt nur schätzen, aber ich denke mal, dass nur 2 von 100 Leuten tatsächlich Auftragsarbeit mit analoger Fotografie betreiben. Der Rest tendiert vor allem zu den günstigen Filmen. Das sind hauptsächlich Einsteiger oder Jugendliche. Die teuren und wirklich hochwertigen Filme lassen sich allerdings nur schwer verkaufen.
Zischup: Hätten Sie Tipps, die Sie diesen Einsteigern mit auf den Weg geben würden?
Pach: Ich würde vorerst eine halbautomatische Kamera vorschlagen, da es ziemlich kompliziert werden kann, wenn man Blende, Belichtungszeit und so weiter einstellen muss. Bei solchen Kameras, die eben nicht automatisch sind, kann es schnell mal sein, dass eine ganze Filmrolle über- oder unterbelichtet ist. Man sieht das ja erst, wenn der Film dann tatsächlich entwickelt ist.

Zischup: Ich habe auch eine analoge Kamera. Momentan ist die Blende kaputt. Reparieren Sie in Ihrem Geschäft auch alte Kameras?
Pach: Analoge Reparaturen machen wir nicht mehr, da man dafür spezielle Geräte braucht. Deshalb entwickeln wir die Filme, die man hier bei uns abgeben kann, auch nicht, sondern senden sie an ein Labor, das uns die Arbeit abnimmt. Dafür haben wir einfach nicht die nötigen Gerätschaften!
Zischup: Wie hat sich Ihre Arbeitsweise durch die digitale Fotografie verändert?
Pach: Früher hatten wir noch ein Labor im Nebenraum. Wir hatten auch mehr als nur diesen einen Laden hier in Freiburg. Einer von unseren vielen Läden hatte sich zum Beispiel nur auf das Entwickeln der Bilder spezialisiert. Dort konnte man nichts kaufen, sondern nur abgeben. Jetzt beraten wir viel mehr. Die Leute wollen wissen, was sie kaufen und gehen langsamer an die Sache ran.

Zischup: Wofür eignet sich in Ihren Augen die analoge Fotografie am besten?
Pach: Einerseits fotografiert man automatisch bewusster. Man weiß, dass man nur 36 Fotos machen kann – und jeder einzelner Schuss Geld wert ist. Nicht, wie auf dem Handy, wo man mehrere hundert Bilder macht und dann aussortiert. Andererseits kommt mit dem bewussten Fotografieren eine gewisse Emotionalität ins Spiel, die sich auf die Bilder überträgt. Das ist etwas, was einfach da ist. Man kann es nicht greifen! Außerdem hat man mehr Zugang zu dem Medium. Eine persönliche Art von Verbindung. Dadurch kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Fotografieren unglaublich individuell ist. Jedes Foto ist etwas ganz Besonderes!
Zischup: Was ist Ihr Lieblingsformat? Bunt- oder Schwarz-Weiß Film?
Pach: Schwarz-Weiß hat so seinen Charme. Mein absoluter Liebling!