Sommertour der Parlamentarischen Staatssekretärin

Schwarzelühr-Sutter hat immer das umweltpolitische Ass im Ärmel

David Rutschmann

Von David Rutschmann

Do, 20. August 2020 um 14:28 Uhr

Bad Säckingen

Rita Schwarzelühr-Sutter war bei den Laufenburger Sanierungsprojekten, im Zechenwihler Hotzenhaus und im Wallbacher AWO-Kaufhaus zu Besuch und informierte sich, wo jeweils der Schuh drückt.

Frauen in der Politik sehen sich oft damit konfrontiert, dass mehr über ihr Outfit als über ihre Kompetenz gesprochen wird. Eigentlich sollten Journalisten entsprechende Bemerkungen also umgehen. Dass die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, bei der Sommertour in ihrer Heimat einen SPD-roten Zweiteiler mit passendem Lippenstift trägt – ein Schelm, der da nicht an Wahlkampf denkt. "Ich bekenne Farbe", sagt Schwarzelühr-Sutter dazu.

Der erste Termin führt um 9 Uhr ins Rathaus nach Laufenburg. Bürgermeister Ulrich Krieger empfängt im Ratssaal, er hat eine Power-Point-Präsentation zu städtebaulicher Förderung vorbereitet – das Thema hatte sich Schwarzelühr-Sutter für ihren Besuch gewünscht. "Mich interessiert, wie Altstädte baulich dem Lädelisterben entgegentreten und soziale Siedlungen familienfreundlich gestaltet werden können", sagt sie. Krieger präsentiert die verschiedenen Sanierungsprojekte der vergangenen 40 Jahre, die Bundestagsabgeordnete macht sich auf ihrem Tablet Notizen. Viele Anliegen des Bürgermeisters kann "Rischwasu" (so nennt sie sich auf Twitter) nachvollziehen, erklärt, dass ihr das ein oder andere neu sei und sie das "mitnehme".

"Mich interessiert, wie Altstädte baulich dem Lädelisterben entgegentreten und soziale Siedlungen familienfreundlich gestaltet werden können"Rita Schwarzelühr-Sutter

Etwas diskussionsfreudiger wird sie, als Krieger ihr das Modell des aktuellen Neugestaltungsprojekt Rappensteinhalle/Hans-Thoma-Schule erläutert. Sie zeigt auf die Dächer: "PV-Anlagen würden sich hier ja anbieten." Krieger wiegelt ab, dass man mit der Anbringung von Solarzellen einen Stromüberschuss habe, den die Stadtwerke nicht loswerden würden. Schwarzelühr-Sutter gibt zu bedenken, dass gerade Schulen bei der Energiewende eine Vorbildfunktion einnehmen müssten. "Und für die ganzen Ladestationen für E-Autos in der Stadt werdet ihr ja auch eine Menge Strom brauchen." Diesmal ist Krieger dran, zu sagen, dass er das "mitnehme", man würde sich das noch überlegen.

Anschließend macht man sich auf, um die Sanierungen noch vor Ort zu begutachten.

Mit Baustellen-Helm, Maske und "Ebola-Gruß" im Hotzenhaus

Die Bauarbeiten in der Hans-Thoma-Schule und im Rappenstein-Kindergarten sind im vollen Gange. Schwarzelühr-Sutter lässt sich herumführen, zeigt sich interessiert. Insbesondere Fragen nach der Digitalisierung der Schule haben es ihr angetan. Auch für den Akkubohrer mit integrierter Taschenlampe eines Bauarbeiters kann sie sich begeistern. Dann muss sie aber auch schon weiter, der nächste Termin wartet. Und mit ihm der sonnenbebrillte Fahrer im schwarzen Regierungs-BMW mit Bonner Kennzeichen.

Beim Zechenwihler Hotzenhaus in Murg-Niederhof ist man daraufhin "unter sich": Schließlich sind viele der Vereinsmitglieder des Hotzenhauses wie Schwarzelühr-Sutter SPD-Mitglieder. Die Bundestagsabgeordnete begrüßt die Vereinsgenossen mit dem Ellenbogen, sie nennt das den "Ebola-Gruß". Der Besuch soll den aktuellen Sachstand der Sanierung des historischen Baudenkmals veranschaulichen. Schon im kommenden Jahr sollen hier wieder Hochzeitsgesellschaften feiern können.

Mit Bau-Helm und Mundschutz werden die versammelten Mitglieder und Gäste durch das Gebäude geführt. Der Vereinsvorsitzende und stellvertretende Murger Bürgermeister Georg Kirschbaum – seine Maske ziert das Logo des Metal-Festivals Wacken – erläutert, dass mit dem alten Brennkessel auch schon bald wieder Schnaps gebrannt werden kann. Zum Abschied schenkt er Schwarzelühr-Sutter eine Zucchini aus dem heimischen Garten.

Umweltpolitische Themen betont sie bei jedem Termin

Ihren Status als Umweltpolitikerin macht Schwarzelühr-Sutter bei jedem Termin ihrer Sommertour deutlich. Beim Zechenwihler Hotzenhaus, dessen baulichen Fortschritt sie mit "mein lieber Schwan" kommentiert, lobt sie den nachhaltigen Gedanken in der Kombination traditionsreicher und moderner Bautechniken. Und das Sozialkaufhaus der Arbeiterwohlfahrt in Wallbach, ihren letzten Termin an diesem Tag, würde sie sogar liebend gerne als "Nachhaltigkeitskaufhaus" bezeichnen. Schließlich ist die Idee eines preisgünstigen Second-Hand-Kaufhauses als besonders ressourcen- und damit umweltschonend einzuordnen.



Kaufhausleiter Jürgen Albiez gesteht, dass der Name des Kaufhauses tatsächlich verwirrend wahrgenommen werden kann: "Manche glauben, sie dürfen bei uns nicht einkaufen, weil sie sonst den sozial Schwachen etwas wegnehmen." Dass das Kaufhaus im Frühjahr preisgünstig PCs an bedürftige Familien fürs notwendige Homeschooling verkauft hat, imponiert Schwarzelühr-Sutter besonders. Zu einem Schnäppchen lässt sie sich dennoch nicht hinreißen. Dann wird es wohl auch auf der restlichen Sommertour der SPD-rote Zweiteiler.