Rätoromanisch

Rapper Clavuot rappt in der ältesten Sprache der Schweiz

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Mi, 13. Mai 2015 um 13:56 Uhr

Schweiz

Die Worte klingen, die Sprache ist melodiös – nur versteht sich kaum einer: Wenn Gino Clavuot losrappt, dann rappt er auf Rätoromanisch, der ältesten der vier Schweizer Sprachen.

Dum-dschi, du-dum-dum-dschi hämmert es aus den Lautsprechern, ein Mann singt völlig unverständliche Worte: "Chi vess Cret cha voss" und "chi ha tema dal ohm nari?" Wie bitte? Neuer Versuch, das nächste Lied. Diesmal: Du-dum-dschi, dum du-dschi. Der Rhythmus der Musik ist fast identisch. Und der Text? Schwer zu sagen. Aber die Worte klingen, die Sprache ist melodiös. Als wäre sie fürs Singen erfunden. Die weichen Endungen kontrastieren reizvoll mit dem harten, treibenden Wummern von Basstrommel und Snare sowie der Bassgitarre. Die Stimme ist nicht aggressiv und rau, sie strömt vielmehr eine freundliche Wärme aus.
Das nächste Lied der CD: "Es goat miar guat", heißt es an anderer Stelle, "I han alles won I bruch." Das klingt nach alemannischem Sprachraum und ist mit gutem Willen durchaus verständlich. Dum-dum-dschi, du-dum-dum-dschi. Von Dankbarkeit singt der junge Mann – und das will nicht so recht passen zu dem, was man weiß über Rapmusik.
Ein unverstellter Mann
Gino Clavuot heißt der Sänger; man begegnet einem freundlichen 30-Jährigen mit riesigen braunen Augen und einem gewinnenden Lächeln. Und man versteht besser, wenn er in einem Lied singt: "Weniger Botox, mehr freundliches Lächeln." Der Satz passt zu dem unverstellten Mann. Gegen den kalten Wind, der an diesem Morgen trotz Sonnenschein vom Zürichsee die Bahnhofstraße der Schweizer Finanzmetropole herunterweht, hat er sich mit Strickmütze und Daunenweste gewappnet, sein Schritt ist federnd wie der Rhythmus seiner Lieder.
In jungen Jahren, erzählt er, sei er ein erfolgreicher Snowboarder gewesen. Nach einer schweren Verletzung musste er seinen Traum vom Profi aufgeben. Seine Freizeit widmete er fortan der Musik. Mit Schulfreunden fing er an, rappte auf der Abifeier, gab erste Konzerte. Irgendwann ...

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