Fernsehen

Schweizer Sender SRF 1 und SRF 2 verschwinden von den Bildschirmen

Rolf Müller

Von Rolf Müller

Mo, 13. Mai 2019 um 14:26 Uhr

Computer & Medien

Aus Kostengründen schaltet das Schweizer Fernsehen die Antennen für sein im Grenzgebiet beliebte Programm ab. Dennoch wird das Nachbarland nicht vollends zur Terra incognita.

Am 3. Juni schaltet das öffentlich-rechtliche Schweizer Fernsehen SRG die Antennen für die Ausstrahlung seiner auch im deutschen Grenzgebiet beliebten Fernsehprogramme SRF 1 und SRF 2 ab. Verantwortlich ist die neue Konzession der SRG, die aus Kostengründen den Verzicht auf DVB-T im stark verkabelten Nachbarland ausdrücklich vorsieht. Bereits die Umstellung vom "einfachen" Digitalfernsehen auf das hochauflösende DVB-T2 hat die Schweiz nicht mitgemacht, jetzt werden alle TV-Antennen abgeschaltet.

Betroffen sind nicht nur die deutschen Grenzgebiete, sondern auch das Kabelnetz von Unitymedia bis Offenburg und Villingen. Da konnten bislang die Programme SRF 1 und SRF 2 aufgrund des "Overspills" eingespeist werden, weil sie auch terrestrisch zu empfangen waren. Allerdings wurde diese Möglichkeit recht großzügig ausgelegt – schon in Freiburg waren die Schweizer Programme mit einer Antenne kaum zu empfangen. Und nach entsprechender Intervention von Sky mussten im Kabelnetz die Bildschirme bei Sportübertragungen wie der Champions League schwarz bleiben. Vom 3. Juni an wird das zum Dauerzustand, dann sind nur noch Standbilder zu sehen.

Eine Rechte für Unitymedia

Die Aufregung entlang der Hochrheinschiene und im Bodenseeraum ist jetzt groß, größer als bei der ersatzlosen Abschaltung der Antennenausstrahlung der deutschen Programme von ARD und ZDF im Rahmen der Umstellung aufs hochauflösende DVB-T2 – ebenfalls aus Kostengründen. Beklagt wird, dass das deutsche Grenzgebiet an Hochrhein und Bodensee keine TV-Informationen aus der Schweiz erhält. Auch lokale Politiker wie die Bundestagsabgeordneten Armin Schuster (CDU) und Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) machen sich für den Erhalt des grenzüberschreitenden Fernsehens und der grenzüberschreitenden Informationen stark – und beweisen damit allenfalls ein erhebliches Informationsdefizit über die medienpolitische Situation im Nachbarland sowie die rechtliche Situation.

Denn weder kann die SRG den deutschen Nachbarn zuliebe gegen ihre Konzession verstoßen, noch darf Unitymedia Programme ins Kabelnetz einspeisen, für die es in Deutschland keine Rechte gibt.

Vielen geht es um den Sport und die Spielfilme

Allerdings ist der Verdacht nicht unbegründet, dass es den deutschen Freunden der Schweizer Fernsehprogramme weniger um die Nachrichten aus der Schweiz und den ausgezeichneten Wetterbericht aus dem Alpenraum geht als vielmehr um Champions League und das attraktive Spielfilmangebot auf SRF 2. Denn Informationen aus Bern und den Kantonen gibt es nach wie vor, wenn auch nicht mehr ganz so einfach wie bisher. Das Programm SRF info übernimmt zeitversetzt aus den Hauptprogrammen überwiegend Sendungen, für die es keine rechtlichen Probleme gibt: von der "Tagesschau" über "10 vor 10" und "Kassensturz", von "Schweiz aktuell" über "Kulturplatz" bis zur "Rundschau". Nur beim Sport bleibt die Mattscheibe schwarz.

Wie alle Schweizer Programme, Radio inklusive, wird SRF info in HD allerdings nicht über Astra, sondern über die Hotbird-Satelliten ausgestrahlt. Astra und Hotbird können aber mit einer gemeinsamen Schüssel und zwei Signalumsetzern (LNB) empfangen werden. Für Interessenten von mehr Nachrichten aus dem Nachbarland Frankreich, auch das ein immer wieder geäußertes Anliegen, gibt es über Hotbird das interessante private französische Nachrichten-Programms BMFTV.

Wetterbericht über Smartphone-App

Schlecht sind die Nachrichten aus der Schweiz im Drei-Länder-Programm 3sat platziert, auch im Vergleich zu "ZIB" und "ZB 2" aus Österreich. Die Nachrichtensendung "10 vor 10" ist hier erst nach Mitternacht zu sehen. Dafür sind die Sendungen von SRF info über das Internet zu sehen. Sogenanntes Geoblocking wird nur dann eingeschaltet, wenn die Rechte lediglich für die Schweiz vorliegen, von der Sportübertragung bis zu den Spielfilmen. Den Freunden des Schweizer Wettberichts kann dagegen ganz einfach geholfen werden: mit der empfehlenswerten Smartphone-App SRF Meteo. Ein umfangreiches Nachrichtenangebot findet sich in der App mit dem schlichten Namen SRF. Videoclips von der Champions League sind allerdings auch hier für Nutzer außerhalb der Schweiz geblockt.

Nicht ganz nachzuvollziehen ist indessen, dass Unitymedia nicht wenigstens das grenzüberschreitende Informationsbedürfnis bedient und SRF info ins Kabelnetz einspeist, was rechtlich durchaus möglich wäre. Doch offenbar hat man auch beim Kabelnetzbetreiber den Eindruck, dass das Interesse an Schweizer Programmen auf deutscher Seite mehr dem Sport und der Unterhaltung als der Information gilt.

Auf Anfrage der BZ hieß es recht eindeutig, "das Interesse unserer Kunden galt bisweilen vor allem den Sendern SRF 1 und SRF 2." Die Konsequenz aus der Erkenntnis: "Nach vorangegangenen Gesprächen mit dem Schweizer Fernsehen ist eine Einspeisung von SRF Info künftig nicht geplant." Eine nähere Begründung liefert das Kabelunternehmen aber nicht. Für eine Einspeisung von SRF info ins südbadische Kabelnetz wäre das Engagement der Abgeordneten sinnvoll und nicht von vorneherein völlig aussichtslos, wenn’s denn mehr als Wahlkampf-Getöse sein soll.
Alternativen

SRF info über Satellit: Hotbird (13 Grad Ost), Transponder 123, 11526 Mhz/Horiz, Symbolrate 29 700; im Internet: http://www.srf.ch/play/tv – Apps für Android und iOS: u.a. SRF (Nachrichten), SRF METEO