Coronavirus

Schwerpunktpraxis in Schönau eingerichtet – Fieberambulanz kommt nach Lörrach

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Fr, 03. April 2020 um 14:29 Uhr

Kreis Lörrach

Die Kassenärztliche Vereinigung baut zentrale Strukturen für Patienten mit Atemwegserkrankungen auf. Die erste Corona-Schwerpunktpraxis wurde in Schönau eingerichtet, in Lörrach folgt eine Fieberambulanz.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg baut landesweit zentrale Strukturen auf für Patienten mit Atemwegserkrankungen und damit womöglich Covid-19-Verdacht. Erste Corona-Schwerpunktpraxis im Kreis Lörrach ist die Schönauer Außenstelle des Gesundheitszentrums Todtnau. Kommende Woche wird zudem in Lörrach, in der Kreissporthalle, eine Fieberambulanz eröffnet. Die zentrale Abstrichstelle in Rheinfelden wird laut KV zunächst einmal weiter betrieben.

"Wir müssen versuchen, dass die Patienten mit Atemwegserkrankungen nicht in den normalen Praxen behandelt werden, um die anderen Patienten – es gibt ja auch noch Patienten, die unabhängig von Corona einen Arzt benötigen – und das Praxispersonal nicht zu gefährden", erklärte KV-Pressesprecher Kai Sonntag am Freitag auf BZ-Anfrage den Hintergrund zentraler Corona-Ambulanzen.

Dort werden Patienten untersucht und behandelt; gegebenenfalls wird auch ein Abstrich vorgenommen für einen Test auf Covid-19. Ziel sei, dass so möglichst wenige Arztpraxen wegen Corona-Fällen geschlossen werden müssen und der Praxisbetrieb aufrechterhalten werden kann. Patienten mit Symptomen, betont Sonntag, sollen aber auf keinen Fall direkt zu den Corona-Ambulanzen kommen. Vielmehr sind sie gehalten, sich telefonisch beim Haus- oder Kinderarzt oder unter der Nummer 116 117 beim ärztlichen Bereitschaftsdienst zu melden. Von dort werden sie dann weitervermittelt.

Patienten werden nur mit Termin untersucht

Zentrale Corona-Ambulanzen sind entweder sogenannte Fieberambulanzen, die üblicherweise Krankenhäusern angegliedert sind, oder Corona-Schwerpunktpraxen in niedergelassenen Arztpraxen. Letztere seien eine kollegiale Aushilfe für Praxen, bei denen eine Trennung infektiöser und nichtinfektiöser Patienten aus räumlichen oder anderen Gründen nicht möglich ist, erläutert Martin Honeck, Facharzt für Allgemeinmedizin und einer der vier Teilhaber des Gesundheitszentrums (GZ) Todtnau. Dessen Schönauer Außenstelle ist die erste Corona-Schwerpunktpraxis im Landkreis; weitere könnten folgen. Das GZ Todtnau hatte bereits seit Mitte März für seine eigenen Patienten einen baulich getrennten Infektionsbereich eingerichtet. Mit der Anerkennung durch die KV als Schwerpunktpraxis Anfang dieser Woche wurde dieser Bereich komplett an die Außenstelle im Gesundheitszentrum Schönau ausgelagert.

Melden sich weitervermittelte Patienten mit Symptomen beim GZ Todtnau – im Callcenter dort gehen täglich um die 650 Anrufe ein –, bekommen sie bei Bedarf am selben Tag einen Termin und werden einzeln in der Außenstelle Schönau einbestellt, um Ansteckungen zu vermeiden. Die Filiale ist aktuell mit zwei Ärzten und drei Medizinischen Fachangestellten besetzt. Ein Arzt in Vollverkleidung mit Maske, Visier, Kittel und Handschuhen befragt die Patienten nach Kriterien des Robert-Koch-Institutes, untersucht und behandelt sie; bei Bedarf nimmt er einen Abstrich. Der zweite Arzt kümmert sich vornehmlich um ärztliche Rückrufe und Videosprechstunde.

Hausärzte haben zum Teil weniger zu tun

Bei paralleler Sprechstunde würden die beiden Ärzte pro Tag gut 100 Patienten bewältigen können. Die Kapazität kann aber bei Bedarf erweitert werden. Das GZ Schönau verfügt über sechs Behandlungsräume. Und mancher Hausarzt hat derzeit weniger als sonst zu tun, weil ihn in der Corona-Krise nur noch aufsucht, wer unbedingt muss. Ab Eröffnung einer Fieberambulanz in Lörrach dürften Patienten aus dem vorderen Wiesental, vom Hoch- und Oberrhein dorthin geschickt werden.