Namensstreit

Der Gemeinderat Bad Säckingen will neue Straße nicht nach der AWO-Gründerin benennen

Axel Kremp

Von Axel Kremp

Mi, 19. Februar 2020 um 17:00 Uhr

Bad Säckingen

Auf wenig Begeisterung ist der Vorschlag gestoßen, einer der beiden Straßen im neuen Baugebiet "Leimet III" nach Marie Juchacz, der Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, zu benennen.

Das sieht ganz nach einer Abstimmungsniederlage für Bürgermeister Alexander Guhl und die Stadtverwaltung aus: Auf wenig Begeisterung ist im Gemeinderat der Vorschlag gestoßen, einer der beiden Straßen im neuen Bad Säckinger Baugebiet "Leimet III" nach Marie Juchacz, der Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, zu benennen.

Der AWO-Kreisverband hatte Juchacz vorgeschlagen

Als Bürgermeister-Stellvertreter Michael Maier in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments merkte, dass der Vorschlag Marie Juchacz auf wenig Gegenliebe bei den Stadträten stößt, nahm er das Thema von der Tagesordnung und bat die Fraktionen, bis 15. April eigene Vorschläge vorzulegen. Vorgeschlagen wurde der Name vom Kreisverband Waldshut und vom Stadtverband Bad Säckingen der Arbeiterwohlfahrt. Marie Juchacz habe die Arbeiterwohlfahrt gegründet, in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung und im Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen habe sie eine bedeutende Rolle gespielt und sie sei die erste Frau gewesen, die in einem deutschen Parlament ans Rednerpult getreten sei, heißt es in der Begründung der AWO.

"Wie immer in diesem Baugebiet bekommen wir es zu hören, wenn wir die Hand heben sollen." Clemens Pfeiffer (CDU)

Die Verdienste von Marie Juchacz stellte im Gemeinderat niemand in Abrede, allerdings fühlten sich etliche Redner von der Verwaltung überfahren. "Wie immer in diesem Baugebiet bekommen wir es zu hören, wenn wir die Hand heben sollen", beklagte Clemens Pfeiffer für die Union nahezu wortgleich mit Fred Thelen von den Freien Wählern. Irene Klaußner von den Grünen freute sich, dass die Straße nach einer Frau benannt werden soll, meinte aber, dass es in Bad Säckingen und Umgebung genügend Frauen gebe, die mit der Straßenbenennung geehrt werden könnten. Ihr Fraktionskollege Franz Stortz nannte auch gleich einen Namen: Erna Döbele aus Murg habe 1945 in Säckingen 96 Polen das Leben gerettet. Die Frau stamme aus der Region und habe Zivilcourage gezeigt.

CDU-Vorschlag: Hermann Stratz

Clemens Pfeiffer brachte für die CDU-Fraktion den Säckinger Verleger und Redakteur Hermann Stratz ins Gespräch. Auch Frank van Veen (Unabhängige Bürgerliste) sprach sich für eine Vorschlagsliste durch die Fraktionen aus, appellierte aber, "kein Theater" zu machen wie vor Jahren bei der Umbenennung der Hindenburgschule in Anton-Leo-Schule. Unproblematisch ist die Benennung der zweiten Straße in Leimet III: die Vollmarstraße wird ins Baugebiet verlängert.