Ausgebremst von der Pandemie

Schwierige Zeiten für die Volkshochschule Nördlicher Kaiserstuhl

Ruth Seitz

Von Ruth Seitz

Mi, 13. Oktober 2021 um 18:30 Uhr

Endingen

Die Pandemie bremste die Kursangebote aus, Online-Kurse waren kaum gefragt: Die Nördlicher Kaiserstuhl meisterte dennoch mit viel Einsatz die schwierigen Zeiten. Doch diese sind noch nicht vorbei.

Arbeit, Arbeit und noch mal Arbeit – Corona hat dem Team der Volkshochschule Nördlicher Kaiserstuhl viel abverlangt und wegen der Kurse, die nicht stattfinden konnten, auch ein Minus in der Kasse beschert, das dank umsichtigem Wirtschaften aufgefangen werden konnte. "Auch wenn viele dachten, wir hätten in den Lockdowns nichts zu tun gehabt, das Gegenteil war der Fall", stellte VHS-Geschäftsführerin Christiane Weinmann-Eichenbaum bei der Mitgliederversammlung am Dienstagabend in Forchheim klar.

Flexibilität, Geduld und Durchhaltevermögen gefragt

Alles komplett dicht machen, den Betrieb wieder langsam hoch fahren, neue größere Räume suchen, die den strengen Hygieneregeln entsprechen, vor allen Dingen aber auch die vielen Telefonate mit teils uneinsichtigen Kunden haben dem VHS-Team über Wochen und Monate hinweg viel Flexibilität, Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt. Etliche Kunden hätten nach den Lockdowns kein Interesse mehr an Kursen gehabt, hätten den Aufwand des Testens gescheut, wollten jeden noch so kleinen Betrag von den abgesagten Kursen erstattet haben. Dies alles habe enorm viel Arbeit bedeutet, die auch nicht immer angenehm gewesen sei, stellte Christiane Weinmann-Eichenbaum klar. Auch wenn sich das Team nach außen hin groß darstelle, so müsse klar sein, dass der Geschäftsbetrieb in 2020 von einer Teilzeitkraft und fünf geringfügig Beschäftigten geleitet und organisiert wurde. Und das entspreche gerade mal zwei vollen Stellen. Wertschätzende Vorstandsbeschlüsse hätten coronabedingte Kündigungen verhindert.

Dank und Anerkennung vom Vorstandsteam

Auch der Vorstand war sich des Arbeitspensums bewusst, welches das VHS-Team während der gesamten Pandemiezeit geleistet hat. Und so hatte der Vorsitzende Tobias Metz als Dank und Anerkennung einen großen Geschenkkorb für die VHS-Geschäftsführerin und ihr Team mitgebracht. Anerkennung gab es auch von Riegels Bürgermeister Daniel Kietz: "Die Leute haben kein Gefühl dafür, was es bedeutet, wenn sie ein paar Euro zurückfordern." Da habe sich in der Gesellschaft "irgendwas verschoben".

Nur 3600 Unterrichtseinheiten im Geschäftsjahr 2020

Im gesamten Geschäftsjahr 2020 konnte die VHS gerade mal die Hälfte der üblichen Unterrichtseinheiten verbuchen – rund 3600. Trotz aller Bemühungen seien die Online-Kurse so gut wie gar nicht angenommen worden, nur sechs Kurse seien online gelaufen. Fast alle Angebote für Kinder mussten ausfallen, ebenso Sport- und Bewegungskurse, weil die Räume nicht zur Verfügung standen. Die Nutzung von Räumen in Schulen oder Kindergärten war zeitweise pandemiebedingt untersagt.

Wie wirkt sich die Kostenpflicht bei den Tests aus?

Auch das laufende Jahr gestalte sich ausgesprochen schwierig, fast noch schlimmer, meinte die Geschäftsführerin. Erst ab Juni seien wieder Kurse möglich gewesen, Impfnachweis und Testpflicht für die Kursteilnehmer hätten der VHS viele Absagen eingebracht. Wie sich die nun kostenpflichtigen Testungen auswirken werden, bleibe abzuwarten, so Christiane Weinmann-Eichenbaum.

Kooperationen und Netzwerkarbeit

Auf einem guten Weg ist die Volkshochschule Nördlicher Kaiserstuhl in Sachen Digitalisierung und Zertifizierung. "Bis zum 50-jährigen Bestehen sind wir zertifiziert", so die Geschäftsführerin.

Kooperationen mit den bewährten Partnern und verstärkte Netzwerk- und Gremienarbeit gewinne in Pandemiezeiten doppelte Bedeutung, sei aber auch von Bedeutung, damit die eher kleine VHS Nördlicher Kaiserstuhl neben den großen "nicht untergehe."Auch die verstärkte Nutzung von Social-Media-Kanälen gewinne an Bedeutung.

Fehlbetrag über Rücklagen ausgeglichen

Rechner Hartmut Dicke bescheinigte der VHS einwandfreies Wirtschaften. Corona mit all seinen Folgen habe im Jahr 2020 der VHS "alles abverlangt", der Fehlbetrag von 20 000 Euro sei nicht zu vermeiden gewesen, aber aufgrund des guten Wirtschaftens über die Rücklagen gut auszugleichen gewesen. Die Misere werde sich allerdings erst 2022 in der Auszahlung der Landesmittel massiv auswirken, so die Geschäftsführerin.

Umbau der ehemaligen Werkrealschule verschärft Raumnot

Und noch eines steht der Volkshochschule ins Haus: Wegen des großen Umbaus der ehemaligen Werkrealschule werden der VHS in den kommenden Semestern Unterrichtsräume fehlen. Das bedeutet, dass nicht nur die allgemeine Programmplanung für 2022 bewältigt werden muss, sondern auch viele neue Räume gesucht werden müssen. Hier hoffe sie auf die aktive Unterstützung der Mitgliedsgemeinden, meinte die Geschäftsführerin.

An dem Abend wurde auch Forchheims Bürgermeister Christian Pickhardt als Nachfolger von Johann Gerber in den Beirat berufen. Außerdem wurde Ute Fehlmann nach 40 Jahren engagierter Kursleitertätigkeit in vielen verschiedenen Bereichen mit Blumen und vielen Dankesworten verabschiedet.