Lenzkirch stellt Weichen für nächste Badegeneration

Schwimmen in Trinkwasserqualität

Ralf Morys

Von Ralf Morys

Mi, 29. Juli 2020 um 12:23 Uhr

Lenzkirch

Im Schwarzwald in zehn Monaten 1,2 Millionen Euro zu verbauen, ist sportlich. Lenzkirch hat es bei der Freibad-Modernisierung geschafft. Die Schwimmer kraulen nun in Trinkwasserqualität.

Mit knallenden Sektkorken bei einer kleinen Einweihungsfeier, ist die stressige Zeit der 1,2 Millionen Euro teuren Freibad-Modernisierung in Lenzkirch am Dienstagabend zu Ende gegangen. Der seit dem 4. Juli mögliche Badebetrieb "ist gut angelaufen", so Bürgermeister Andreas Graf. Er lobte nochmals die Entscheidung, die Planung in einem Ruck umzusetzen. "Das Ergebnis kann sich sehen lassen", so Graf. Das habe vor 1,5 Jahren niemand gedacht, dass wir heute die gute Basis für die nächsten Badegenerationen feiern können.

Der "geistige Vater" der neuen Freibad-Technologie, Hans-Jörg Meier, dankte der Gemeinde, dass sie das Spiel beim Kinderbecken mitgemacht habe und so ein guter Kleinkindbereich entstanden ist. "Eine solche Wasserqualität habe ich den Besuchern noch nie bieten können", brachte es Schwimmmeisterin Angela Fiedler auf den Punkt. Wolf-Dieter Reichwein vom Freibad Förderverein Lenzkirch überreichte eine kleine Skulptur.

Seit gut drei Wochen ist das Freibad Lenzkirch geöffnet und die Modernisierung kommt nicht nur im Ort selbst gut an. "Nachdem sich Bonndorf und Schluchsee entschlossen haben, ihre Freibäder in diesem Sommer nicht zu öffnen, kommen auffallend viele Gäste aus Bonndorf und Schluchsee nach Lenzkirch", hat Schwimmmeisterin Angela Fiedler bemerkt. Und auch der Neustädter Schwimmverein kommt zwei Mal die Woche zum Training nach Lenzkirch. Selbst aus Kirchzarten sind Anfragen im Freibad Lenzkirch angekommen und aus dem Freiburger Raum sind ohnehin "explizit viele Leute da", erzählt Fiedler und ist stolz über die gute Werbung von Mund zu Mund.

"Baustelle kostete Nerven"
"Das Lenzkircher Freibad ist klein aber fein" und die Lenzkircher dürfen sich mit der durch die neue Beckendurchströmungen und Wasseraufbereitung erreichten besten Wasserqualität "von und zu schimpfen", sagt Fiedler. Der Beschluss der Gemeinde, die Sanierung des Freibads anzupacken sei zum richtigen und letztmöglichen Zeitpunkt gefasst worden.

Unmittelbar nach dem Ende der Badesaison 2019 rückten die Bagger an und in einem Rutsch erfolgte die Modernisierung. "Die Baustelle kostete Nerven. Ich bauche das nicht noch einmal", blickt Fiedler auf die unruhigen Wintermonate zurück. In dieser Zeit ist eine moderne computergesteuerte Anlage im Bad installiert worden, die ihr anfangs viel Respekt abverlangte. Mittlerweile gerät Fiedler fast schon ins Schwärmen, wenn Sie von ihrem neuen Bad erzählt. Arbeitserleichternd sei alles und auch die neue Technik der Wasseraufbereitung hat sie nach Tagen des "learning by doing" bestens im Griff. Alle drei Stunden wird das Wasser im Schwimmerbecken aufbereitet und man muss weniger heizen. Und die Badegäste sind "happy mit der Anlage und wissen die Düsen, die das aufbereitete Wasser wieder ins Becken zurückspritzen für Unterwassermassagen zu nutzen.

Topwert: 280 Besucher am Tag
Im Freibad dürfen sich zeitgleich 360 Leute aufhalten. "Das ist sehr viel", meint Fiedler und verweist auf die höchsten Tagesbesucherzahlen in Zeiten vor Corona, die gezählt von morgens bis abends bei 700 Leuten liegen. Der Appell an die Eigenverantwortung fruchtet und die Gäste müssen sich an den Online-Ticketverkauf gewöhnen. "Das wird wohl auch bleiben", blickt Fiedler voraus.

In den vergangenen Tagen kamen viele holländische Besucher, die online keine Karte kaufen können, weil sie in Deutschland kein Bankkonto haben. "Wir wollen keinen Gast wegschicken oder verärgern und greifen in diesen Fällen auf das an der Kasse hinterlegte Kartenkontingent zurück", so Fiedler.

Problemlos läuft die Helferassistenz im Bad, für die viele freiwillige Helfer sorgen. 80 Schwimmer dürfen maximal zeitgleich im Becken schwimmen. Die Höchstzahl lag bei 54. Ist das Becken gut frequentiert, dann bleiben Sprungturm und Rutsche zu. Ansonsten öffnet die Schwimmmeisterin eines von beiden und überwacht den Betrieb.

An einem top Badetag kommen etwa 280 Besucher ins Bad. "Ich bin zufrieden mit den Besucherzahlen, die Leute sind wegen Corona noch verhalten und es gab auch noch keine stabile Hochwetterlage", sagt Fiedler. Der neue Kinderbereich sei "Bombe", selbst etwas größere Kinder genießen es im Wasser zu spielen. Dazu zählt auch der Kletterturm mit den Gummimatten darunter, der sehr gut angenommen wird. Der Förderverein hat hier "alles investiert" und Andreas Wittmer seine Ideen und Fachkenntnisse miteingebracht.

Viele Bausteine trugen zu der schönen Anlage bei. Namentlich führte Bürgermeister Graf bei der Eröffnung Leonhard Wißler und Martin Schmidt von der Verwaltung sowie Andreas Wittmer an, der sich persönlich mit Ideen und Wissen eingebracht habe. Auch der Förderverein tätigte große Spenden für den Kinderbereich mit dem Sonnensegel und dem Kletterturm.

Individuelle Kartenlösungen
Die ursprüngliche Aufteilung der Tageskarten in nur zwei Badezeiten von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 19 Uhr hat sich nicht bewährt. Auf Anregung von Schwimmmeisterin Angela Fiedler hat die Verwaltung schnell und flexibel reagiert und das Kartenangebot für das Freibad Lenzkirch erweitert. Ab sofort gibt es eine Tageskarte, die von 9 Uhr bis 19 Uhr gilt. Ferner gibt es Karten für Schwimmer von 9 bis 11 Uhr, eine Nachmittagskarte von 14 bis 19 Uhr und eine Feierabendkarte von 17 bis 19 Uhr. "Chapeau, hier hat die Gemeinde schnell auf den tatsächlichen Bedarf reagiert", lobt Fiedler. Alle Karten müssen weiter online über die Homepage der Gemeinde gekauft werden. Wer keinen Computer oder Internetanschluss hat, für den liegen Karten an der Kasse noch aus. In der nächsten Badesaison soll es auch eine Saisonkarte wieder geben.