Bundestagswahl 2021 Wahlkreis Offenburg

Sechs Bundestagskandidaten beantworten Fragen zu Klimaschutz, Corona-Folgenbekämpfung und ihren persönlichen Schwerpunkten

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Do, 23. September 2021 um 15:49 Uhr

Offenburg

Die BZ hat die Kandidaten im Wahlkreis 284 gebeten, drei Zukunftsfragen zu beantworten. Die Kandidaten antworten in der Reihenfolge des Abschneidens ihrer Parteien bei der Bundestagswahl 2017.

1. Was muss in Sachen Klimaschutz und Ausbau Erneuerbarer Energien noch getan werden?

Wolfgang Schäuble, 79, CDU, Bundestagspräsident

Wir müssen nachhaltiges Wachstum, Klimaschutz und soziale Sicherheit miteinander verbinden, um so zum klimaneutralen Industrieland zu werden. Klimapolitik soll auf Anreize setzen, nicht auf Verbote, auf Innovationen statt auf Gängelung. Für den schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen Verfahren beschleunigt und das Vergaberecht modernisiert werden.

Matthias Katsch, SPD, 57 Jahre, Kreisvorsitzender

Wir brauchen mehr Windräder und mehr Photovoltaik. Die Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt werden. Bürger sollten an den Erträgen der neuen Energieerzeugung beteiligt werden, Solar- und Windparks, an denen sie Anteile halten, können hier helfen. Mobilität für alle braucht Investitionen in Nah- und Fernverkehr. Tempo 130 auf der Autobahn, 250 bei der Bahn.

Taras Maygutiak, AfD, 48 Jahre, Kreisvorsitzender

Nichts. Da es den Klimawandel seit Bestehen unseres Planeten gibt und dieser eben nicht menschengemacht ist, können wir diesem mit symbolischen Irrsinnsprojekten ohnehin nicht beikommen. Wenn wir vereinzelt Kohlekraftwerke abschalten, China und Indien neben ihren rund 4000 Kraftwerken aber noch weitere bauen, dann ist das geradezu ein Witz und wirkungslos.

Martin Gassner-Herz, FDP, 36 Jahre, Bundestagskandidat

Vor allem brauchen wir Tempo! Für fast alles, was fossile Brennstoffe ersetzt, brauchen wir mehr Strom. Wir können uns nicht leisten, Leitungsbau zu verzögern oder Konflikte zwischen Natur- und Klimaschutz weiter nicht zu lösen. Am meisten Tempo bringt, wenn wir endlich mit dem Emissionshandel einen Ordnungsrahmen schaffen.

Simon Bärmann, Die Linke, 18 Jahre, Bundestagskandidat

Wir müssen die Erneuerbaren Energien massiv ausbauen und schneller aus der Kohle aussteigen. Planungsverfahren müssen beschleunigt werden. Auch der ÖPNV muss gestärkt werden und perspektivisch zum Nulltarif fahren. Die Anhebung des CO2-Preises sehe ich kritisch, denn er belastet besonders niedrige Einkommen. Klimaschutz geht nur sozial gerecht.

Thomas Zawalski, Bündnis 90 /Die Grünen, 63 Jahre, Bundestagskandidat

Um die Klimakatastrophe zu verhindern, müssen wir zügig große Hebel bewegen. Daher möchte ich Industriepakte angehen und entsprechende Zielvereinbarungen treffen. Um die Energiewende voranzubringen, müssen wir die Planungsgeschwindigkeit erhöhen. Im Bereich Solarenergie müssen wir den Ausbau voranbringen, sowie Zielkonflikte bei der Windenergie lösen.

2. Was sind Ihre Vorschläge zur Abmilderung der finanziellen und sozialen Folgen der Corona-Krise?

Wolfgang Schäuble, 79, CDU, Bundestagspräsident

Ich habe mich lange für ausgeglichene Staatshaushalte eingesetzt, damit auch nachfolgende Generationen auf einer guten Grundlage wirtschaften können. Künftig dürfen wir nicht an Investitionen in unsere Infrastruktur sparen. Gute Rahmenbedingungen für Investitionen und eine gute wirtschaftliche Entwicklung werden dann sozialen Ungleichheiten entgegenwirken.

Matthias Katsch, SPD, 57 Jahre, Kreisvorsitzender

Die Erhöhung des Mindestlohns wird 10 Millionen ein deutliches Plus bringen. Dienstleistungen, die von Menschen für Menschen erbracht werden, müssen besser bezahlt werden. Die geplante Steuersenkung der SPD wird 95 Prozent der Steuerzahler entlasten. Ich wünsche mir einen Konsumgutschein für alle, einzulösen in örtlicher Gastronomie und örtlichem Handel.

Taras Maygutiak, AfD, 48 Jahre, Kreisvorsitzender

Corona gibt es, genauso wie es gefährliche Grippeerkrankungen gibt. Von einer Pandemie kann keine Rede sein. Es wurden bereits zehntausende Existenzen und hunderte von Milliarden Euro vernichtet. Von "Abmilderung" kann keine Rede sein, allenfalls von Schadensbegrenzung. Die Fake-Pandemie muss beendet werden. Besser heute als morgen.

Martin Gassner-Herz, FDP, 36 Jahre, Bundestagskandidat

Besonders junge Menschen haben Zukunftschancen eingebüßt. Wir sind ihnen schuldig, schnell ein zeitgemäßes Bildungssystem in der Weltspitze anzubieten. Die Staatsfinanzen kriegen wir nur durch Wachstum in den Griff, indem wir unsere Wirtschaft entfesseln, entlasten und beim Investieren unterstützen. Neue Belastungen sind ebenso wie maßlose Ausgaben tabu.

Simon Bärmann, Die Linke, 18 Jahre, Bundestagskandidat

Wir müssen die Vermögenssteuer wieder einführen. Wenn die Reichen in der Pandemie noch reicher wurden, während vielen die Existenzgrundlage entrissen wurde, dann ist es nur fair, die Reichen jetzt stärker zu besteuern. Die Mittel- und Unterschicht muss entlastet werden. Unser Steuerkonzept entlastet alle, die als Single bis zu 6500 Euro brutto im Monat verdienen.

Thomas Zawalski, Bündnis 90 /Die Grünen, 63 Jahre, Bundestagskandidat

Wir müssen vor allem Restaurants, Gaststätten, Hotels, die Tourismus- und Veranstaltungsbranche, die Kulturwirtschaft, aber auch den Einzelhandel und Solo-Selbständige weiter unterstützen. Wir müssen an die Kinder und Jugendlichen denken und den Zugang zu Bildung und ein Miteinander gewährleisten. Die Kommunen müssen zukünftig besser eingebunden werden.

3. Welche politischen Ziele werde Sie konkret für den Wahlkreis Offenburg verfolgen, sollten Sie in den Bundestag gewählt werden?

Wolfgang Schäuble, 79, CDU, Bundestagspräsident

Ich bin stets ansprechbar und versuche bei Problemen zu helfen. Das war auch in der Pandemie so, als ich oft Hilfe vermitteln konnte. Mir ist der Erhalt unserer leistungsfähigen mittelständischen Wirtschaft wichtig, aber auch die Bewahrung der Umwelt – gemeinsam mit unseren Landwirten. Bezahlbares Wohnen und eine solide Verkehrsinfrastruktur sind ebenfalls unverzichtbar.

Matthias Katsch, SPD, 57 Jahre, Kreisvorsitzender

Die Freiräume, die wir als Eurodistrict haben, müssen wir besser nutzen. Wir brauchen mehr Studierendenaustausch, bessere Ausbildungsmöglichkeiten etwa für unsere Agrarbetriebe. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum durch Stärkung kommunaler Wohnbaugesellschaften. Und ich will einen Plan zur Überwindung von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Taras Maygutiak, AfD, 48 Jahre, Kreisvorsitzender

Die Grundrechte, für die ich einstehe, das Ende des Corona-Diktats, kämen jedem im Wahlkreis zugute. Mit welcher Priorität und welcher Streckenführung Infrastrukturprojekte, wie etwa der Autobahnanschluss der B 33 an die A5 geschehen, würde ich möglichst immer im Einvernehmen mit den betroffenen Bürgern und Anwohnern ins Visier nehmen.

Martin Gassner-Herz, FDP, 36 Jahre, Bundestagskandidat

Ich glaube wir sind weltmeisterlich darin, scheinbare Gegensätze zu verbinden: Wirtschaftliche und kulturelle Stärke, mit touristischer Attraktivität und hoher Lebensqualität. Eine gesunde Natur mit aktiver Land- und Forstwirtschaft. Das verdient einen Vertreter in Berlin, der das besondere Zusammenspiel unserer Heimat versteht.

Simon Bärmann, Die Linke, 18 Jahre, Bundestagskandidat

Ich möchte mich für schnelles und bezahlbares Mobilfunk- und Glasfasernetz einsetzen, für gut durchdachte digitale Konzepte an Schulen. Außerdem möchte ich versuchen, die Klinikprivatisierungen zu verhindern und dafür kämpfen, die wohnortnahe Krankenversorgung aufrechtzuerhalten. Die inter-europäische Zusammenarbeit mit Frankreich möchte ich verstärken.

Thomas Zawalski, Bündnis 90 /Die Grünen, 63 Jahre, Bundestagskandidat

Mir ist es vor allem wichtig, dass mein Ortenau-Dialog weiter geht. Ich möchte, bevor etwas beschlossen wird, bei Menschen in der Region nachfragen. Die Ortenau hat hier eine enorme Kompetenz. Mein Versprechen ist, Transparenz und aktiver Dialog, der zum Mitmachen einlädt. Hierfür werde ich unterschiedliche Formate nutzen und auch Kontakt zu Fachleuten suchen.