Sein Traum war ein Heimatmuseum

Susanne Kerkovius

Von Susanne Kerkovius

Mi, 23. Oktober 2019

Hohberg

Am heutigen Mittwoch wird die Jubiläumsausstellung "100 Jahre Michael Bayer" mit einem Festakt in Hofweier eröffnet.

HOHBERG-HOFWEIER. Den Namen Michael Bayer kennt in Hohberg jeder, war er doch der erste Ehrenbürger der Gemeinde, der er 35 Jahre als Bürgermeister gedient hat, bis er 1981 in den Ruhestand trat. Zu seinem 100. Geburtstag widmet das Heimatmuseum ihm eine Ausstellung.

Michael Bayer war jedoch nicht nur lange Hohbergs Bürgermeister, sondern erforschte auch die Heimatgeschichte, schrieb mit seinem Bruder Josef zusammen das grundlegende Werk über die Geschichte Diersburgs, gründete den Hohberger Zweig des Historischen Vereins, dessen Vorsitzender er jahrelang war, und verfolgte seinen Traum eines eigenen Hohberger Heimatmuseums. Kurz vor seinem 83. Geburtstag ist Michael Bayer 2002 verstorben. Dieses Jahr, am 23. Oktober, wäre er 100 Jahre alt geworden. Dies nahmen Michael Bayers Tochter Angela und ihr Ehemann Lucien Mutzig, der heutige Vorsitzende des Historischen Vereins Hohberg, zum Anlass, das Wirken Michael Bayers in Hohberg in einer Ausstellung zu dokumentieren.

Das Ehepaar hat in monatelanger Arbeit in Archiven eine ansprechende und aussagekräftige Plakatpräsentation zusammengestellt und legt dazu eine Festschrift vor. Wo sonst als in dem schmucken Hohberger Heimatmuseum in der Bahnhofstraße könnte diese Ausstellung nun dem interessierten Publikum gezeigt werden? Zuvor hatten die beiden zusammen mit fleißigen Helfern die bis dato ungeordnete Sammlung von alten landwirtschaftlichen Geräten, Gebrauchsgegenständen des Alltags, Militaria, Volkskunst und anderem in eine sinnvolle Ordnung gebracht. Bauernstube, Wohnküche, Schulstube, Nähstube, Betstube- alles unter einem Dach und so lebendig, dass Schulklassen und Kinder vom Ferienprogramm dort sofort anfangen zu spielen.

Die zu bewältigende Arbeit ist gewaltig – gilt es doch, neben dem laufenden Betrieb vor allem auch aus Platzgründen ständig auf- und umzuräumen, denn der Traum von zusätzlichem Raumangebot muss leider immer noch ein Traum bleiben. Für das Leitungsteam des Museums ist das jedoch ein zusätzlicher Ansporn, das Publikum von der Qualität und der Notwendigkeit der Museumsarbeit zu überzeugen.

Gerade das Leben Michael Bayers eignet sich dazu hervorragend. Aus einer Familie mit elf Kindern stammend, konnte er nicht studieren und bekam keine Lehrstelle, da er nicht in die NSDAP eintreten wollte, berichtet Tochter Angela. Er gab nicht auf, gewann den ersten Preis im Reichsberufswettkampf und wünschte sich eine Lehrstelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg, aus dem er als Leutnant zurückkam, wurde er im September 1946 in den Hohberger Gemeinderat gewählt und 1948 zum Bürgermeister Hofweiers. 1957 und 1969 wurde der respektierte Bürgermeister jeweils mit großer Mehrheit wiedergewählt.

Die Ausstellung im Heimatmuseum zeigt den Weg des Dorfes von der schwierigen Zeit unter der Militärverwaltung in die junge Demokratie. Den Weg vom ärmlichen "Haufendorf" Hofweier zur modernen Gemeinde, die Entwicklung des Gemeindeverbunds Hohberg und dessen neuartige Struktur, den Ausbau zusätzlicher Wohngebiete und die Pflege des Erbes.