Impulse für neues Wohnen

Georg Voß

Von Georg Voß

Mi, 21. Oktober 2020

Sexau

In Sexau fand eine in der Reihe Quartiersimpulse eine Ideenwerkstatt zu neuen Wohnformen statt.

. Die von Udo Wenzl moderierte Infoveranstaltung und Ideenwerkstatt zu neuen Wohnformen im Geschwister-Roser-Saal der Bürgerbegegnung war mit mehr als 30 Personen – unter Einhaltung der Coronaregeln – mehr als gut besucht. Dies ist auch ein Beleg für das Interesse der Bevölkerung für die innerörtliche Entwicklung Sexaus in den kommenden Jahren.

Der Prozess der Quartiersimpulse ist direkt aus dem Gemeindeentwicklungskonzept 2035 im Rahmen der Bürgerbeteiligung entstanden. Nun haben sich fünf Arbeitsgruppen gebildet, die das gesamte soziale, wirtschaftliche und kulturelle Spektrum abdecken. Diesmal ging es um Wohnen/Planen/Bauen. Raphael Walz, Bürgermeister von Gundelfingen, Gerhard Kiechle, ehemaliger Bürgermeister von Eichstetten und ehemaliges Vorstandsmitglied des Bauvereins Breisgau, sowie der Gundelfinger Hausverein Allmende gaben Impulse und Anregungen zum Thema "Neue Wohnformen". Dafür kämen nach Angaben von Bürgermeister Michael Goby die fünf Mehrgeschossgebäude mit rund 30 Wohneinheiten im zweien Bauabschnitt von "Moos III" und die Mehrfamilienhäuser an der Lörchstraße in Frage. Goby: "Die zwei Grundstücke wollen wir vermarkten."

Gundelfingen mit rund 11 600 Einwohnern hat bereits 2012 mit dem Leitbildprozess die künftige Gemeindeentwicklung angestoßen. Die Gemeinde habe sich laut Raphael Walz zu einem Ort der Besserverdienenden entwickelt. "Es fehlen bezahlbarer Wohnraum und Mietwohnungen." Die Binnenentwicklung sei ausgereizt, es gelte, an die Fragen der Außenentwicklung zu gehen. Als Beispiel für neue Wohnformen gilt das Mehrgenerationen-Quartier am Schobbach am südlichen Ortsrand. Hier soll das knapp 3000 Quadratmeter große Quartier in zwei Geschosswohnungen Platz bieten für Pflege-Wohngemeinschaften für zwölf Menschen, Handycap-Wohngemeinschaften, Gäste-Wohnungen, 25 normalen Mietwohnungen, Gemeinschaftsraum und Wasch-Café. Für rund 80 Menschen entsteht so bezahlbarer Wohnraum, der zudem barrierefrei ist und Begegnungsräume schafft. "Auch die Nachbarschaft zum Kindergarten bietet weitere Kooperationsmöglichkeiten", so Walz. Es ist ein Projekt, bei dem die Gemeinde über die Grundstücksvergabe via Konzeptvergabe entscheiden. Die Wahl fiel auf den Bauverein Breisgau. "Die gewünschten Inhalte wurden in einem Bürgerprozess erarbeitet und lagen der Ausschreibung zugrunde", so Gerhard Kiechle. Der Bauverein ist eine Genossenschaft, bei dem zur Erlangung einer Wohnung drei Anteile zu je 310 Euro zu erwerben sind. "Dafür gibt es drei bis vier Prozent Verzinsung."

Ein selbstverwaltetes Mehrgenerationen-Wohnprojekt will die von dem Hausverein Allmende gegründete Allmende GmbH in am Waldfriedhof in Gundelfingen realisieren. Nach Angaben der Sprecher Linda Laule und Simon Braungardt sollen 22 Wohneinheiten für insgesamt 50 bis 70 Personen entstehen. Mehr als die Hälfte davon sollen Sozialwohnungen mit maximaler Bindungsdauer sein, die unverkäuflich und selbstverwaltet sind nach dem Modell des Freiburger Mietshäusersyndikats. Es ist auch gedacht an kleine Privatwohnungen und gemeinsamer Nutzung von Werkstatt, Fahrzeuge oder gemeinsam benutzte Büros. Ziele sind dauerhaft bezahlbare und sozialverträgliche Mieten, gemeinschaftliches Mehrgenerationen-Wohnen, selbstorganisiertes und ökologisches Leben, Integration von Benachteiligten und Offenheit für Nachbarschaft und Gemeinde. Finanziert soll das Projekt durch 40 Prozent Förderkredite, 30 Prozent Hausbankkredite und 30 Prozent Eigenmittel, die als Direktkredite eingeworben werden.