Sie haben gezeigt, dass sie es besser können

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Do, 18. Februar 2021

Biathlon

Beim zweiten Platz von Biathlet Arnd Peiffer im WM-Einzelwettkampf überzeugt Benedikt Doll mit Rang acht / Roman Rees auf Rang zehn beim ersten WM-Einsatz.

. Am Montag war Ruhetag bei der Biathlon-Weltmeisterschaft auf der slowenischen Hochebene Pokljuka und gestern waren die Frauen mit dem Einzelrennen dran. Den besten deutschen Biathleten, die bisher bei den Welttitelkämpfen mächtig enttäuscht hatten, blieben zwei Tage, um den Weg raus aus der Krise zu suchen – und zu finden. "Man versucht, die enttäuschenden Rennen abzuhaken, aber ein paar Tage schleift man das schon mit sich herum", sagt Benedikt Doll. Dem Biathleten der Ski-Zunft Breitnau waren WM-Sprint (39./vier Schießfehler) und WM-Verfolgung (31./sechs Schießfehler) missglückt, aber es war nicht alles schlecht: Mit seinen Laufzeiten war der 30-jährige Schwarzwälder stets unter den Schnellsten zu finden, das machte Hoffnung, wenngleich beim Schießen die Sicherheit fehlte. "Ich glaube, das hatte mit Stress und Anspruch zu tun: Nach dem schlechten Sprint wollte ich im Verfolgungsrennen einfach zu viel."

Doll: "Hatte ein ganz anderes Gefühl am Schießstand"

"Wir wollen zeigen, dass wir es besser können", sagte Arnd Peiffer (WSV Clausthal-Zellerfeld) vor dem gestrigen WM-Einzelwettkampf. Es ist die lange, anstrengende Kante im Biathlon mit 20 Kilometern und vier Fünferserien am Schießstand. Für jede verfehlte Scheibe wird eine Minute auf die Laufzeit aufaddiert. Und Peiffer geht mit gutem Beispiel voran: Bringt alle 20 Schuss ins Ziel und wird Vizeweltmeister hinter dem Norweger Sturla Holm Laegreid. Auch Benedikt Doll zeigt, dass er es besser kann. Er verfehlt zwei der 20 Scheiben und wird WM-Achter im Einzel. Gleich der erste Schuss im liegenden Anschlag geht vorbei, immer wieder dieser erste, vermaledeite Schuss: "Ich wollte es da zu genau machen und habe zu lange gezielt", sagt Doll, "anschließend habe ich dann meinen Rhythmus geschossen und es hat gepasst". Beim ersten Stehendschießen geht ihm der vierte Schuss weg, bei der dritten Serie (liegend) und vierten (stehend) bleibt er fehlerlos. Er bringt die Null, ohne die man im Einzelrennen nichts erreichen kann. Gleich zweimal. "Ich hatte ein ganz anderes Gefühl am Schießstand. Ich war fokussiert, konzentriert und ich hatte einen Plan, was ich umsetzen wollte", sagt der Schwarzwälder, "ich war heute gut bei mir".

Roman Rees vom SV Schauinsland musste zehn Tage auf seinen ersten WM-Einsatz warten. "Ich habe trainiert, mir Vorlesungen von der Uni angeschaut (Anm. der Redaktion: Er studiert Volkswirtschaft) und zwischendurch haben wir auch ein bisschen Dart gespielt", erzählt Rees. Am Sonntag hat er ein Testrennen absolviert, als Leistungsüberprüfung für sich selbst, Erik Lesser (SV Eintracht Frankenhain) ist für ihn die erste Runde im Wettkampftempo angelaufen. Gestern war es dann endlich soweit: Erster WM-Auftritt für den Hofsgrunder und er zeigt ein famoses Rennen: Lediglich ein Schuss am Ende der dritten Fünferserie verfehlt die kleine schwarze Scheibe. "Die ersten vier Schüsse waren gut im Ziel, den letzten habe ich vielleicht nicht mit letzter Konsequenz ausgezielt. Als der vorne auf das Metall aufgeschlagen ist, habe ich sofort gehört, dass er nicht getroffen hat", sagt der 27-Jährige, "mit maximal einem Fehler durchzukommen, das war mein Ziel – das ist mir gelungen". Er beendet den WM-Einzelwettkampf auf Rang zehn. Es ist sein bestes Ergebnis in diesem Winter bei den weltbesten Biathleten, dass ihm das ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt gelingt, macht es umso wertvoller. "Ich bin mit dem Ergebnis vollends zufrieden. Top Ten ist immer ein Erfolg, vor allem bei der WM", sagt Rees, "jetzt fällt viel Druck ab und der Glaube ist zurück. Das ist wichtig für die Staffel am Samstag." Der Medaillengewinn von Peiffer, das gute Teamergebnis mit Doll auf Rang acht sowie dem zehnten Platz von Rees befeuern nun wieder die Medaillenhoffnungen für den Teamwettbewerb.

Keine Schwarzwälder Starter bei der Biathlon-JWM

Im Aufgebot des Deutschen Skiverbands (DSV) für die Jugend- und Juniorenweltmeisterschaft (JWM) der Nachwuchsbiathleten in Obertilliach (Österreich) sucht man vergeblich nach Startern aus dem Schwarzwald. 17 Biathletinnen und Biathleten hat der DSV für die Welttitelkämpfe vom 27. Februar bis 6. März nominiert, darunter mit den Juniorinnen Sabrina und Mareike Braun (beide DAV Ulm) und dem Junior Philipp Liepowitz (DAV Ulm) drei Sportler aus Baden-Württemberg.

"Ich bin Ersatzmann für die Jugend und stehe auf Abruf bereit", sagt Elias Asal vom SC Todtnau, der im vergangenen Winter bei den Olympischen Jugendspielen mit einem vierten Platz überzeugt hatte. Bei den internen Ausscheidungen sei es nicht so gelaufen, wie er sich das vorgestellt habe: "Ich war nicht schlecht, aber auch nicht gut. Ich war im Sommer verletzt, im Herbst in Quarantäne und wieder verletzt", erzählt der 18-Jährige, "ich hatte keine optimale Vorbereitung, das merkt man in den Wettkämpfen. Mir war klar, dass es in den internen Qualirennen schwierig wird". Im kommenden Jahr hat der aus Wieden stammende Nachwuchsbiathlet bei den Junioren erneut eine Chance, sich für internationale Titelkämpfe zu qualifizieren. Das tröste ihn ein bisschen. "Ich komme mit der Entscheidung klar, bei der WM nicht dabeizusein", sagt er selbstbewusst.

Auch Fabian Kaskel (SC Todtnau) hat es nicht geschafft, sich für die JWM zu qualifizieren. "Die Enttäuschung ist im ersten Moment schon sehr groß", sagt der Schüler des Kollegs St. Blasien, "ein paar Tage trägst du das mit dir herum und dann hakst du es ab". Im vergangenen Winter hatte sich der 17-Jährige aus Bad Säckingen bei der JWM mit zwei Jahre älteren Konkurrenten gemessen und sein enormes Potenzial angedeutet. In den drei für die WM-Nominierung entscheidenden internen Rennen konnte Kaskel nur im Einzelwettkampf mit Rang zwei überzeugen. Im Sprintrennen sei es für ihn weder läuferisch noch am Schießstand gut gelaufen, er schaffte es nicht in die Top Ten. Im folgenden Massenstart sei es "läuferisch noch schlechter" gelaufen. Rang neun reichte nicht, um auf den WM-Zug noch aufzuspringen. "Eigentlich bin ich mit einem guten Gefühl da hingefahren, denn ich konnte in der Vorbereitung gut trainieren", sagt Kaskel. Emilie Behringer (SC Todtmoos), die im vergangenen Jahr bei der Jugend-WM mit der Staffel eine Medaille gewonnen hatte, und auch Diogo Martins (SC Hinterzarten) konnten sich ebenfalls nicht für die Titelkämpfe in Obertilliach qualifizieren.