Sind nicht diejenigen bedrohlich, die sich vom Antifaschismus distanzieren?

Anna Hofmeister

Von Anna Hofmeister (Freiburg)

Di, 23. Juni 2020

Leserbriefe

Zu: "Gefahr von Rechts und Links", Beitrag von Axel Habermehl und Uwe Mauch (Politik, 16. Juni)

Ich finde den Artikel äußerst bedenklich. Sie schreiben darin über vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppen und Menschen. Dabei werfen Sie als linksextrem bezeichnete Gruppen mit rechtsextremen Gruppen zusammen. Sie erwähnen politische Aktionen von linken Aktivistinnen und Aktivisten, die sich gegen das Agieren von Wohnungs- und Rüstungskonzernen richten, in einem Atemzug mit rechtsterroristischen Handlungen. Dieser Artikel setzt zum Beispiel mit der Überschrift "Gefahr von Rechts und Links" das Werfen von Farbbeuteln gegen Gebäude mit bewusst menschenfeindlichen, rassistischen Handlungen gleich. Sie vergleichen die gefährlichen, gewaltvollen Handlungen rechter Akteurinnen und Akteure mit Protest, der sich gegen Ausbeutung, Sexismus und Faschismus positioniert. Diese Vermengung und Gleichsetzung sehr unterschiedlicher Gruppen und politischer Ziele halte ich für gefährlich. Rechte Extremisten bringen sogar Menschen um. Rechte Menschen sorgen mit ihren Angriffen und ihren Parolen dafür, dass sich Menschen in der Öffentlichkeit nicht sicher fühlen.

Für wen stellt linker Aktivismus eine Bedrohung dar? Warum schreiben Sie den Großteil des Artikels über Aktivitäten von Menschen aus dem linken Spektrum? Wenn sogar der Verfassungsschutz darauf hinweist, dass der Rechtsextremismus die größte Bedrohung ist, warum beleuchten Sie nicht rechtsextremistische Handlungen und Strukturen in Freiburg und Umgebung? Abschließend möchte ich noch fragen: Seit wann sind Menschen, die sich gegen Faschismuspositionieren eine "Bedrohung der Demokratie"? Sind nicht eher diejenigen bedrohlich, die sich von Antifaschismus distanzieren? Anna Hofmeister, Freiburg