Sinnliches Gotteslob

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Mi, 08. Januar 2020

Klassik

Venezianische Weihnacht: Das John-Sheppard-Ensemble.

Die nachweihnachtlichen Konzerte um das Dreikönigsfest haben beim John-Sheppard-Ensemble Tradition. Führte die Reise in den letzten Jahren nach Dresden, Paris und Salzburg, so hatte der Dirigent Bernhard Schmidt für die beiden ausverkauften Konzerte in der Freiburger Christuskirche diesmal eine "Venezianische Weihnacht" mit wenig bekannter Musik von Claudio Monteverdi zusammengestellt – die meisten Werke stammten aus der 1641 veröffentlichten Sammlung "Selva morale e spirituale". Diese besondere Weihnachtsvesper kombinierte prachtvollen Tuttiklang mit intimen Soli. Tänzerisches traf auf Kontemplatives. Der 30-köpfige Kammerchor, der 2020 sein 25-jähriges Bestehen feiert, bot mit dem vorzüglichen Alte-Musik-Instrumentalensemble und dem homogenen Solistensextett einen kontrastreichen Abend aus einem Guss.

Das Introitus aus Monteverdis Marienvesper führt zu Beginn die ganze Klangpracht im Tutti inklusive Zinken und Posaunen vor Ohren, ehe im Folgenden mit den Psalmvertonungen und Konzerten immer neue Besetzungen vorgestellt werden. Mirjam Striegels kristalliner, schlackenloser Sopran macht aus dem Concerto Nr. 1 "Jubilet" ein ganz inniges Gotteslob, sensibel begleitet von der Continuogruppe (exzellent: Annekatrin Beller/Violoncello). Anja Bittner (Sopran) betört im fünften Concerto "Exulta, Filia Sion" mit perlenden Koloraturen und einer reichen musikalischen Gestaltung des Frohlockens. Auch die beiden Tenöre Tiago Pinheiro de Oliveira und Fabian Strotmann stimmen mit kunstvollen Verzierungen in den Jubel ein. Tobias Knaus (Countertenor) und Karsten Müller (Bass) sorgen für ruhige, berührende Momente.

Die Homogenität des John-Sheppard-Ensembles ist nicht nur beim einstimmigen Männergesang im Hymnus zu spüren, sondern prägt auch die polyphonen Passagen. Der Chor übernimmt den tänzerischen Gestus, den Dirigent Bernhard Schmidt mit dem Instrumentalensemble herausarbeitet. Nur den offenen Einsätzen des ersten Soprans wie in "Beatus vir primo" fehlt es ein wenig an Glanz. Zum abschließenden Magnificat vereinigen sich alle Beteiligten dann nochmals zum sinnlichen Gotteslob.