Statistik

Skifahrer mit Gästekarte nehmen Einheimischen nicht den Platz weg

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Mi, 24. Juni 2020 um 16:48 Uhr

Titisee-Neustadt

Ab Januar müssen auch Inhaber der Hochschwarzwaldcard für Liftkarten am Feldberg zahlen. Die Diskussion läuft nur noch hinter den Kulissen. Die Tourismus-Gesellschaft räumt derweil mit Gerüchten auf.

Die Diskussion um die Kündigung der Hochschwarzwaldcard durch den Liftverbund Feldberg und das Abrechnungssystem der Tourismusgesellschaft ist nicht beendet. Die Beteiligten wollen sie aber so klein wie möglich halten und sich zur Sache nicht äußern. Die Brisanz und politische Dimension des Themas sind allen bewusst, schon viel zu viel Öffentlichkeit ist es ihnen.

Das wurde in der Hauptversammlung der Hochschwarzwaldcard im Kurhaus Titisee deutlich: Fortan wird nur noch hinter den Kulissen gesprochen, niemand ritt eine Attacke, alle Akteure bekundeten ihren guten Willen, deutlich herauszuhören war der Wunsch auf schonenden Umgang miteinander und Standhaftigkeit in der Öffentlichkeit.

Die Zurückhaltung gilt auch für den Zweckverband Hochschwarzwald. Der Hauptgesellschafter der Tourismus Gesellschaft (HTG) hat am Montag hinter verschlossenen Türen getagt, und Titisee-Neustadts Bürgermeisterin Meike Folkerts als Vorsitzende will nichts herauslassen, sondern erst, wenn die Berichte des Wirtschaftsprüfers und der Kommunalaufsichten vorliegen, alle Gemeinderäte in einer Sondersitzung mit den Spitzen des Liftverbunds und der HTG von den Ergebnissen unterrichten.

100 Besucher im Saal und 120 Teilnehmer im Video-Chat

Vielleicht hatten alle den großen Knall erwartet? Die Luft knisterte, aber er blieb aus. Rudolph kehrte die Ergebnisse der Karte über zehn Jahre hinweg als Erfolg der Gemeinsamkeit heraus. Er sagte, die HTG, selbst von Corona hart getroffen, werde ihrer Aufgabe gerecht und setze sich auf verschiedenen Wegen zum Wohl der Branche ein. Unter den Umständen "sollte man nicht negative Schlagzeilen liefern", zog er die Kurve zum Aufreger und sprach von "schlechter Kommunikation".

Ulrike Brodscholl lieferte die Statistik: Mehr als 500 Gastgeber mit der Karte, die mit 1,45 Millionen Übernachtungen für mehr als ein Drittel des Gesamtaufkommens in der HTG sorgt. Fast 330.000 Karten wurden 2019 ausgegeben, knapp 860.000 Mal wurden sie genutzt. Davon 160.000 Mal im Winter, 280.000 Mal im Sommer und 425.000 Mal ganzjährig. Badeparadies und Liftverbund sind mit Abstand die Favoriten der Gäste. Fast 80 Prozent der Einnahmen aus der Umlage der Gastgeber werden laut Brodscholl an die Leistungspartner verteilt.

Corona hat gezeigt, was es bedeutet, wenn touristische Infrastruktur wegfällt

Rudolph hielt sich daran, den Konflikt eingedämmt zu halten. Er holte aber aus. Es sei offenbar in elf Jahren der Karte nicht gelungen, klar zu machen, dass die Gäste am Feldberg nicht gratis Ski fahren, sondern dass alle Beteiligten in den Topf für die Karte einzahlen. Und: "So wahr ich hier sitze, es ist noch nie ein Euro aus dem System woanders hin geflossen."

Der Geschäftsführer bezeichnete die Tourismusregion als Lebensraum, "und wenn wir das Skigebiet schließen, ist es auch für die Einheimischen weg". Corona habe gezeigt, was es bedeute, wenn touristische Infrastruktur nicht zur Verfügung steht.

Geschäftsführer Thorsten Rudolph klärt über Gerüchte auf

Rudolph räumte ein, dass es verschiedene Interessenslagen gebe. Er beklagte aber "Halb-, Viertel oder gar kein Wissen" selbst bei Gemeinderäten. Anhand von Statistiken griff er oft gehörte Aussagen auf und hielt dagegen:

Dass immer mehr Gäste mit Karte zum Skifahren kommen? Tatsächlich schwanke die Zahl um 100.000, während die Zahl der Vollzahler von mehr als 500.000 auf unter 400.000 gesunken sei.

Dass Gäste mit Karte den Einheimischen den Platz im Skigebiet wegnehmen? Die Statistik besagt, dass es in den vergangenen sechs Wintern an höchstens 15 Tagen die Karten-Gäste mehr als die Hälfte der Skifahrer ausmachten (meist bei Schlechtwetter oder am Saisonanfang oder -ende); man kam dabei auf Tageszahlen zwischen ungefähr 700 und 1900 bei einer Auslastungsgrenze von 7000.

Dass der Feldberg überfüllt und kein Platz für Gäste mit Karte ist? Die Grafikkurve der Tage mit mehr als 7000 Skifahrern zeigt stetig nach unten, nämlich von zwölf vor acht Jahren auf einen in der vergangenen Saison. Der Anteil der Gäste mit Karte an den starken Tagen hat sich im Durchschnitt von 23 auf 27 Prozent erhöht; diese Gruppe kommt vor allem in den Weihnachts- und Osterferien. Auf die Wochentage verteilt bewegt sich ihr Anteil zwischen 13 und 16 Prozent.



Dass sich die Gäste mit Karte billigst einmieten? Laut Statistik bucht fast die Hälfte in Hotels, ein Drittel in Ferienwohnungen, ein Fünftel in Pensionen, unter zwei Prozent auf Campingplätzen. Sie fahren im Durchschnitt 3,6 Tage Ski beim Liftverbund und verbringen viereinhalb Nächte am Feldberg. Ins Detail aufgeschlüsselt führte Rudolph auf, dass die Karte eine Wertschöpfung von 12,7 Millionen Euro für Feldberg bringt.

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