So dass den Hörern förmlich der Atem wegbleibt

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Mi, 16. Oktober 2019

Müllheim

Der Chor Temporal überzeugt beim Konzert in Müllheim mit hohem Anspruch, bester Unterhaltung und Können.

MÜLLHEIM. Das Konzertmotto "Temporal – viermal anders" lockte am Sonntagabend so viele Zuhörer an, dass in der Martinskirche in Müllheim auch noch der letzte Platz besetzt war. Mit einem Feuerwerk an anspruchsvollen und unterhaltsamen Überraschungen hielt das Ensemble Temporal, das für ein breites Spektrum an Genres bekannt ist, das Publikum in Atem. Dafür hatten die Sängerinnen und Sänger zusammen mit Chorleiter Thomas Wiedenhofer wochenlang Probenschwerstarbeit geleistet.

Gesamtchor, Frauen- und Männerformation, Jugendensemble und verschiedene Einzelensembles sorgten mit Furor dafür, dass den Hörern förmlich der Atem wegblieb. Am Klavier gab Sonja Hänig souveräne instrumentale Unterstützung.

Los ging es mit einer mitreißenden Interpretation des Shanties "What shall we do with a drunken Sailor", wobei Chor und Piano zu einem machtvollen Klangereignis zusammenfanden. Nicht weniger fulminant war die folgende A-cappella-Version des Stevie-Wonder-Songs "Superstition".

Der Frauenchor zeigte sich in bester stimmlicher Verfassung und überzeugte mit einer sentimental-romantischen Gestaltung von "Mister Sandmann" und dem an dynamischen Kontrasten reichen "Johnny said No" von Vilay Singh. Hier wie auch bei den folgenden Ensemble-Beiträgen waren Intonation, dynamische Feinsinnigkeit und die Beherrschung komplexer polyphoner Klippen virtuos gemeistert.

Bei den Liebesliedern "She’s a women" und "The longest Time" von Billy Joel wurden sehnsuchtsvolle und anmutige Effekte in perfekter A-cappella-Disziplin dargeboten – mal im Septett, dann wieder im Sextett.

Haarige Synkopen und vertrackte Polyphonie stellten bei "Applaus, Applaus", einem Lied der Band Sportfreunde Stiller, eine Riesenherausforderung dar, die von dem Sextett mit Verve gemeistert wurde.

Glänzend präsentierte sich auch das Jugendensemble von Temporal mit seinen Beiträgen "Dirait-on", "Rama Lama Ding Dong" und "The Piano". Das Quartett aus drei jungen Sängerinnen und einem Sänger bewältigte die anspruchsvollen Elemente der Songs mit und ohne Klavierbegleitung großartig. Erstaunlich, wie alle vier ihren Part bewältigten, denn es wurden praktisch solistische Fähigkeiten gefordert. Begeisterter Beifall belohnte das junge Ensemble.

Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag weiter. Zunächst erfreute der Gesamtchor mit perfektem Drive bei dem Standard "In the mood" und dem bewegend gestalteten Liebeslied "Unforgettable". "Say Something" von Christina Aguilera mit einem überzeugenden Solo von Achim Hänig und das elegant inszenierte "Time after Time" von Cyndi Lauper – gesungen vom Septett – begeisterten ebenfalls vom ersten bis zum letzten Ton.

Nachdem der Männerchor mit "Dust in the Wind" und dem Gospel "I would be true" sein profundes Können unter Beweis gestellt hatte, ging es mit dem Gesamtchor ins mitreißende Finale. Der Klassiker "Tuxedo Junction" und Freddy Mercurys "Bohemian Rhapsody" brachten noch einmal die vokale Magie, den großartigen Ensemblegeist und das herausragende Können von Temporal zum Ausdruck.

Der euphorische Beifall des Publikums entlockte dem Chor dann noch eine Zugabe – "Somewhere over the Rainbow".

Zum stimmungsvollen Ambiente des Konzertes trug auch die Lightshow bei, die Sänger und "Multitalent" Achim Hänig inszenierte. Das Rot, Blau, Grün und Gelb der Lichter spiegelte sich in den Accessoires, mit denen die Chor- und Ensemble-Mitglieder jeweils die Bühne betraten, wider.

Fazit: Ein Konzert, das mit hohem Anspruch, bester Unterhaltung und phänomenalem Können restlos überzeugte.