Mobilität, Design und Eleganz

So sehen die Gesellenstücke der Schreiner-Innung Emmendingen aus

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

So, 25. Juli 2021 um 15:34 Uhr

Kreis Emmendingen

Öffentlich ausgestellt werden die besten Arbeiten dieses Jahr nicht: Die Schreiner-Innung hat die besten Gesellenstücke prämiert. Obermeister spricht von besonders gutem Jahrgang.

Auf Grund der Corona-Pandemie prämierte die Schreiner-Innung in diesem Jahr die besten Arbeiten ihrer Abschlussklasse in den Werkstätten der Gewerblichen und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerischen Schulen Emmendingen (GHSE). Eine öffentliche Ausstellung der Gesellenstücke wird es voraussichtlich nicht geben.

"Was sehr schade ist", wie der Obermeister der Emmendinger Schreinerinnung, Willi Reinbold betonte, "so gute Absolventen hatten wir noch nie". Es sei unglaublich, was dieser Jahrgang geleistet habe.

Sechs Mal die Eins vor dem Komma

Nicht nur hätten alle 14 Prüflinge bestanden, bei sechs von ihnen stünde in der Endnote auch eine Eins vor dem Komma, freute sich der Vorsitzende der Prüfungskommission, Klaus Herrmann. Alle mussten sich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis beweisen. Die Gesellenstücke bezeichnete Herrmann als Kür. Sie mussten jeweils einen Schubkasten mit klassischer Führung und Verzinkung, eingebaute Türbänder und ein Schloss aufweisen. Als Pflichtaufgabe hatten die Lehrlinge in Präsenz einen Hocker klassisch zu verzinken. Zumindest diese Hocker können in den nächsten Wochen im Modehaus Blum-Jundt bewundert werden.

Als bestes Gesellenstück wurde ein Kleiderschrank von Hendrik Schwörer prämiert. "Der Hauptgedanke hinter diesem Möbel ist die Möglichkeit des Auseinandernehmens, wie bei den ganz alten Schränken", erzählte Schwörer. "Da war Mobilität noch selbstverständlich. Ich wollte zum Aufbauen nur einen Hammer brauchen". Bis auf die Korpusse wird das ganze filigran wirkende Objekt gesteckt und mit Keilen fixiert. Für die Oberflächen verwendete Schwörer durchgefärbte MDF-Platten, die er in amerikanische Kirsche einlegte.

Ein Schreibtisch mit Aufbewahrungsbox

Tim Baumer erzielte mit seinem Schreibtisch den zweiten Platz. "Ich wollte ein modernes, elegantes Design", beschrieb er seine Arbeit. Der ebenso schlichte wie raffinierte Entwurf aus Ulme besitzt schräge, sich verjüngende Beine, die Platte weist sogenannte Schweizer Kanten auf, verjüngt sich also an den Seiten. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass die Beine rechts und links in unterschiedlichen Winkeln angesetzt wurden. Dieses Verhältnis wurde in den Kanten einer mobilen Aufbewahrungsbox wieder aufgenommen. Sie kann auf den Tisch gestellt, oder an ihre Position unter dem Tisch verräumt werden. An der Seite ist eine Tasche aus Leder für Griffbereites befestigt.

Auch der Drittplatzierte, Felix Noelle, baute einen sehr eleganten Schreibtisch. Er verwendete eine Kombination aus Esche und Linoleum, "der angenehmeren Haptik wegen", so Noelle. Zwischen gleich zwei Schubkästen mit Holzvollauszügen an den Seiten findet sich hinter einer Klappe mit Schloss noch ein Auszug für eine Tastatur oder einen Laptop. Die notwendige Verkabelung kann in einem integrierten Kanal geführt werden.

Alles für die eigene Wohnung designt

Marie-Luise Mieth, notengleich auf Platz Drei, baute einen Blickfang für die Küche: ein raffiniertes, frei aufstellbares Küchenmodul mit schwarzer Metallarbeitsplatte, und "relativ vielen mechanischen Auszügen, weil das praktischer ist", so Mieth. Sie brachte ihre Pflichtelemente in einem gezinkten Schubkasten mit einer Messerkiste unter. Auf der Rückseite versteckt sich eine Tür für die Gasflasche. Alle vier haben ihre Gesellenstücke, offiziell die Arbeit von nur zwei Wochen, für die eigene Wohnung entworfen.
Die Auszeichnungen

Beste Theorie: Tim Baumer; beste Handwerksprobe: Ahmad Muradi; bestes Gesellenstück: Hendrik Schwörer. Gesamtschnitt: Tim Baumer (Innungssieger), Hendrik Schwörer, Felix Noelle, Marie-Luise Mieth.