Inflation

So wird Glücksspiel zum Preistreiber

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Mo, 08. März 2021 um 19:08 Uhr

Wirtschaft

Die Gebührenerhöhungen für das Lotto 6 aus 49 schlagen sich für viele Monate im Verbraucherpreisindex nieder.

Als größten Preistreiber im Januar 2021 nennt der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts Glücksspiele. Das Entgelt hierfür sei um 13,3 Prozent gestiegen, besagt die Statistik. Das ist enorm, betrug die Teuerungsrate insgesamt im Januar doch nur 1,0 Prozent. Die Badische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 11. Februar über die Entwicklung der Verbraucherpreise – und nannte dabei auch die größten Preistreiber. Ein BZ-Leser fragte daraufhin, wie der Anstieg beim Glücksspiel zu erklären sei, sind Spielhallen wegen der Corona-Beschränkungen doch derzeit geschlossen.

Der Tipp ist deutlich teurer geworden

Die BZ ist der Frage nachgegangen. Grund für den Anstieg ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts die Gebührenerhöhung beim Lotto 6 aus 49. Bis zum Herbst 2020 kostete ein Tipp 1 Euro. Seit 23. September verlangt Lotto Baden-Württemberg 1,20 Euro je Tipp. Diese Preiserhöhung trieb die Glücksspielkosten im September nur noch leicht, weil der Monat schon fast vorbei war.

Seit Oktober 2020 aber schlägt die höhere Lottogebühr im Verbraucherpreisindex voll durch – und wird dies auch noch bis September 2021 tun. Denn für den Index werden die Preise jeweils mit denen des Vorjahresmonats verglichen. Im genannten Beispiel kostete ein 6-aus-49-Tippschein im Januar 2021 eben deutlich mehr als im Januar 2020. Im Vergleich zum Vormonat – in diesem Fall Dezember 2020 – gibt es hingegen keine Veränderung.

Notargebühren sind auch gestiegen

Glücksspiele waren im Januar nicht die einzigen Preistreiber. Auch die Kosten für einzelne Dienstleistungen seien deutlich gestiegen, erläutern die Statistiker und nennen Rechtsanwalts- und Notargebühren mit plus 11,7 Prozent im Vergleich zum Januar 2020 als Beispiel. Hier sei ein geändertes Vergütungsgesetz der Grund. Bei den Verwaltungsgebühren verursachte demnach die Verteuerung des Personalausweises einen Anstieg von 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Seit 1. Januar kostet der Ausweis 37 Euro statt 28,80 Euro und damit fast 30 Prozent mehr.

Fast so bedeutsam wie Heizöl

Allerdings haben Verwaltungsgebühren im durchschnittlichen Warenkorb, anhand dessen das Statistische Bundesamt jeden Monat die Teuerungsrate berechnet, kein großes Gewicht. Ähnlich ist es bei Anwalts- und Notargebühren. Mit 1,0 Prozent spielen Glücksspiele eine etwas größere Rolle. Sie sind für die Statistik fast so bedeutsam wie das Heizöl, das im Januar mit minus 15,4 Prozent der größte Preissenker war. Die Ölpreise sind so viel niedriger als vor einem Jahr, weil durch die Corona-Krise in Teilen der Wirtschaft die Nachfrage gesunken ist und sich zudem wichtige Öl-Förderländer einen Preiskampf geliefert haben.