Folk-Pop

Songs für die Ewigkeit: Paul Simon wird 80

raz, epd

Von René Zipperlen & epd

Mi, 13. Oktober 2021 um 09:30 Uhr

Rock & Pop

Selbst wer ihren süßlichen Ton nicht erträgt, kann sich kaum entziehen: Paul Simon schrieb Ohrwürmer für die Ewigkeit und bildete mit Art Garfunkel das zerstrittenste Duo des Pop. Heute wird er 80.

Wer Paul Simons Auftritt bei den Gedenkfeierlichkeiten für die Terroropfer des 11. September vor zehn Jahren in New York hörte, wie er allein zur Gitarre mit brüchiger Stimme seine ambivalente Big-Apple-Hymne "Sound Of Silence" sang, ahnte: Viele Jahre geht dieser Jahrhundertsongwriter nicht mehr auf Tournee. Doch Simon spielte weiter Alben ein, suchte die Bühne und Herausforderungen wie die Zusammenarbeit mit Jazzgitarrist Bill Frisell. 2018 aber, nach einem Album mit neu arrangierten obskuren Oldies aus eigener Feder, trat er ab. Bei gelegentlichen Auftritten und Corona-Videos ging es ihm zuletzt vor allem um seine vielfältigen wohltätigen Engagements. Am heutigen Mittwoch wird er 80 Jahre alt.

Paul Simon 2011: "Sound Of Silence"

Gemeinsam mit seinem Gesangspartner Art Garfunkel, mit dem er schon seit Schultagen ab 1953 spielte, startete er mit dem gemeinsamen Debütalbum "Wednesday Morning. 3 A. M." von 1964 eine Weltkarriere. Bis heute verkauften Simon & Garfunkel mehr als 100 Millionen Tonträger – obwohl sie sich schon 1970 trennten. Mit Paul Simons raffiniert arrangierten Liedern wie "Sound Of Silence", "Mrs. Robinson", "The Boxer", "Scarborough Fair" oder der Ballade "Bridge Over Troubled Water" wurden die beiden das erfolgreichste Duo der Popgeschichte – womöglich auch das zerstrittenste. Als Paul Simon in den 90er Jahren über seine Depressionen sprach, machte er wenig Hehl daraus, dass ihn Art Garfunkel zwar mit seiner Stimme beglückte, mit seinen Stänkereien aber zur Verzweiflung brachte.

Simon & Garfunkel : "The Boxer", live 1981

Paul Simon wurde am 13. Oktober 1941 als Sohn jüdisch-ungarischer Einwanderer in Newark im US-Bundesstaat New Jersey geboren. Schon als Literaturstudent arbeitete er als Songschreiber für Musikverlage. Gemeinsam mit Art Garfunkel, inzwischen Architekturstudent, unternahm er in der Folkszene von Greenwich Village in New York erste musikalische Gehversuche mit süßlichem Harmoniegesang und seelenvollen Texten. Als der Erfolg zunächst ausblieb, reiste Simon 1964 allein nach London, fasste dort Fuß in der florierenden Folk-Szene.

1965 hatte Produzent Bob Wilson dann unter dem Eindruck von Bob Dylans Folk-Rock-Hymne "Like A Rolling Stone" die entscheidende Idee: Er versah die bereits aufgenommene Folknummer "Sound Of Silence" mit Schlagzeug und elektrischer Gitarre, veröffentlichte den Song neu – und landete einen Riesenhit. Das schwermütige Lied über gefühlstote Konsummenschen, die einem "Neongott" folgen, wurde zum ersten Nummer-eins-Hit des Duos in den USA.

Paul Simon: "The Boy In The Bubble" live 1987

Mit seinem großen Songkatalog aus fast 60 Jahren gilt Simon als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten. Nach der Trennung von Art Garfunkel – der einige Wiedervereinigungskonzerte folgten – begann er in den 70er Jahren eine erfolgreiche Solokarriere. Mit südafrikanischen Musikern setzte er 1986 auf "Graceland" ein Zeichen gegen die Apartheid und löste eine Weltmusikwelle aus. Kürzlich verkaufte der musikalische Perfektionist und 16-fache Grammy-Gewinner die Rechte an seinem Lebenswerk für rund 250 Millionen US-Dollar.