Corona-Pandemie

Sorge vor dritter Welle wächst – Kretschmann beklagt Ungeduld

dpa

Von dpa

Do, 18. Februar 2021 um 21:01 Uhr

Deutschland

Die Corona-Zahlen in Deutschland stagnieren, mancherorts steigen sie sogar. Forderungen nach Lockdown-Lockerungen stehen Spekulationen über schärfere Maßnahmen gegenüber.

Der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sprach im Sender WDR5 von einem Wettrennen zwischen Impfungen und Virusvarianten. Wieder steigende Sieben-Tage-Inzidenzen gibt es etwa in Bremen (65,8 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner), Nordrhein-Westfalen (57,1) und Sachsen-Anhalt (83,8) – aber nirgends so stark wie im ländlich geprägten Thüringen. In Flensburg, wo wohl die britische Variante grassiert, werden Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts und nächtliche Ausgänge von Samstag an verboten. Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sagte, man wolle der Gefahr einer dritten Welle "entschieden entgegentreten".

"Ich hör immer nur ,öffnen‘. Ich möchte mal einen erleben, der mal sagt, jetzt machen Sie mal ein bisschen was schärfer. Das hör ich nie!" Winfried Kretschmann
In Baden-Württemberg warnte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor Wirtschaftsvertretern, ein weit härterer Lockdown als derzeit könnte nötig werden, falls die Zahl der Ansteckungen wieder steigt. Er sagte: "Ich hör immer nur ,öffnen‘. Ich möchte mal einen erleben, der mal sagt, jetzt machen Sie mal ein bisschen was schärfer. Das hör ich nie!" Eine dritte Welle, die noch schlimmer wäre als die zweite, könne nicht im Interesse der Wirtschaft sein, sagte Kretschmann.



Im Südwesten und den meisten anderen Bundesländern kehren Grundschüler und Kita-Kinder in der kommenden Woche nach rund zweimonatiger Pause in die Einrichtungen zurück. Am 3. März wollen Bund und Länder dann über die Lage beraten. Ab dem 7. März sollen Geschäfte dort wieder öffnen können, wo es regional drei Tage lang nicht über 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und sieben Tagen gibt.

Seit Sonntag schwankt diese Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit leicht über 57. Davor war sie lange kontinuierlich gesunken. In Baden-Württemberg betrug dieser für mögliche weitere Lockerungen wichtige Inzidenzwert am Donnerstag 41,2.

Wieler erwartet in der kommenden Woche einen Fingerzeig

Dass die Zahlen nun stagnieren, ist laut Experten auf neue Virusvarianten wie der aus Großbritannien zurückzuführen. RKI-Chef Wieler sagte: "Ich glaube, wir können innerhalb der nächsten Woche sagen, ob es weiter nach unten geht, oder ob wir durch die Varianten wieder einen leichten Anstieg haben werden."



Laut RKI ist der Anteil der ansteckenderen britischen Variante an allen Neuinfektionen binnen zwei Wochen von knapp 6 auf mehr als 22 Prozent gestiegen. "Was eine mögliche dritte Phase aber unterscheiden wird von der zweiten Welle, ist, dass wir einen Teil der vulnerablen Bevölkerung geimpft haben", sagte der Ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Freiburg, Hartmut Hengel, der BZ.

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