Inspiration4

Space X schickt Laien auf Weltraumflug – ohne Profi an Bord

Christina Horsten

Von Christina Horsten

Di, 14. September 2021 um 20:30 Uhr

Panorama

Der nächste Milliardär startet ins All mit an Board der "Dragon"-Raumschiff sind drei weitere Laien. Sie wollen sogar höher fliegen als die ISS und die die Erde umkreisen – als ziviler Welraumflug.

Noch vor wenigen Monaten kannten die vier Crewmitglieder der "Inspiration4" einander nicht – am Mittwoch (20.02 Uhr Ortszeit, 02.02 Uhr MESZ am Donnerstag) wollen ein Milliardär, eine Arzthelferin, eine Künstlerin und ein zweifacher Vater, der für einen Freund einspringt gemeinsam ins Weltall starten und drei Tage lang die Erde umkreisen.

Der Veranstalter, die private Raumfahrtfirma SpaceX, spricht von "Inspiration4" als der "ersten nur mit Laien besetzten Mission in die Erdumlaufbahn". Im Februar hatte der US-Milliardär Jared Isaacman sein Vorhaben angekündigt. "Ich bin Weltraum-Fan seit dem Kindergarten", wurde der 38-Jährige, der als erfahrener Pilot gilt, zitiert. Wie viel Isaacman für das Chartern des "Dragon"-Raumschiffs zahlte, wollten weder er noch SpaceX verraten. In US-Medien wurde über rund 200 Millionen Dollar spekuliert. Isaacman betonte stets, dass er mit der Aktion Geld für das Kinderkrankenhaus St. Jude in Memphis (Tennessee) sammeln wolle. Er selbst spendete 100 Millionen Dollar, suchte die dort arbeitende 29 Jahre alte Arzthelferin Hayley Arceneaux als erste Mitreisende aus und verloste die anderen beiden Plätze über Spendenaktionen.

So kamen schließlich die 51 Jahre alte Künstlerin und Professorin Sian Proctor und der 41 Jahre alte Raumfahrtingenieur Chris Sembroski dazu. Gemeinsam haben sich die Vier nun seit Monaten intensiv auf den All-Ausflug vorbereitet – unter anderem im SpaceX-Hauptquartier in Kalifornien und bei einem Aufstieg auf den Mount Ranier im Nordwesten der USA.

Weltraumtourismus begann vor 20 Jahren

Die Ära des Weltraum-Tourismus begann Anfang der 2000er Jahre. 2001 hatte der US-Unternehmer Dennis Tito eine Woche auf der Internationalen Raumstation verbracht, er gilt als erster Weltraum-Tourist. Es folgten rund ein halbes Dutzend weitere All-Touristen. Isaacman ist nun bereits der dritte Milliardär innerhalb weniger Wochen, der von den USA aus ins All aufbricht. Im Juli hatten erst der Brite Richard Branson und rund zehn Tage später Amazon-Gründer Jeff Bezos ihre eigenen Raumschiffe getestet.

"Inspiration4" ist der nächste große Paukenschlag in der Entwicklung des Weltraum-Tourismus, aber gleichzeitig auch eine Unternehmung auf einem ganz anderen Level. Branson, Bezos und ihre Mitreisenden waren nur Minuten unterwegs und stiegen nur knapp über beziehungsweise knapp unter die Höhe von 100 Kilometern über der Erde auf, die als Grenze zum Weltraum angesehen wird. Die "Inspiration4"-Mission, über die auch eine Dokumentarserie beim Streamingdienst Netflix entsteht, soll mit rund 580 Kilometern über der Erde sogar höher fliegen als die Internationale Raumstation (ISS) und die Erde mit rund 30 000 Kilometern pro Stunde drei Tage lang alle 90 Minuten umrunden.

"Dieser Flug markiert den Übergang in der bemannten Raumfahrt von öffentlich zu privat", sagte der Raumfahrthistoriker John Logsdon der Washington Post.

Raumfahrt bleibt mit hohen Risiken verbunden

"Es ist, als ob jemand eine sich selbst steuernde Jacht mietet und damit in den Weltraum segelt."Aber auch wenn der "Dragon" sich praktisch komplett selbst steuert, bleibt die Raumfahrt mit hohen Risiken verbunden. Anfang des Monats hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA Bransons Raumschiff "SpaceShipTwo" nach Problemen bei einem Testflug vorerst die Starterlaubnis entzogen. Die Firma wirbt trotzdem weiter für ihre Ticket-Verkäufe, ebenso wie Bezos’ Firma "Blue Origin", die schon zwei weitere Flüge für dieses Jahr angekündigt hat. Bislang bleibt der Weltraum-Tourismus Superreichen und ihren Gästen vorbehalten. "Inspiration4" sei aber ein wichtiger Schritt in Richtung des Massen-Tourismus im All, sagte der frühere Nasa-Manager Alan Ladwig der Washington Post.