Klassik

Spätherbst auf 16 Saiten: Das Emerson String Quartet bei den Freiburger Albert-Konzerten

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Di, 26. März 2019 um 10:30 Uhr

Klassik

Das Emerson String Quartet ist eine klingende Legende: Doch auch Legenden kommen in die Jahre – das zeigte das Gastspiel der New Yorker bei den Freiburger Albert-Konzerten.

Wenn Legenden nur noch von ihrem Ruf zehren, wird es problematisch. Das ist beim Emerson String Quartet nicht der Fall. Noch nicht. Aber die großen Jahre sind vorüber. Wäre dieses Ensemble, das so viel für die Kammermusik geleistet hat wie nur wenige, eine Jahreszeit – man würde sagen: Spätherbst. Da kann es mitunter noch schöne, warme Tage in satten Farben geben. Aber sie sind fragil.

Der Auftritt des New Yorker Quartetts beim Albert-Konzert im Freiburger Paulussaal ist ein Spiegel dessen. Besonders vor der Pause. Mozarts Streichquartett A-Dur KV 464 hinterlässt ambivalente Gefühle. Gewiss, die alten Tugenden wie der ungemein geschmeidige, weiche Ton der Vier – sie sind natürlich da. Auch die Kunst einer maximal synchronen Artikulation verzaubert noch. Doch was sich nicht wegreden lässt, sind spürbare Mängel in der Intonation der beiden Violinen. Solche Trübungen beeinträchtigen besonders die Unisono-Stellen; sie entstehen auch durch das intensive, unschöne Dauervibrieren von Philip Setzer (hier als Primarius) und Eugene Drucker. Dadurch schwanken die Tonhöhen in sich, Mozarts klarer, durchsichtiger Kontrapunkt wird unnötig eingetrübt. Und Mozart – das weiß jeder, der sich nur versucht hat an seiner Musik – verzeiht nichts: Wenn die Triolen-Läufe der ersten Violine im Trio des Menuetts eben nicht ganz rein sind, verliert die gesamte musikalische Konstruktion an Tragfähigkeit.

Auch Schumanns a-Moll-Quartett op. 41/1 leidet unter diesen Vorzeichen. Die fließenden Linien der Einleitung wirken salonesk, ja schwül aufgeladen. Beim Scherzo vermisst man die Lockerheit in den Springbögen, dadurch verkrampft sich das Presto allzu sehr. Schön dagegen die Bordunklänge gegen Ende des Finalsatzes und deren überzeugende Metamorphose in ein brillantes Ende. Das richtige Intro für Schostakowitschs A-Dur-Quartett op. 68, bei dem die Emersons ihren Zuhörern einen großartigen Herbsttag bescheren. Gerade den explizit slawischen Ton, zum Beispiel im Finalsatz, entfalten Drucker, Setzer, Lawrence Dutton (Viola) und Paul Watkins eindringlich: hervorzuheben besonders dessen intensiver, sonorer Celloton. Beim vorausgegangenen gespenstischen Walzer zeigt sich auch die starke Verwurzelung des Ensembles in der Moderne. Ein feines Moment der Spätlese – als Zugaben gibt’s Dvorák und Verdi.