Sputnik V

Spahn will im Alleingang mit Moskau über Impfstoff reden

dpa

Von dpa

Do, 08. April 2021 um 21:08 Uhr

Deutschland

Die EU bleibt bei Verhandlung über den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V außen vor: Die Bundesrepublik will direkt verhandeln. Das Impftempo in Deutschland nimmt derweil zu.

Deutschland will mit Moskau über mögliche Lieferungen des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V sprechen. Die EU-Kommission habe erklärt, dass sie über dieses Präparat keine Verträge wie mit anderen Herstellern schließe, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Daraufhin habe er bei einer Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister erklärt, "dass wir dann bilateral auch mit Russland reden werden".

Spahn sagte, dass das Vakzin erst von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zugelassen werden müsse, bevor Lieferungen beginnen könnten. Dazu müsse Moskau die nötigen Daten vorlegen. Auch müsse geklärt werden, wie viel Sputnik-Impfstoff kurzfristig lieferbar sei.

Baden-Württemberg geht keinen Sonderweg

Einige Bundesländer starteten schon vor einer möglichen EU-Zulassung Alleingänge. Bayern unterzeichnete einen Vorvertrag über 2,5 Millionen Sputnik-Dosen, Mecklenburg-Vorpommern zog mit einer Option auf eine Million nach.

Baden-Württemberg will dem nicht folgen. Es gebe ein bewährtes Verfahren, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne): Bund und EU kümmerten sich um Beschaffung und Zulassung, die Länder um die Verimpfung. Lucha bezeichnete aber Spahns Vorstoß als richtig.

Die EMA hatte ein Prüfverfahren für Sputnik V im Rahmen einer Rolling Review begonnen. Dabei werden Testergebnisse geprüft, auch wenn noch nicht alle Daten vorliegen und noch kein Zulassungsantrag gestellt wurde. Im April wollen EMA-Experten Produktion und Lagerung des Vakzins in Russland begutachten. Die EU-Staaten Ungarn und Slowakei schafften Sputnik auf eigene Faust an, Ungarn erteilte eine Notfallzulassung.

Bislang hatte Deutschland Impfstoff zusammen mit den anderen EU-Staaten bestellt. Das forderte die Bundesregierung auch für Sputnik V – kassierte aber eine Absage. Die EU-Kommission erklärte, ein Vorgehen wie das Deutschlands bedeute nicht das Ende der europäischen Impfstoff-Strategie. Es stehe Staaten frei, bilateral Vakzin zu beschaffen, das nicht Teil des gemeinsamen Vorgehens sei.

Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte, die publizierten Daten zu Sputnik "sehen sehr gut aus". Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese forderte, man dürfe nicht aus politischen Gründen auf Sputnik verzichten. Jedoch sei er gegen nationale oder regionale Alleingänge; Brüssel müsse handeln.

Derweil hat sich die Zahl der Corona-Impfungen in Deutschland erhöht. Am Mittwoch wurden 656.000 Dosen verabreicht – 290.000 mehr als am Vortag, so das Robert-Koch-Institut. Gut 14 Prozent der Menschen hier wurden mindestens einmal geimpft. Vollständig immunisiert sind 5,7 Prozent. Baden-Württemberg liegt mit 13,7 Prozent Erstimpfungen knapp unter Bundesschnitt.