Spezialkräfte verhaften Verdächtigen

Martin Dahms

Von Martin Dahms

Mo, 23. März 2020

Ausland

51-jähriger Deutscher sitzt nach versuchtem Anschlag auf ICE im Untersuchungsgefängnis.

WIESBADEN (dpa). Nach dem versuchten Anschlag auf die ICE-Strecke zwischen Frankfurt und Köln hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Der 51 Jahre alte deutsche Staatsbürger steht im dringenden Verdacht, an der Hochgeschwindigkeitsstrecke bei Niedernhausen in Hessen auf rund 80 Metern die Schienenbefestigungen gelöst zu haben, wie Polizei und Generalstaatsanwaltschaft am Samstag mitteilten.

Ein Sprecher der Justiz in Frankfurt machte am Sonntag keine weiteren Angaben zum möglichen Motiv des Mannes. Der Verdächtige habe sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der 51-Jährige war in der Nacht zu Samstag von Spezialkräften der nordrhein-westfälischen Polizei bei Köln festgenommen worden.

Auf seine Spur führte nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel offenbar ein Bekennerschreiben, das unter anderem an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gerichtet worden sei. Darin soll die exakte Stelle des versuchten Anschlags genannt worden sein. Der Justizsprecher äußerte sich am Sonntag nicht zu dem Schreiben. Laut Spiegel hatte der Mann keinen Wohnsitz. Er sei erst vor einigen Monaten aus der Haftanstalt Nürnberg entlassen worden, wo er eine Strafe wegen Erpressung verbüßt habe. Auf einen Erpressungsversuch gegen die Bahn habe man derzeit keine Hinweise, erklärte der Justizsprecher.

Der Verdächtige wurde am Samstag dem Haftrichter am Amtsgericht Wiesbaden vorgeführt und anschließend in Untersuchungshaft genommen. Ihm wird versuchter Mord und gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr vorgeworfen. Der Verdächtige habe den Anschlag heimtückisch geplant, weil letztlich jeder Zug mit seinen arg- und wehrlosen Insassen hätte getroffen werden können, so die Anklagebehörde. Zu den Vorwürfen machte der Beschuldigte auch beim Hafttermin keine Angaben.

Unmittelbar vor der Theißtalbrücke bei Niedernhausen waren auf einer Strecke von etwa 80 Metern die Schienenbefestigungen gelöst worden. Die gefährliche Stelle war am Freitagmorgen von einem Lokführer bemerkt worden, nachdem sein Zug ein geändertes Fahrverhalten gezeigt hatte. Die Polizei ermittelte umgehend wegen eines möglichen Anschlagsversuchs. "Unter Umständen sollte ein Zug zum Entgleisen gebracht werden", hatte ein Sprecher bereits am Freitag erklärt.