Eishockey

Die Köpfe der neuen Spielidee beim EHC Freiburg

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Mi, 20. November 2019 um 18:00 Uhr

EHC Freiburg

Paradigmenwechsel beim Freiburger Eishockey-Zweitligisten: Cam Spiro und Luke Pither stehen für das System von Trainer Peter Russel, die nordamerikanisch geprägte Spielidee.

Das Ambiente ist nostalgisch, wirkt abgewohnt. Es riecht verbraucht. Doch die Stimmung ist im Gegensatz dazu ziemlich euphorisch im Freiburger Eisstadion. "So eine gute Kabine ist eine Rarität. Hier gab’s das wohl schon lange nicht mehr", sagt Heinrizi. Der 34-Jährige ist seit dieser Saison Sportdirektor des Eishockey-Zweitligisten EHC Freiburg und stützt sich bei seiner Beschreibung nicht nur auf seine Eindrücke, sondern auch auf die Aussagen profunder Kenner der Freiburger Eishockeyszene.

"Wenn wir als Zehnter die Saison beenden, ist alles okay. Alles darüber hinaus ist derzeit Bonus" Daniel Heinrizi
Als ob es dazu einer Bestätigung gebraucht hätte, treten mit breitem Lächeln Cam Spiro und Luke Pither auf. Topscorer Spiro und sein kongenialer Sturmpartner Pither sollen Auskunft darüber geben, weshalb es bei den Freiburger Cracks derzeit so gut läuft. "Wenn wir als Zehnter die Saison beenden, ist alles okay. Alles darüber hinaus ist derzeit Bonus", sagt Heinrizi, der aus Bad Nauheim zu den Wölfen gestoßen ist. Ungefragt hebt Pither dazu gleich mal den rechten Daumen nach oben. Alles Spitze hier, will der Kanadier aus der Provinz Ontario offenbar signalisieren.

Pither ist gleich doppelt überrascht über Freiburg

Der 30-jährige Pither darf diesbezüglich als Sachverständiger dienen. Er hat in Kanada gespielt, in Finnland und Schweden, dazu in Österreich und in Großbritannien. Und dabei viele Eishockey-Kollegen kennengelernt. Freiburg ist jetzt seine erste Station in Deutschland. Gleich doppelt überrascht ist er. Die Stadt und die Umgebung, er lebt mit seiner Familie in Bad Krozingen, seien super, wie er sich ausdrückt. Die Mannschaft jung und tatendurstig. Das gefällt ihm. Bei den Wölfen hat er die Rolle eines Routiniers, eines gefährlichen Angreifers und Torjägers dazu.

Ganz so weit gereist ist Kollege Spiro (27) noch nicht. Der US-Amerikaner stammt aus dem Großraum Boston, wo er seine Karriere auf dem Eis begann. Danach ging es für ein paar Jahre nach Dänemark, jetzt hat er im Freiburger Ortsteil Zähringen eine Wohnung bezogen. Und einen farbigen Helm trägt er – zumindest derzeit. Der rote Kopfschutz weist Spiro als Top-Scorer (27 Punkte) der Breisgauer aus. Also als den Akteur, der als Vorlagengeber und Top-Torschütze mannschaftsintern an der Spitze des Rankings steht. Kein Wunder sagt auch Spiro, dass es ihm "ausnehmend gut gefällt" beim EHC. Maßgeblich an der Verpflichtung des Duos war Heinrizi beteiligt, dem eine immens gute Vernetzung in der Szene nachgesagt wird. Er schmunzelt über die angebliche Fülle seiner Kontakte, dementiert sie gleichwohl nicht: "Das gehört zum Geschäft."

Russels Teams sind glänzend organisiert

Einhergehen soll mit dem Engagement der Spiros und Pithers eine Art Paradigmenwechsel beim EHC: weg von der bislang geprägten Einkaufs- und Spielphilosophie mit Spielern aus Osteuropa, hin zu einer eher nordamerikanischen. Auch, oder gerade deshalb, weil Heinrizi mit dem Schotten Peter Russell einen Trainer an Land gezogen hat, dem diese Spielart quasi in die Wiege gelegt wurde. Er habe, wirft Pither ein, früher mit den Nottingham Panthers mehrfach gegen von Russell trainierte Teams gespielt, die immer "gut organisiert" aufgetreten seien. Auf diesen, seinen Weg, wolle der detailbesessene Russell jetzt in Freiburg auch die Mannschaft des EHC führen.

Spiro und Pither sind in diesem System Hauptdarsteller. Beide hat der Coach in die erste Freiburger Angriffsreihe beordert, wo sie mit schnellem, zielgerichtetem Spiel für Tore und damit wichtige Punkte sorgen sollen. Daneben sind sie die Korsettstangen, an denen sich die vielen jüngeren Nachwuchsspieler ausrichten können. Dass das kanadisch-amerikanische Duo auch noch ein paar der in der Branche üblichen Showelemente im Repertoire hat, macht es für die Zuschauer umso interessanter. Man spricht in solchen Fällen von Top-Zugängen.

Bleiben die Leistungsträger über die Spielzeit hinaus?

Spiro und Pither beteuern unisono, in Freiburg ein gutes Team vorgefunden zu haben. "Tough and nice guys", also robuste, nette Jungs hätten sie angetroffen. Es bereitet beiden viel Spaß in und mit dieser Mannschaft spielen zu können. "Gerne auch noch über diese Spielzeit hinaus", sagt Pither. Nickend bekundet Kollege Spiro Zustimmung. Wobei Heinrizi interessiert zuhört. Kontinuierlich möchte er das Team weiterentwickeln, hin zu einer Spitzenmannschaft in der DEL 2. Freiburg, so will er in seiner kurzen Dienstzeit im Breisgau schon erkannt haben, sei hierfür das "richtige Pflaster". Der Klub, die Fans, ja auch die Sponsoren seien "enorm motiviert".

Nur eines trübt das Gesamtbild ein wenig: die alte Halle in der Ensisheimer Straße. Mit dem Mief soll es baldmöglichst ein Ende haben. Für eine bessere Zukunft sei ein Neubau unerlässlich, sagt Heinrizi. Spiro und Pither widersprechen da nicht.