Einfach zu schlecht und kaum noch zu retten

dpa

Von dpa

Mo, 22. Februar 2021

1. Bundesliga

Ein Derby-Sieg sollte Schalke Rückenwind im Abstiegskampf geben – doch die Lage scheint aussichtslos.

Selbst die Rivalen empfanden Mitleid. Bei aller Begeisterung über den höchsten Sieg beim FC Schalke seit mehr als 56 Jahren verzichteten die Profis von Borussia Dortmund nach dem 4:0 (2:0) auf Schadenfreude. Die Vorahnung, dass es das vorerst letzte Revierderby gewesen sein könnte, stimmte selbst den gebürtigen Dortmunder Marco Reus milde: "Wenn ich auswählen dürfte, würde ich sie schon drin lassen", so der Kapitän, bevor die Profis im Teambus von den Fans in Dortmund mit Pyro in Empfang genommen wurden.

Seit Einführung der Drei-Punkte-Wertung 1995/96 gab es noch nie ein Team mit nur neun Zählern nach 22 Partien. Wirklich überzeugend klangen die neuerlichen Durchhalteparolen von Trainer Christian Gross deshalb nicht: "Man sollte uns nicht zu früh abschreiben. Wir glauben bis zum vielleicht bitteren Ende, dass es noch möglich ist."

Die von vielen Fans zum Schicksals-Derby ausgerufene Partie, die als Initialzündung für einen leidenschaftlichen Abstiegskampf mit Happy End dienen sollte, endete mit einer weiteren Ernüchterung. "Es ist natürlich ganz bitter, so hoch gegen die Dortmunder zu verlieren", bekannte Gross. Nicht nur der große Abstand zum Relegationsrang, sondern auch das Verletzungspech stimmt selbst Daueroptimisten skeptisch. Dass die zu Jahresbeginn verpflichtete Sturmhoffnung Klaas-Jan Huntelaar seit Wochen wegen einer Wadenzerrung nur zuschauen kann, sich Neuzugang Shkodran Mustafi beim Aufwärmen vor der Partie verletzte und Keeper Ralf Fährmann mit einer Bauchmuskelblessur ausgewechselt werden musste, passte ins Bild. Schnell entlud sich bei einigen Fans der Frust über die anhaltende Erfolglosigkeit. Ungeachtet des coronabedingten Zuschauerverbots versuchten 200 Anhänger, nach der Partie ins Stadion zu gelangen, wurden aber daran gehindert. Dagegen wurden die Dortmunder von ihrem Anhang bei der Rückkehr euphorisch gefeiert. Weil einige der 150 bis 200 Fans dabei weder Masken trugen noch den notwendigen Abstand einhielten, räumte der BVB Verstöße gegen die Corona-Regeln ein. Auf einem Video, das auf dem Instagram-Account von Mahmoud Dahoud veröffentlicht, aber später gelöscht worden war, war zu sehen, wie sie Spieler hinter der Frontscheibe Fans zujubelten. Die Dortmunder baten um Entschuldigung und versprachen, "mit der Polizei und allen Beteiligten sehr zeitnah darüber zu sprechen, wie solche Szenen in der Öffentlichkeit zukünftig komplett auszuschließen sind".

Besonders bejubelt wurden die Torschützen Jadon Sancho (42.), Erling Haaland (45./79.) und Raphael Guerreiro (60.). Dank ihrer Treffer schöpfte der BVB wieder neuen Mut im Kampf um einen Champions-League-Platz, der aber noch immer sechs Punkte entfernt liegt.