Strafverfahren gegen Gianni Infantino eröffnet

dpa

Von dpa

Fr, 31. Juli 2020

Fussball International

Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa gerät unter Druck.

Fifa-Präsident Gianni Infantino gerät in der Schweizer Justiz-Affäre immer stärker unter Druck und steht nun auch selbst im Visier der Ermittler. Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren gegen den Chef des Fußball-Weltverbands und könnte die Fifa in die größte Krise seit der Skandal-Ära von Vorgänger Joseph Blatter stürzen.

In dem Verfahren geht es um geheime Treffen zwischen Infantino und dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber, wie die Aufsichtsbehörde über die BA in Bern weiter mitteilte. Die Vorwürfe gegen Infantino lauten Anstiftung zum Amtsmissbrauch, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses und Anstiftung zur Begünstigung. Angeklagt wird auch ein ebenfalls bei den Treffen anwesender Oberstaatsanwalt.

Infantino weist die Vorwürfe zurück. "Lassen Sie es mich noch einmal klarstellen: Die Treffen mit dem Bundesanwalt sollten zur lückenlosen Aufklärung beitragen", sagte der Schweizer. "Zum damaligen Zeitpunkt waren über zwanzig Verfahren gegen ehemalige Fifa-Mitglieder anhängig. Dieser wesentlichen Aufklärungspflicht auch im Sinne der Fifa bin ich nachgekommen und werde dies auch weiter tun. Dieses war immer mein Anspruch und davon lasse ich mich nicht abbringen." Die Fifa und Infantino kündigten an, umfassend mit den Behören zu kooperieren.

Dennoch könnte Infantino, der sich seit Amtsantritt 2016 stets als Erneuerer und Reformer präsentierte, vorübergehend auch Ungemach in seinem Amt als Fifa-Präsident drohen. Als die Schweizer BA 2015 ein Strafverfahren gegen den damaligen Weltverbandschef Blatter unter anderem wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung eröffnete, wurde dieser für 90 Tage durch die Fifa-Ethikkommission gesperrt.

Nun ist Infantino gut ein Jahr nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident mehr denn je in Erklärungsnot. Die geheimen Treffen fanden 2016 und 2017 statt, während die Bundesanwaltschaft gegen die Fifa wegen Korruption ermittelte. Bei den Ermittlungen geht es unter anderem um die Vergaben der Fußball-WM 2018 an Russland und 2022 an Katar.