Handball

Boris Schnak muss nach Krebsdiagnose von Vielem Abschied nehmen

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Fr, 10. Mai 2019 um 09:18 Uhr

Handball Allgemein

Boris Schnak hat Handball beim HGW Hofweier gespielt. Nun kämpft der Abwehrchef gegen den Krebs und erhält Unterstützung von seinen Teamkollegen, vielen Sportlern und dem inneren Kreis der Familie.

Die Aufwärmtrikots der Spieler des HGW Hofweier tragen eine Herzensnachricht – auch am finalen Spieltag der Südbadenliga am vergangenen Samstag in Steinbach. Unter den Ziffern 1 und 3 steht "Get well soon Boris". Die Wünsche für die schnelle Gesundung des ehemaligen Mitspielers Boris Schnak. "Das ist schon schwierig. Ich wäre lieber auf dem Spielfeld gewesen und hätte mitgekämpft", gestand er hernach ehrlich.

Der einstige Abwehrchef des Südbadenligisten nutzte die Gunst einer Therapiepause, um seinen Jungs von der Tribüne aus den Rücken zu stärken. Impulsiv verfolgte er das Spiel, lebte und litt mit, selten hielt es ihn auf seinem Stuhl. Seine persönliche Lage spielt für ihn keine Rolle. Er analysiert hernach das Spiel, die vielen Holztreffer, kommentiert Situationen, die zu Verzweiflungswürfen geführt haben, befindet, sein HGW sei einfach nie richtig ins Spiel gekommen, um das Resümee zu ziehen: "Das tut mir wahnsinnig leid für die Mannschaft, die haben eine Wahnsinnssaison mit einer tollen Rückrunde gespielt."

Er sei froh, dass er in der Chemopause ein paar Tage in den eigenen vier Wänden sei. So es ihm möglich sei, verfolge er jedes Spiel und schaue im Training bei den Kumpels durch. Er will mit der Mannschaft einfach ein wenig Spaß haben. "Das gibt mir wieder Kraft", sagt Boris Schnak und gibt den Kollegen am späten Samstag einen Tipp: "Wir müssen in den nächsten Tagen einfach wieder die Köpfe frei bekommen."

In dieser Disziplin hat er leidvolle Erfahrung. Vor einem Jahr im Mai kam die Diagnose Hodenkrebs. Es folgte die Chemotherapie. Ende 2018 schien alles im Lot zu sein. "Ich war wieder richtig fit." In der Rückrunde wollte er richtig durchstarten. Im Januar kam die Zweitdiagnose: Dottersacktumor. "Da hieß es Abschied nehmen vom Handball", berichtet er und fügt hinzu, "Abschied nehmen von allem. Es kam ein kleiner Bruch."

Boris Schnak wurde erst einmal von seiner Frau Marina, die er am 13. Mai 2017 geheiratet hatte, sowie seinem familiären Umfeld aufgefangen. Die Solidarität der Handballer in ihrer Gesamtheit, Aktionen in fremden Hallen unter dem Motto "Wir kämpfen für Boris", Posts auf Facebook und Instagram, Bilder, die ihm geschickt wurden, gaben dem 34-jährigen Halt. "Ich habe mich wahnsinnig gefreut."

"Das hilft wahnsinnig. Andere fallen da in ein tiefes Loch."Boris Schnak über die Teamkollegen
Aktuell hat er bei seiner zweiten Chemotherapie drei Zyklen hinter sich. Bis zum 8. Mai ist er noch in der Heimat, dann geht es wieder für drei Wochen in die Uniklinik nach Freiburg. Dem folgen zwei Wochen Erholung daheim, ehe es wieder für drei Wochen nach Freiburg geht. Anfang Juli soll die Tortur für den Körper beendet sein. "Dann muss ich einfach mal wieder Kraft tanken, muss sich mein Körper regenerieren", blickt er voraus und steckt sich sofort neue Ziele ab. "Ich möchte wieder körperlich fit werden." Die Fitness des Sportlers habe ihm geholfen, die Strapazen der Therapie besser zu verkraften. Das hätten die Ärzte immer wieder bestätigt. In der Onkologie sehe er aber noch ganz anderes Leiden, berichtet Boris Schnak. "Da denke ich mir, ich bin doch relativ fit und gut zu Fuß. Ich komme damit schon klar." Dass dies so ist, sei seiner Frau und dem inneren Kreis der Familie zu verdanken. Auch der massive soziale Zusammenhalt mit den Kumpels, den Handballer allgemein stabilisiere ihn. "Das hilft wahnsinnig. Andere fallen da in ein tiefes Loch." Ihm hilft seine offene Art, über seine Krankheit zu sprechen. "Dadurch bin ich positiv geblieben und immer wieder aufgestanden."

Tags drauf stand der Abwehrhüne, der vor fünf Spielzeiten von seinem Heimatverein TuS Ottenheim zum HGW gewechselt war, in der Ottenheimer Rheinauenhalle rein zufällig direkt unter dem Transparent TuS. Der Klärwärter seiner Heimatgemeinde Schwanau macht alles andere als sich angesichts der erschütternden Diagnose in irgendeiner Ecke zu vergraben. Im Gegenteil. So wird er immer wieder von Leuten angesprochen. "Toll Dich zu sehen." Einige gehen vorüber, nehmen nur Blickkontakt auf. Andere klopfen ihm auf die Schulter. Allen ist eines gemeinsam, sie sprechen ihm Mut zu. So gibt sich der Ottenheimer nicht nur auf Instagram zuversichtlich.

Ein Bild aus dem Freiburger Klinikum lässt die Zugänge in seinen Körper für die Chemotherapie erkennen. Die Aufnahme wird aber optisch geprägt von einem erhobenen Daumen und einem strahlenden Lächeln. Darunter stehen die hashtags #chemotherapie2.0 #comebackstronger2.0 #fickdichkrebsichbinstärker. Boris Schnack sagt: "Ich muss offen und ehrlich mit dem ganzen Zeug umgehen, dann kommt man eigentlich ganz gut klar."