Der Geist von Salazar verfolgt Klosterhalfen bis nach Doha

dpa

Von dpa

Mi, 02. Oktober 2019

Leichtathletik

Kurz vor ihrem ersten WM-Start wird bekannt: Der Trainer und Leiter des Oregon-Projekts wird für vier Jahre gesperrt.

DOHA/COLORADO SPRINGS (dpa). Schock vor dem Start – das Doping-Thema hat die deutsche WM-Hoffnung Konstanze Klosterhalfen absolut zur Unzeit erwischt: Einen Tag vor ihrem ersten Rennen in Doha sah sich die Läuferin mit einer vierjährigen Sperre des umstrittenen Trainers Alberto Salazar konfrontiert. Die 22-Jährige war im vergangenen Herbst nach Portland in die USA umgesiedelt, wo sie bei Salazars Nike-Oregon-Project trainiert. Klosterhalfen wird nach eigenen Angaben von dessen Assistent Pete Julian betreut. Salazar wurde nun wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt. Das teilte die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) mit. Klosterhalfens Management reagierte "überrascht und ein Stück weit geschockt" auf die Nachricht aus den USA. "Aber es ändert an der Situation nichts: Konstanze ist entschieden gegen jegliche Art von verbotenen Substanzen. Sie ist nie damit in Berührung gekommen", sagte ihr Manager Dany Biegler. Pete Julian "ist und bleibt" beim Oregon-Project ihr Trainer.

Die Ermittlungen gegen Salazar liefen vier Jahre lang. Wegen ihres Wechsels in Salazars Camp hatte Klosterhalfen in den vergangenen Monaten immer wieder kritische Fragen beantworten müssen. Die Leverkusenerin machte in diesem Jahr einen enormen Leistungssprung: Sie stellte in insgesamt sechs deutsche Rekorde auf. "Bei ihrer Arbeit für das Oregon-Project haben Herr Salazar und Dr. Brown demonstriert, dass Gewinnen wichtiger war als die Gesundheit und das Wohlergehen der Athleten, denen sie ihren Schutz versprochen hatten", sagte Usada-Chef Travis Tygart in einer Mitteilung. Der Mediziner Jeffrey Brown wurde von einem amerikanischen Schiedsgericht ebenfalls für vier Jahre gesperrt. Die Hauptvorwürfe der Behörde gegen Salazar sind: Anwendung von verbotenen Infusionen, Besitz und illegaler Handel mit Testosteron und die Vertuschung von Daten im Zusammenhang mit Doping-Kontrollen. Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) teilte mit, dass Salazars Akkreditierung auf Bitte des US-Verbandes deaktiviert worden sei.

Der deutsche Verband sieht derzeit keinen Handlungsbedarf für seine in den USA trainierende Spitzenläuferin. "Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir noch zu wenige Informationen, um die Suspendierung von Alberto Salazar einordnen zu können", so DLV-Präsident Jürgen Kessing. Klosterhalfen sei eine mündige Athletin: "Trotz intensiver Kontrollen gab es bei ihr keine Beanstandungen, und sie lehnt jede unerlaubte Methode ab."

Salazar schrieb auf der Homepage des Projekts auf die Entscheidung, er sei geschockt. "Das Oregon-Project hat Doping nie erlaubt und wird Doping nie erlauben." Die Vorwürfe seien komplett falsch. Er werde gegen die Entscheidung in Berufung gehen, kündigte der 61-jährige an. Der frühere Marathonläufer trainierte bis 2017 den vierfachen Olympiasieger und sechsfachen Weltmeister Mo Farah – und der Brite hat dazu eine unmissverständliche Meinung: Es könne "keine Toleranz für irgendjemanden geben, der die Regeln bricht oder eine Linie überschreitet". US-Läuferin Kara Goucher warf Salazar vor, sie zur Einnahme des Schilddrüsenhormons Thyroxin gedrängt zu haben, das nicht auf der Doping-Liste steht. Und nach Angaben von Trainer Steve Magness soll Salazar im Besitz von Testosteron gewesen sein.

Derweil hat sich Klosterhalfen entscheiden, in Doha über 5000 Meter zu starten.