Nochmal Bronze und eine weitere verpasste Qualifikation

dpa

Von dpa

Sa, 21. September 2019

Ringen

Ringer-WM: Anna Schell wird Dritte / Alexander Semisorow vom TuS Adelhausen verliert entscheidendes Duell um Olympia-Ticket.

NUR-SULTAN/FREIBURG (dpa/gg). Die deutsche Ringerin Anna Schell hat bei der Weltmeisterschaft in Kasachstan Bronze gewonnen und den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert. Die 26 Jahre alte Athletin aus Aschaffenburg bezwang am Freitag im Duell um Platz drei die japanische Olympiasiegerin von 2016 in Rio, Sara Dosho. Der Erfolg ist umso höher einzustufen, wenn man weiß, dass Japan im Frauenringen die Nummer eins ist, bei den Sommerspielen vor drei Jahren vier von sechs Goldmedaillen gewann.

Bereits vor dem Kampf um Rang drei hatte Bundestrainer Patrick Loes (Freiburg) erklärt: "Anna ringt hier in Kasachstan das Turnier ihres Lebens". Gegen die Japanerin, die 2017 zudem Weltmeister geworden war, ließ Schell keine Angriffe zu, punktete bei einem Konter und rettete den Vorsprung zum 4:1-Erfolg über die Zeit. Schell bescherte dem deutschen Team damit die vierte Medaille in Nur-Sultan (ehemals Astana), nachdem sie sich durch den Einzug ins Halbfinale bereits die Olympia-Qualifikation in der Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm gesichert hatte.

Vor dem letzten Wochenende der Titelkämpfe in Kasachstan haben fünf deutsche Sportler ihr Ticket für die Sommerspiele im nächsten Jahr in Tokio sicher. Neben Schnell sind das die aus Krefeld stammende und in Triberg lebende Aline Rotter-Focken (Bronze/Klasse bis 76 Kilo) sowie die drei Männer Frank Stäbler (Bronze/67), Denis Kudla (Bronze/87) und Eduard Popp (Fünfter/130), die alle im griechisch-römischen Stil kämpfen. Bei dieser Stilart sind – im Gegensatz zum Freistil – lediglich Griffe vom Kopf bis zur Hüfte erlaubt. Bei den ringenden Frauen, deren Disziplin 2004 erstmals olympisch war, wird indes nur im Freien Stil gekämpft.

Die männlichen Freistil-Ringer aus Deutschland gingen hingegen zum Auftakt ihrer Wettkämpfe dagegen leer aus. Der Südbadener Alexander Semisorow, der in der Bundesliga für den TuS Adelhausen kämpft, hatte am Donnerstag seinen ersten Kampf gegen den Spanier Juan Pablo Gonzalez Crespo auf Schulter gewonnen, ehe er im Achtelfinale der Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm dem späteren Vizeweltmeister Daulet Niyazbekov nach abwechslungsreichem Kampfverlauf mit 8:12 Punkten unterlag. Da der Kasache das Finale erreichte, durfte Semisorow am Freitag noch in der Hoffnungsrunde ran. Dort legte er erst Yu-Hsuan Chang aus Taiwan nach 67 Sekunden auf die Schultern. Doch im entscheidenden Duell um die direkte Olympia-Qualifikation unterlag er dem Mongolen Tulga Tomur Ochir mit 0:8 Punkten. Damit hat Semisorow, der wohl Deutschlands technisch bester Freistilringer ist, das Olympia-Ticket zunächst verpasst. Er kann es aber – wie alle anderen Gescheiterten – im kommenden Jahr noch erlangen, falls er bei einem der beiden Qualifikationsturniere das Finale erreicht.

Ebenfalls ausgeschieden sind am Freitag die deutschen Freistilringen Johann Steinforth (bis 74 Kilo) und Schwergewichtler Nick Matuhin, der für den TuS Adelhausen kämpft. Matuhin, Olympiastarter 2012 in London, hatte in der Qualifikation den Ägypter Khaled Abdalla mit 7:3 ausgepunktet, war aber im Achtelfinale chancenlos beim 1:5 gegen Jamaladdin Magomedov aus Aserbaidschan.

Weil Matuhins und Steinforths Bezwinger jeweils nicht in das Finale kamen, durften beide Deutschen nicht in der Hoffnungsrunde ran. Auch sie müssen 2020 nun in die Qualifikationsturniere, um die Chance auf die Olympia-Teilnahme zu wahren.