Kein Glück und auch noch Pech

Uwe Rogowski und Georg Gulde

Von Uwe Rogowski & Georg Gulde

Mo, 23. Dezember 2019

Ringen

Ringer-Erstligist TuS Adelhausen erwischt zum Playoff-Auftakt mit Burghausen das maximal schwere Los / Hausen-Zell bleibt Letzter.

ADELHAUSEN/FREIBURG. Sie waren das viertbeste Ringer-Team der Bundesliga-Hauptrunde. Doch für das Viertelfinale bekam der TuS Adelhausen den Meister Wacker Burghausen zugelost. Ausgerechnet. Und die RG Hausen-Zell ist Tabellenletzter geblieben.

Sie sind wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Gleich mehrere ihrer Top-Ringer sind ausgefallen und auch für die Playoffs teilweise keine Option. Am Samstagabend kam beim TuS Adelhausen Edgaras Voitechovskis dazu, "sein Kreuzband ist nicht mehr vorhanden", sagte Sascha Keller von der sportlichen Leitung.

Und es wurde im Laufe des Abends nicht besser. Die Adelhauser Erstligaringer, die zuletzt zweimal das Halbfinale erreichten und in dieser Saison als Außenseiter für den Titel gelten, waren auch bei den Losentscheidungen für die K.-o.-Runde um die deutsche Meisterschaft nicht mit Fortuna im Bunde. Gleich zwei Kröten mussten sie schlucken. Zunächst wurden sie am Samstagabend in Riegelsberg als bester Tabellenzweiter nicht den vier gesetzten Teams zugelost, und dann bescherte ihnen das Prozedere auch noch den maximal schwierigen Gegner für das Viertelfinale: Topfavorit und Titelverteidiger SV Wacker Burghausen.

Trainer Bernd Reichenbach mache sich keine Gedanken, sagte er, "wir nehmen es, wie es kommt". Wolle man weit kommen, müsse jeder geschlagen werden. Keller kommentierte: "Es ist kein Schock für uns, aber das mit Abstand härteste Los." Doch das Viertelfinal-Tableau zeigt: Eine gute Hauptrunde hinzulegen, bringt nicht automatisch einen Vorteil. Die Adelhauser haben in der Südwest-Gruppe zwölf ihrer 14 Kämpfe gewonnen, sind mit der Punktedifferenz von plus 164 aktuell das viertbeste Team aller 23 Bundesliga-Clubs und müssen sich nun gleich in der Runde der letzten Acht mit dem Topfavoriten auseinandersetzen. Zum Vergleich: Die RKG Freiburg wurde mit deutlich schlechterer Bilanz nur Dritter im Südwesten und bekommt es mit dem Nordwest-Zweiten Nackenheim zu tun.

Zum Hauptrundenabschluss siegten die Adelhauser mit 15:12 gegen den ASV Hüttigweiler und gewannen dabei fünf der zehn Kämpfe. Trainer Reichenbach hatte aber schon nicht mehr die stärkstmögliche Formation aufgeboten, die Playoffs waren längst erreicht. Dort ist nun voraussichtlich gleich im Viertelfinale Feierabend für die Adelhauser, die den Hinkampf in der Dinkelberghalle am 28. Dezember austragen werden und auch den Nachteil haben, den Rückkampf auswärts bestreiten zu müssen (4. Januar). Wie in der Vorsaison im Halbfinale.

Die Duelle mit Burghausen werden unter speziellen Bedingungen ablaufen. Es ist Brisanz zu erwarten, mehr als sonst. Im Vorjahr war der TuS stark unterwegs, für viele galt er als kommender Meister. Doch auf dem Weg ins Finale scheiterten sie unter dubiosen Umständen, die dem TuS zufolge bis heute beim Verband anhängig sind.

Im Halbfinale war Burghausen beim Hinkampf zu spät angereist, die Frage "verschuldet" oder "unverschuldet" stand im Raum. Dann kam es aus Sicht der Adelhauser aber auch noch zu Unregelmäßigkeiten an der Waage. Sie sprachen offen von "Betrug" und warfen dem Deutschen Ringerbund, der ihren Protest harsch abwiegelte, eine Nähe zu den Burghausenern vor, die später das Finale gewannen und deutscher Mannschaftsmeister wurden. Diesmal sind die Voraussetzungen andere: Die Adelhauser werden dem bayerischen Top-Favoriten angesichts der personellen Voraussetzungen nur schwerlich Paroli bieten können.

Weit entfernt von den Playoffs beenden die Bundesliga-Ringer der RG Hausen-Zell die Saison: Nach der 11:15-Niederlage beim Playoff-Teilnehmer RKG Freiburg schließt Hausen-Zell die Runde auf dem letzten Tabellenrang der Gruppe Südwest ab. Es war so oft wie in diesem Jahr: Die Mannschaft fightete bis zur Erschöpfung, Trainer Florian Hassler coachte (fast) bis zur Erschöpfung und erhielt die Gelbe Karte – aber am Ende wurde die RG nicht belohnt. Es gewann der Gegner. Im Breisgau entschied das Team des scheidenden Trainers sogar sechs der zehn Mattenduelle. Weil es aber drei Vierer abgab, reichten die sechs Punktsiege, für die es einen oder zwei Mannschaftszähler gab, in der Endabrechnung jedoch nicht.

"Ich will nichts ausschließen." Hassler zum Thema Abstieg

Letzter. Das hört sich nicht gut an. Wie es bei der RG weitergeht, das will oder kann Hassler noch nicht sagen. "Der Verein ist im Umbruch. Mindestens ein, zwei Ringer werden aufhören", so Hassler. Welche das sein werden, will er noch nicht preisgeben. Nur so viel: "Bis Ende Januar müssen wir uns erklären und dem DRB mitteilen, in welcher Liga wir kommende Saison kämpfen."

Nimmt der Club das Abstiegsrecht (keine Pflicht) in Anspruch? Macht er in der Bundesliga weiter bis zur übernächsten Saison, wenn die zweite Liga wieder kommt? Zieht er sich ganz aus den oberen Ligen zurück? Bauleiter Hassler, der Architekt des Aufstiegs, der nach vier Jahren das Traineramt abgibt, sagt: "Es ist alles möglich, ich will nichts ausschließen. Es ist eine schwierige Entscheidung für den Verein." Eine Entscheidung, bei der das Geld sicher eine Rolle spielen wird – und die Verfügbarkeit der ausländischen Athleten. "Zu oft durften unsere ausländischen Ringer wegen Lehrgängen oder Meisterschaften gar nicht ausreisen und für uns kämpfen", sagt Hassler.

In Freiburg machten die neun Aufrechten der RG (die unterste Gewichtsklasse blieb unbesetzt) den Breisgauern gehörig zu schaffen. Erst im letzten Duell fiel die Entscheidung, als der 18-jährige Kevin Spiegel Hausen-Zells Freistil-Weltergewichtler Arkadiusz Böhm mit 14:2 auspunktete. Zuvor hatten in Michael Denner, Oliver Hassler, Virgil Munteanu, Florian Neumaier, Leon Gerstenberger (9:8-Punktsieger gegen Artur Muradyan nach 7:0-Führung und 7:8-Rückstand) sowie Alexandru Solomon sechs Gästeringer die Matte als Sieger verlassen.