Mit 62 durchs Tableau marschiert

Matthias Scheibengruber, BZ

Von Matthias Scheibengruber & BZ-Redaktion

Mi, 13. November 2019

Tischtennis

Desinteresse an Tischtennis-Bezirksmeisterschaft in Laufenburg?.

LAUFENBURG. Routinier Bernhard Bürgin vom TTC Laufenburg hat einmal mehr den Titel des Tischtennis-Meisters im Bezirk Oberrhein gewonnen. Der 62-Jährige, der seit geraumer Zeit in Bernau lebt, dominierte die Konkurrenz Männer A und blieb in allen fünf Spielen ohne Satzverlust. Auch im Finale gegen Tim Sievering vom TTC Schopfheim/Fahrnau, das Bürgin mit 11:8, 11:4, 11:7 gewann und somit die Nachfolge von Vorjahressieger Jonas Suhr (TTC Hasel) antritt.

Welchen Stellenwert der Titel eines Bezirksmeisters im Tischtennis in der heutigen Zeit noch hat, zeigte sich spätestens beim Finale, als sich Bürgin und sein gut vier Jahrzehnte jüngerer Herausforderer gegenüberstanden. Obwohl in den Stunden zuvor in der Rappensteinhalle gut Betrieb herrschte, interessierte sich kaum noch jemand für das wichtigste Match des Tages. Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit dominierte Bürgin seinen Kontrahenten, der nach dem Spiel höchst unzufrieden war: "Ich hatte nicht meinen besten Tag. Deshalb hatte ich einfach keine Chance gegen ihn. Entsprechend habe ich mir nicht viel ausgerechnet", so Sievering, der in der Bezirksliga nur eines von fünf Einzeln verlor. "Dabei spiele ich unheimlich gern gegen Bürgin. Bei seinem Spielstil macht ein Vergleich immer viel Vergnügen." Für Bürgin war das Turnier das letzte Aufwärmen vor dem Abflug nach Fernost: "Gemeinsam mit den Weilern Jürgen Eise und Thien-Si Tu nehme ich in China an einem großen Turnier teil", so Bürgin, der sich aus dem regelmäßigen Wettkampfsport etwas zurückgezogen hat. Drei Saisoneinsätze absolvierte er für Laufenburg in der Bezirksklasse – und gewann alle sechs Einzel.

Sieger Bürgin kopfschüttelnd: "Ein Armutszeugnis."

Bezüglich des Stellenwerts der Meisterschaft legte Bürgin nicht nur ob des mangelnden Interesses der Mitstreiter an diesem langen Tag die Stirn in Falten: "Ich fände es schon schön, wenn die überregional aktiven Spitzenspieler aus dem Bezirk hier vertreten wären." So sinkt das allgemeine Niveau der Turnierspiele, bietet zudem wenig Anreiz für den Nachwuchs: "Ein Armutszeugnis, dass ich mit meinen 62 Lenzen so durch das Tableau marschiere", sagte Bürgin kopfschüttelnd ob der dürftigen Beteiligung. "Und trotzdem freue ich mich auch über diesen – wer weiß wievielten – Bezirksmeistertitel." Fast nebenher gewann Bürgin auch die Ü-60-Wertung, das Doppel-Finale verlor er mit Clubkollege Lukas Köhler gegen Christian Franosz/Manuel Raimann (TTC Hasel) nach 2:0-Führung mit 2:3.

Im kommenden Jahr will Bürgin mit Rolf-Dieter Loss (TTC Tiengen) – ihres Zeichens amtierende Ü-60-Doppel-Europameister – an der Weltmeisterschaft in Bordeaux teilnehmen. Und natürlich, wie sollte es bei Titelsammler Bürgin anders sein, "wollen wir eine Medaille".

Bei den Jugend-Wettbewerben konnten sich bei 16 Meisterschaftsentscheidungen acht Vereine über einen Titel freuen. Am erfolgreichsten: Der TTC Wehr, der zudem zwei Zweifachsieger in der U 15 hervorbrachte: Lara Himmelsbach im Einzel und Doppel (mit Nele Schmidt). Henry Kuck besiegte im Einzelfinale Loris Scalzillo (SV Eichsel), mit dem er wiederum die Doppel-Meisterschaft gewann. Ebenfalls erfolgreich unterwegs war der FC Bad Säckingen. Unter anderem gewann Lukas Böhmer die U-18-Königsklasse im Einzel gegen Teamkollege Jan Wedekind in fünf Sätzen, gemeinsam holte das Bad Säckinger Duo den Titel im Doppel.

Weitere Meister, Männer B: Dirk Stockkamp; Männer C: Konstantin Kretzschmar (beide SV St. Blasien); Männer D: Sergio Marino (TTC Lauchringen); M 40: Torsten Einhaus (SV Eichsel); M 50: Uwe Pommerening (TTC Schopfheim/Fahrnau); Doppel B: Dirk Stockkamp (SV St. Blasien)/Oliver Weisse (TTC Tiengen); Doppel C/D: Konstantin Kretzschmar/Andreas Karcher (beide SV St. Blasien); Frauen-Doppel: Franziska Schwarz/Nora Klinger; Mixed: Franziska Schwarz/Nils Ruf (alle TTC Schopfheim/Fahrnau).