Aller Anfang ist schwer

dpa, str

Von dpa & Andreas Strepenick

Mo, 25. November 2019

Skispringen

Die deutschen Skispringer landen bei schwierigen Bedingungen zum Weltcup-Start weit hinten.

WISLA (dpa/str). Rang fünf im Teamspringen und eine weitere Enttäuschung im Einzel: Für die deutschen Skispringer läuft es zum Auftakt der Weltcup-Saison im polnischen Wisla noch gar nicht. Ihr neuer Coach Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt ist trotzdem nicht unzufrieden.

Der Frust im deutschen Skisprung-Team war nach dem Fehlstart nicht zu übersehen. Team-Weltmeister Karl Geiger fühlte sich in der Windlotterie von Wisla um seine Siegchance gebracht, Deutschlands Vorzeigespringer Markus Eisenbichler wurde nach einem 73-Meter-Hüpferchen gar Letzter von 50 Athleten.

"Des war mal gar nix. Wenn draußen gar nix hebt, hat es mich einfach zu Boden gedrückt. Es ist halt so, das muss ich abhaken", sagte der enttäuschte Dreifach-Weltmeister Eisenbichler. Die stark wechselnden Bedingungen und den fehlenden Aufwind für manche Athleten nannte der Bayer "total K...". Windlotto hin oder her: Die deutschen Skispringer verlassen das herbstlich-grüne Wisla in Polen nicht gerade mit besonders viel Selbstvertrauen. Beim Sieg des Norwegers Daniel Andre Tande wurde Geiger (127 und 118 Meter) nach Führung im ersten Sprung Siebter, alle weiteren sechs Springer des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) schafften es nicht einmal unter die besten 20.

"Wir haben noch viele Wettkämpfe, die so laufen werden – vielleicht haben wir später mal das Glück zur rechten Zeit", sagte der neue Bundestrainer Stefan Horngacher. Sein Winter-Debüt als deutscher Cheftrainer hatte sich der Wahlschwarzwälder und Nachfolger von Langzeit-Coach Werner Schuster in jedem Fall anders vorgestellt. Einen Tag nach Österreichs Sieg im Teamspringen, bei dem Deutschland als Fünfter ebenfalls nur eine Nebenrolle spielte, ließ das erste Einzel aber noch keine großen Rückschlüsse auf die wahren Kräfteverhältnisse in diesem Winter zu. "Von fair sind wir heute relativ weit weg. Das ist wie beim Fußball elf gegen fünf", sagte der Österreicher Stefan Kraft im ZDF. Der Favorit kam auf der Adam-Malysz-Schanze nicht über Rang 21 hinaus. Hinter Tande komplettierten Anze Lanisek aus Slowenien und Polens Lokalmatador Kamil Stoch das Podest. Horngacher sagte zum sehr speziellen Wettbewerb von Wisla gar: "Wir haben keine andere Möglichkeit als einfach mitzumachen." Das von Verletzungen gebeutelte Team der DSV-Adler pocht nach dem Fehlstart also schnell auf Wiedergutmachung.

Andreas Wellinger wird wegen seines Kreuzbandrisses nach derzeitiger Prognose den ganzen Winter über fehlen. Der Schwarzwälder David Siegel, der für den SV Baiersbronn springt und wie Horngacher in Titisee-Neustadt lebt, kuriert ebenfalls einen Kreuzbandriss aus, könnte allerdings in dieser Saison noch in den Weltcup-Kader zurückkehren. Offen ist auch, wann Severin Freund wieder in den Sprungzirkus einsteigt. Er hatte gleich zwei Kreuzbandrisse und darüber hinaus eine Meniskusoperation.

Im finnischen Ruka sollen kommende Woche nicht nur die Temperaturen (-10 statt +10 Grad), sondern auch die Resultate anders werden. "Wir gehen eigentlich mit einem positiven Gefühl. Karl springt stabil, Eisenbichler hat sich wieder erholt. Ritsch ist unterwegs. Es gibt viele positive Dinge", konstatierte Horngacher. Vor allem bei Geiger, der in Quali und Teamwettbewerb geglänzt hatte, überwiegen die positiven Ansätze deutlich. Richard Freitag (24.), Constantin Schmid (31.) und Stephan Leyhe (34.) aus Breitnau hätten sich zum Auftakt wie Dreifach-Weltmeister Eisenbichler mehr erhofft. Top-Mann Geiger befand: "Heute braucht man einen guten Sprung und ein bisschen Glück." In beiden Punkten hatten die DSV-Adler in Wisla deutlich Luft nach oben.

Bis zu ihrem Heim-Auftritt haben Horngacher und Leyhe noch etwas Zeit. Vom 17. bis 19. Januar 2020, also zehn Tage nach der Vierschanzentournee, werden die Skispringer in diesem Winter wieder vom Bakken der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt gehen.

Weitere Informationen auf http://www.weltcupskispringen.de