Jung-Adler auf dem Sprung nach vorn

Lars-Henrik Wacker

Von Lars-Henrik Wacker

Mi, 02. Oktober 2019

Skispringen

Junioren-Weltmeister Luca Roth, Quirin Modricker vom SC Hinterzarten und Claudio Haas sind Skisprung-Zukunftshoffnungen.

KLINGENTHAL. Sie lachen viel, gehen ihren Weg gemeinsam und treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Was im sächsischen Klingenthal wie "Jugend forscht" aussah, ist ein hochtalentiertes Trio. Luca Roth (19), Quirin Modricker (18) und Claudio Haas (18) sind Weitenjäger mit ausgeprägtem Fluggefühl, die Skisprung-Landestrainer Rolf Schilli maßgeblich geprägt hat. Die drei Junioren sind auf dem Sprung nach oben und Luca Roth ein potentieller Debütant für den kommenden Weltcup-Winter.

2019 war das bisher erfolgreichste Jahr in der Vita des jungen Meßstetters. Im Januar sicherte sich Luca Roth das komplette Medaillenset bei der nordischen Junioren-Weltmeisterschaft im finnischen Lahti. Doch der Alltag hatte ihn schnell wieder, denn der Youngster musste sich bis Ende Juni seiner Ausbildung an der Bundespolizeischule in Bad Endorf widmen. Strafgesetzbuch, Bürgerrechte oder auch die Bedienung der Schusswaffe standen nach der Wintersaison an. Bis August 2022 möchte der 19-Jährige den Abschluss als Polizeimeister in der Tasche haben. Doch der richtige Umgang mit den Sprunglatten hat nach wie vor höchste Priorität. Dass er ein Flieger ist, zeigte der Junioren-Vizeweltmeister in der Vorbereitung auf den kommenden Winter.

Die Gesamtwertung des Sommer-Continentalcups beendete der Mann des SV Meßstetten mit 215 Punkten auf Rang 16. Zu Buche stehen unter anderem zwei vierte Plätze in Stams (Österreich) und Schuchinsk (Kasachstan). Dass es nicht noch mehr Zähler geworden sind, lag an einer dreiwöchigen Rückenverletzung. "Es war eine Überreizung. Während des Krafttrainings haben sich Wirbel verschoben. Manchmal zwickt es noch ein bisschen, aber ich kann jeden Tag trainieren", blickt Roth zurück.

Das Continentalcup-Wochenende in Klingenthal lief durchwachsen für den 1,90 Meter großen Flieger. Im ersten Wettkampf verpasste Roth das einzige Mal in dieser Sommersaison den Finaldurchgang und landete enttäuscht auf Rang 44. Am Sonntag sprang er auf den 23. Platz und bekannte selbstkritisch Defizite. "Mir fehlt noch die Beständigkeit, um zwei gleichwertige Sprünge runterzubringen", so Roth. Besser machen kann es der Jungspund am kommenden Wochenende beim Sommer-Grand-Prix in der Klingenthaler Vogtland-Arena. Die deutsche Meisterschaft im Spezialspringen und der Nordischen Kombination (18. - 20. Oktober) findet dort ebenfalls statt. Roth weiß, was er will: den DM-Titel bei den Junioren gewinnen. Das ist ihm schon einmal gelungen, bei der DM 2017 in Oberwiesenthal.

"Nachwuchs-Champ" – das wäre auch eine tolle Sache für Quirin Modricker. Mittlerweile 18 Jahre alt, konnte der Springer des SC Hinterzarten sein Continentalcup-Debüt im August in Frenstat (Tschechien) feiern – und auf Anhieb mit Rang 22 die ersten Punkte sammeln. In Klingenthal wollte es beim zweiten COC-Wochenende mit den Plätzen 63 und 50 aber gar nicht laufen für den Hochschwarzwälder. Der gebürtige Schopfheimer ließ sich den Spaß an der Weitenjagd dennoch nicht vermiesen. Was bleibt, sind die Erfahrungen: "Im Training läuft es ganz gut, nur schaffe ich es nicht, die Sprünge in den Wettkampf rüberzubringen. Das ist die Herausforderung für den Winter." Modricker wird am Skiinternat Furtwangen ausgebildet, drückt am Otto-Hahn-Gymnasium die Schulbank und will im Frühjahr 2020 sein Abitur bauen, nach einem hoffentlich erfolgreichen Skisprungwinter. "Mein Ziel ist es, im Alpencup zu überzeugen und dann sehen wir mal, wofür es reicht", sagt Modricker. Ähnlich ist die Situation seines Klassenkameraden Claudio Haas. Der 18-jährige Schonacher, der sich im März bei der deutschen Jugendmeisterschaft in Oberhof den Titel gesichert hatte, debütierte wie Quirin Modricker ebenfalls in Frenstat und sammelte als 27. seine ersten COC-Punkte. Weitere Zähler gab es in Klingenthal.

Am Samstag landete Haas auf Rang 27, am Sonntag blieb nur der 57. Platz. Haas freut sich wie Modricker und Luca Roth auf einen ganz besonderen Höhepunkt im anstehenden Wettkampfwinter: "Das Ziel jedes Juniors ist die Weltmeisterschaft im Frühjahr", so Haas. Die JWM steht vom 28. Februar bis 8. März 2020 in Oberwiesenthal auf dem Wettkampfprogramm. Fünf Springer werden für die JWM nominiert, aber nur vier können an den Start gehen. Luca Roth, Quirin Modricker und Claudio Haas werden es versuchen. Sie wollen weiter vorankommen.