Adelheid Moraths famoses Finale

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Mo, 23. September 2019

Mountainbike

St. Märgener Mountainbikerin Vierte bei der Marathon-WM.

GRÄCHEN. Bei der Marathon-Weltmeisterschaft in der Schweiz hat die St. Märgenerin Adelheid Morath nach 70 Kilometern als Vierte die Bronzemedaille nur um eine Sekunde verpasst. Weltmeisterin wurde Pauline Ferrand Prevot aus Frankreich, bei den Männern siegte der Kolumbianer Hector Leander Paez vor dem Tschechen Kristian Hynek und dem Italiener Samuel Porro. Bei dem Langenordnacher MTB-Profi Simon Stiebjahn war nach zwei Stunden "der Tank leer", er beendete das Rennen auf Rang 39.

Für Adelheid Morath begann das Rennen etwas unglücklich. Während Cross-Country-Weltmeisterin Pauline Ferrand Prevot als Erste in den ersten Singletrail hinein fuhr und dann rasch alleine unterwegs war, wurde Morath in diesem ersten langen Downhill ein wenig eingeklemmt. "Ich habe da Zeit verloren, obwohl ich mich im fahrtechnischen Bereich eigentlich sehr gut fühlte", erzählte Morath. Auf gleichmäßigen Teer-Anstiegen, in denen mit Kraft gefahren wird, hatte sie ihre Schwächen. "Leider gab es bis auf den letzten, keine technischen Anstiege", bedauerte die 35-Jährige. Während hinter Ferrand Prevot die Slowenin Blaza Pintaric die zweite Position einnahm, gruppierte sich nach knapp 40 der 70 Kilometer eine dreiköpfige Gruppe, die um Bronze fuhr. Die Südafrikanerin Robyn de Groot und Elisabeth Brandau hatten zu Morath aufgeschlossen, nachdem sie zu Beginn noch weiter hinten lagen. Obgleich Brandau immer wieder Tempo machte und auch mal kleinere Abstände herausfahren konnte, blieb das Trio bis fünf Kilometer vor dem Ziel in Kontakt. Da war der Rückstand auf die führende Ferrand Prevot von viereinhalb Minuten auf weniger als drei Minuten geschrumpft und auch auf Pintaric holten das Trio auf.

Brandau hatte nach 40 Kilometern erstmals Krämpfe bekommen, diese Krise aber überstanden. "Ich habe vielleicht zu viel Dampf gemacht, aber ich dachte, vielleicht holen wir die Blaza noch ein und können zwei Medaillen gewinnen. Leider ist es am Ende dann keine geworden", sagte Brandau. Der Schönaicherin ging fünf Kilometer vor dem Ziel, etwa drei Kilometer vor dem höchsten Punkt, die Kraft aus.

Morath dagegen gelang es, in der letzten Abfahrt sogar einen kleinen Vorsprung auf de Groot herauszufahren. Als es dann auf die Straße ging, kam die ehemalige Straßenfahrerin aus Südafrika näher. "Auf den letzten 100 Metern hat sie mich dann abgesprintet", erzählt Morath. "Mir fehlt das Selbstvertrauen. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden, aber die Holzmedaille macht mich einfach traurig. Ich habe leider zu viele solcher Erlebnisse, das macht mich langsam müde", kommentierte die Schwarzwälderin Rang vier.

Ferrand Prevot verteidigte ihren ersten Platz und holte sich nach dem Cross-Country-WM-Titel nun auch den auf der Marathondistanz. Morath hatte 2:41 Minuten Rückstand, Brandau wurde mit 5:06 Minuten Rückstand Sechste. Mit Stefanie Dohrn (Bergisch-Gladbach) auf Rang sieben (+8:32) und Sabine Spitz bei ihrem Abschiedsrennen auf Rang zehn (12:25 Minuten zurück) gelang den deutschen Mountainbikerinnen ein sehr gutes Mannschaftsergebnis – aber sie blieben ohne Medaille.

Bei den Männern wurde das Klassement auf den 90 Kilometern wiederholt durcheinandergewürfelt. Simon Stiebjahn (Titisee-Neustadt) sah man nur nach der ersten Abfahrt vorne. Nach zwei Stunden war er am Ende mit seinen Kräften, was wohl seinen gesundheitlichen Problemen in den vergangenen zwei Wochen geschuldet war. Mit Rang 39 blieb "Stiebi" unter seinen Möglichkeiten. Auch der deutsche Meister Sascha Weber (Freiburg) verlor früh den Anschluss. Andreas Seewald aus Lenggries war auf Rang neun bester Deutscher, er lag 5:50 Minuten hinter dem kolumbianischen Sieger Leonardo Paez (4:17:58). Zweitbester Deutscher war Altmeister Karl Platt (Osthofen), der mit 14:55 Minuten Differenz Rang 22 belegte und zwei Plätze vor Martin Frey (Bad Urach/17:15 Minuten Rückstand) lag.

Julian Schelb aus Münstertal schaffte es im Langdistanzrennen der Weltbesten – 157 Fahrer erreichten das Ziel – auf den 31. Platz. Das ist aller Ehren wert im Wettstreit mit den Profis, da Schelb berufstätig ist. Der Breitnauer Matthias Bettinger, der ein Teamkollege von Schelb ist, war bei der Marathon-Weltmeisterschaft ebenfalls am Start, gab das Rennen aber nach einem Sattelbruch auf. Zwar wechselte der Breitnauer das Gestühl, wurde dann aber, weil die millimetergenaue Justierung nicht gelingen wollte, von massiven Knieschmerzen geplagt.