"Der Pokalsieg – das war schon geil"

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Fr, 20. November 2020

Regio-Fußball

SPIEL MEINES LEBENS: Der Lahrer Christian Haas erlebte als Jugendauswahlspieler viele spannende Begegnungen.

. Sie sind auf Nachfrage oft wieder präsent, die Erinnerungen an dieses eine Spiel, das die eigene Laufbahn in besonderem Maße beförderte, krönte oder auch unvollendet werden ließ. Es ist ein ganz persönlicher Blick auf Meilensteine und Momente von prägender Kraft. Regionale Sportgrößen schauen zurück auf ihre Siege, aber auch auf Niederlagen und Gänsehaut-Augenblicke. Heute tut dies der Fußballer Christian Haas.

Der gebürtige Lahrer, 42 Jahre alt, begann mit fünf Jahren in der F-Jugend beim Lahrer FV mit dem Kicken. Dort blieb er bis zur C-Jugend, bevor er zum Offenburger FV wechselte, dessen Dress er in B- und A-Jugend trug. Danach kehrte er für zwei Spielzeiten zu seinem Heimatverein zurück. Ein Jahr lang spielte er bei den Amateuren des SC Freiburg. Danach folgten vier Jahre beim FC Teningen, bevor sich beim LFV der Kreis wieder schloss.

» Was war für Sie das Spiel Ihres Lebens als aktiver Fußballspieler?
Wenn ich ein Spiel herauspicken könnte, dann wohl jenes, als wir mit dem FC Teningen in der Saison 1999/2000 gegen den FC Emmendingen zum ersten Mal südbadischer Pokalsieger geworden sind. Das Endspiel fand einen Tag vor dem Vatertag in Denzlingen statt. Dass wir das Finale gewonnen haben, war der krönende Abschluss einer Pokalserie, in der wir als Verbandsligist gegen den Regionalligisten SC Pfullendorf, und den Bahlinger SC, damals ein etablierter Oberligist gewonnen haben. Ich glaube, wir haben auch die SC-Amateure geschlagen. Die Stimmung im Finale war toll, die Spannung war unheimlich groß, es gab Torchancen links wie rechts. Eigentlich war der Pokal schon weg, dann haben wir das Spiel noch herum gerissen. Ich glaube, um die 82. Minute herum haben wir das 0:1 bekommen, dann aber haben wir kurz vor Schluss ausgeglichen. Ich kann mich so erinnern: Ralf Ernst ist eingewechselt worden, ihm habe ich die Vorlage zum 1:1 gegeben. Das war schon geil. Damit sind wir in die Verlängerung gegangen. Am Ende haben wir uns mit 4:1 durchgesetzt. So haben wir uns für den DFB-Pokal qualifiziert. In der ersten Runde haben wir gegen den Zweitligisten MSV Duisburg mit 0:3 verloren.

Welche Pleite schmerzt noch heute?
Da kann ich kein einzelnes Spiel nennen, sondern muss an eine Phase mit dem FC Teningen denken. In der Saison 2001/02 sind wir als Tabellenletzter der Oberliga Baden-Württemberg direkt wieder abgestiegen, obwohl wir damals eigentlich keine schlechte Mannschaft hatten. Wir hatten als Neuling nach dem Aufstieg aus der Verbandsliga am Ende dieser ersten Saison nur 15 Punkte gesammelt und 39:91 Tore. Mit Uwe Ehret als Trainer sind wir dann in der folgenden Saison wieder aufgestiegen, haben aber in der Oberliga erneut nicht Fuß fassen können. Wir haben eine schlechte Runde gespielt und mussten nach dieser Saison 2002/03 als Tabellensechzehnter wieder runter in die Verbandsliga. Noch während der Runde ist unser Trainer Uwe Ehret entlassen und durch Herbert Reiß ersetzt worden. Das war für mich eine bescheidene Situation, denn zu ihm hatte ich ein ganz ausgezeichnetes Verhältnis. Wenn ich darüber nachdenke, wie er damals da saß, als sie ihm sagten, er kann nicht mehr Trainer sein. Das hat mich schon geschmerzt. Danach bin ich wieder zurück zum LFV gegangen.

Was waren Ihre weiteren ganz persönlichen Karriere-Highlights?
In der Jugend war ich recht erfolgreich, habe einige Auswahlspiele bestreiten dürfen. In der U 15, U 16 und U 17 stand ich auch im erweiterten DFB-Kader. Ich erinnere mich noch: Damals bin ich aus dem kleinen Lahr alleine mit dem Zug nach Hennef oder nach Duisburg gefahren. Dort war der ehemalige DDR-Nationalspieler Dixie Dörner unser Trainer. Dort habe ich auch spätere Bundesligaspieler getroffen, wie Robert Enke, der sich ja später leider das Leben genommen hat. Jeden Montag fand in Karlsruhe das DFB-Stützpunkttraining statt, das von Karl-Heinz Förster geleitet wurde. Das waren für mich echte Highlights, da bin ich großen Talente und Namen begegnet. Zum Beispiel Sebastian Deisler, der zwei Jahre jünger ist als ich. Er war damals schon dabei, weil er als riesen Talent hochgezogen worden ist. Ich habe auch tolle Fußballer wie die späteren Profis Marco Reich, Frank Wiblishauser und Markus Schuler getroffen, der jetzt in Ettenheim wohnt. Die montäglichen Trainings haben mir großen Spaß bereitet, das waren wirkliche Höhepunkte.