Managerin des SC-Frauenteams

Birgit Bauer: "Die ganze Theatralik aus dem Herrenfußball gibt es bei uns nicht"

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Mo, 29. Juli 2019 um 10:36 Uhr

SC Freiburg

Der Sonntag Seit knapp drei Jahrzehnten lenkt Birgit Bauer die Fußball-Frauenabteilung des SC Freiburg. Im Interview spricht die 55-Jährige über die Chancen des SC und die Entwicklung des Frauenfußballs.

Der Sonntag: Trotz des Viertelfinal-Ausscheidens der deutschen Nationalmannschaft und des Freiburger Trios aus Klara Bühl, Merle Frohms und Giulia Gwinn: Wie hat die Fußball-Managerin Birgit Bauer das WM-Finale gesehen?

Ich war für Holland, weil in Desiree van Lunteren eine letztjährige Freiburgerin im Kader stand. Aber die USA ist als beste Mannschaft verdient Weltmeister geworden.

Der Sonntag: Die Einschaltquoten bei der WM waren konstant hoch, die Spiele gut besucht. Hat der internationale Frauenfußball einen Quantensprung gemacht?

Es passiert schon viel. Auf einmal nimmt man in England richtig viel Geld in die Hand. In Frankreich haben sie seit Jahren große Mäzene. In Spanien baut jetzt Real Madrid richtig etwas auf, in Italien Juventus Turin. Überall wird viel investiert.

Der Sonntag: Was hat das für Folgen für die Entwicklung in Deutschland?

Es werden mehr Spielerinnen ins Ausland gehen. Da verdienen sie mehr. Ich glaube trotzdem, dass wir in Deutschland weiterhin die beste Liga der Welt haben. Aber wir müssen schon aufpassen, dass uns nicht die Spielerinnen weglaufen. Das müssen mittlerweile aber auch der FC Bayern und der VfL Wolfsburg.

Der Sonntag: Sie sprechen es an. Auch innerhalb der deutschen Liga wird das Gefälle größer.

Das stimmt. Aber das ist ja bei den Herren nicht anders. Es wirkt bei Bayern und Wolfsburg so, als ob es kein Problem wäre, immer noch ein bisschen mehr zu investieren. Das ist bei uns anders. Wir haben unser Budget, welches ich als gut empfinde. Aber in dem Rahmen müssen wir uns bewegen. Und außerdem sehen wir uns weiterhin als Ausbildungsverein. Damit sind wir ja gut gefahren. Dass jetzt aber mit Giulia Gwinn wieder eine Spielerin nach Bayern geht, tut schon weh.

Der Sonntag: Als Sie selber noch spielten – damals nach ihrem Wechsel von der SpVgg Wiehre – herrschten noch andere Verhältnisse. Worin liegen die größten Unterschiede?

Wir haben früher dreimal trainiert. Und empfanden das als viel. Heute trainieren wir mindestens sechsmal die Woche, haben einen qualifizierten Trainerstab, eine Kooperation mit dem Olympiastützpunkt, trainieren um die Mittagszeit und nicht mehr spätabends. Von den Rahmenbedingungen ist das kaum vergleichbar. Reisen, Ausrüstung, Athletikbetreuung: Alles ist besser geworden.

"Da stehen sportlich austrainierte Mädels auf dem Platz, die richtig gut Fußball spielen können. Und ehrlicher kicken." Birgit Bauer
Der Sonntag: Im Frauenfußball geht es also voran.

Total. Früher wurden wir ja teilweise belächelt. Jetzt stehen da sportlich austrainierte Mädels auf dem Platz, die richtig gut Fußball spielen können. Und ehrlicher kicken. Die ganze Theatralik aus dem Herrenfußball gibt es bei uns nicht.

Der Sonntag: Zurück zum aktuellen Geschehen. Nach vier Jahren unter Jens Scheuer hat in Daniel Kraus ein neuer Trainer das Sagen. Wie ist Ihr Eindruck?

Ich bin derzeit viel dabei, nicht aus Kontrolle, sondern weil es mich interessiert und ich mir einen Eindruck verschaffen will. Er hat eine klare Ansprache, direkt und ehrlich. Den Mädels macht das Training Spaß.

Der Sonntag: Wie arg hat sich das Gesicht der Mannschaft verändert?

In Giulia Gwinn und Desiree van Lunteren haben uns zwei wichtige Spielerinnen verlassen. Neu sind Naomi Mégroz (FC Zürich), Jana Vojteková (SC Sand), Meret Wittje (VfL Wolfsburg) und Victoria Ezebinyou aus der U17. Fest steht: Wenn wir verhindern wollen, dass die talentierten Spielerinnen abwandern, müssen wir was tun. Und das in allen Bereichen, auch in der Infrastruktur und finanziell.

Der Sonntag: Was ist mit dem neuen Team in der stärker werdenden Liga drin?

Wir haben einen guten Kader. Aber vieles wird man erst mit der Zeit sehen. Letztes Jahr waren wir Siebter. Da wollen wir uns schon um ein oder zwei Plätze verbessern.

"Wenn man mal in Köln war, will man wieder hin." Birgit Bauer zum Pokal-Finale
Der Sonntag: Wie sieht der weitere Fahrplan der Vorbereitung aus?

Wir haben jetzt noch das eine oder andere Testspiel. Dann noch das Trainingslager und dann steht der Heimauftakt gegen Bayern an.

Der Sonntag: Ein besonderes Spiel.

In vielerlei Hinsicht. Das wird für viele eine ganz außergewöhnliche Konstellation gegen den alten Trainer Jens Scheuer. Favorit ist Bayern. Wenn man so viel Geld in die Hand nimmt, muss man in Freiburg gewinnen.

Der Sonntag: Der Einzug ins DFB-Pokalfinale hat sicherlich hungrig gemacht. Wie lange dauert es noch, bis die SC-Frauen wieder einen nationalen Titel gewinnen?

Wir werden diese Saison wieder alles versuchen. Im Pokal braucht man immer auch Losglück. Aber klar ist, wenn man mal in Köln war, will man wieder hin. Das war letzte Saison schon ein einzigartiges Erlebnis.