1. Bundesliga

Frankfurts Abraham rammt Trainer Streich um - SC Freiburg siegt 1:0

dpa, bz

Von dpa & BZ-Redaktion

So, 10. November 2019 um 20:30 Uhr

SC Freiburg

Irre: Der SC Freiburg steht weiter auf einem Champions-League-Platz. Gegen die Frankfurter Eintracht gelingt der Streich-Elf daheim ein glanzloser 1:0-Sieg. Kurz vor Schluss ereignet sich noch eine unschöne Szene. Am Ende liegt Trainer Streich wie ein Käfer auf dem Rücken.

Am Ende reden alle übers Ende: In der Schlussphase spielten sich im Schwarzwaldstadion kurz vor Abpfiff unschöne Szenen ab. Zunächst attackierte Eintracht-Kapitän David Abraham SC-Trainer Christian Streich und stieß diesen zu Boden. Bei der anschließenden Rudelbildung ging der bereits ausgewechselte Vincenzo Grifo auf Abraham los. Abraham sah direkt glatt Rot, Grifos Vorgehensweise wurde nach Videobeweis ebenfalls mit der Roten Karte sanktioniert.

"Da sind ihm einfach die Sicherungen durchgebrannt" Christian Streich
David Abraham sei als extrem emotionaler Spieler bekannt, sagte Christian Streich im Interview mit dem TV-Sender Sky. "Ich komm einfach nicht weg. Er rennt mich halt über den Haufen. Fußball ist ein Kampfsport. Das war jetzt an der falschen Stelle. Das war ein heißes Spiel. Runterfahren, fertig. Nicht irgendwie dumm schwätzen hinterher."

Streich sagte, er habe Abraham nicht provoziert. "Ich bin in der Situation aber auch nicht zuständig für Frankfurt das Spiel schnell zu machen", kommentierte der SC-Coach den Umstand, dass er den Ball passieren ließ. Zu Abrahams Check meinte er noch: "Da sind ihm einfach die Sicherungen durchgebrannt."

Nils Petersen erzielte das entscheidende Tor

Der SC Freiburg hat dank einer Halbzeit in Überzahl Eintracht Frankfurt besiegt und den Sprung in die Champions-League-Plätze geschafft. Nach einem unnötigen Platzverweis für Gelson Fernandes (45. Minute) setzte sich der SC am Sonntag 1:0 (0:0) gegen die Eintracht durch. Nils Petersen erzielte vor 24.000 Zuschauern das entscheidende Tor für die Mannschaft von Christian Streich (77. Minute). Während die Breisgauer auf den vierten Platz der Fußball-Bundesliga kletterten, rutschte Frankfurt nach dem sechsten Spiel innerhalb von 18 Tagen auf den neunten Rang ab.

In der Nachspielzeit bekam auch noch Eintracht-Kapitän David Abraham nach einem Rempler gegen Freiburgs Coach Streich die Rote Karte (90.+6). Der bereits ausgewechselte Freiburger Vincenzo Grifo sah wegen der anschließenden Rudelbildung nach Videobeweis ebenfalls Rot.



Gelb-Rot gegen Fernandes

Von der Gelb-Roten Karte gegen Fernandes0,0 der kurz vor der Pause im Zweikampf gegen Jonathan Schmid viel zu spät gekommen war, profitierte Freiburg zunächst überhaupt nicht. Frankfurt stand in Unterzahl deutlich tiefer, die Freiburger Vorstöße über die Außenbahnen führten jedoch nicht zum Erfolg. Brenzlig wurde es aus Eintracht-Sicht dennoch, als Roland Sallai (50.) aus kurzer Distanz per Kopf am stark reagierenden Frederik Rönnow scheiterte. Erst Stürmer Petersen machte mit seinem 82. Pflichtspieltreffer für Freiburg spät den sechsten Saisonsieg des Sportclubs perfekt.

Dass die Frankfurter ihr sechstes Spiel innerhalb von 18 Tagen bestritten, war ihnen mit Blick auf die Laufleistung nicht anzumerken. Gegen die kämpferisch ebenfalls starken Gastgeber erarbeitete sich die Mannschaft von Trainer Adi Hütter im Verlauf der ersten Halbzeit sogar ein Chancenübergewicht. Der überraschend offensivfreudige Verteidiger Martin Hinteregger scheiterte jedoch zweimal mit einem Schuss aus spitzem Winkel (12./35.). Die größte Chance aber vergab Erik Durm (21.), dessen Schuss an die Latte ging.

Je länger das Spiel dauerte, desto besser wurde die Eintracht - bis sie sich selbst durch den berechtigten Platzverweis für Fernandes schwächte. Auch nach einer halben Stunde hatte Schiedsrichter Felix Brych richtig entschieden, als er einen schon gepfiffenen Elfmeter für die Eintracht nach Sichtung der Videobilder zurücknahm: Paciencia war zuvor nicht gefoult worden, sondern hatte in den Boden getreten.

Rudelbildung in der Schlussphase

In Überzahl änderten die Gastgeber dann ihr Spielkonzept. Zunächst hatte es die Mannschaft von Trainer Christian Streich häufig mit langen Bällen auf Petersen versucht. Wenn der Ex-Nationalspieler mit dem Kopf ablegen konnte, wurde es kurz darauf durch Lucas Höler (8.) und Roland Sallai (28.) zweimal gefährlich. In Überzahl gegen nun tiefstehende Frankfurter versuchte es der SC dann eher mit flachen Pässen. Aber selbst der nach einer Verletzungspause in der 57. Minute eingewechselte Nationalspieler Luca Waldschmidt sorgte nicht für Gefahr. Erst spät traf Petersen dann doch noch zum 1:0. Die Eintracht machte noch einmal Druck, doch der Ausgleich gelang nicht mehr.

Und waren die Schlussminuten auch hitzig, so gaben sich die Kontrahenten nach dem Abpfiff in der Kabine die Hand – fair Play!


Statistik:

SC Freiburg: Flekken - Schmid, Lienhart, Heintz, Günter - Sallai (76. Kwon), R. Koch, Höfler, Grifo (57. L. Waldschmidt) - Höler (90.+4 N. Schlotterbeck), Petersen
Eintracht Frankfurt: Rönnow - Abraham, Hinteregger, NŽDicka - Durm (83. A. Silva), Sow, G. Fernandes, Kostic - Kamada (67. Gacinovic) - Paciencia (46. Kohr), Dost
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München) - Zuschauer: 24.000 (ausverkauft). Tore: 1:0 Petersen (77.). Gelbe Karten: Höler (1) / - Gelb-Rote Karten: - / G. Fernandes (45.+1/wiederholtes Foulspiel) Rote Karten: Grifo (90.+10/Tätlichkeit) / Abraham (90.+6/Tätlichkeit)