St. Märgen startet fetzig in die Goldenen Zwanziger

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Di, 14. Januar 2020

St. Märgen

Beim Neujahrsempfang spielt die Brassband Blechbengel.

ST. MÄRGEN. Zum Start in die "Goldenen Zwanziger" hatte Bürgermeister Manfred Kreutz beim Neujahrsempfang der Gemeinde St. Märgen mit der Brassband Blechbengel die passende Musik ausgewählt. Die acht jungen Musiker aus dem Hochschwarzwald treten seit Januar 2018 zusammen auf, ihr Ziel ist es, Blasmusik mit fetzigen Arrangements neu zu entdecken.

Besonders passend zu einem Thema, das St. Märgen im Jahr 2019 besonders bewegt hat, ihr Arrangement von "Please Mr. Postman": "Die Eröffnung der Postfiliale im August war ein großes Ereignis. Aus der Not heraus geboren ist die Entscheidung im Gemeinderat gefallen, die Postfiliale kommunal zu betreiben", sagte Bürgermeister Manfred Kreutz in seiner Ansprache. Für ihn sei keine andere Entscheidung denkbar gewesen, "auch wenn es eigentlich ein Zeichen von Versagen staatlicher Grundstrukturen ist, wenn eine Gemeinde diese doch wichtige Infrastruktur selbst defizitär erhalten muss". Schön sei, dass die Dienstleistung gut nachgefragt werde. Kreutz informierte auch darüber, dass ab nächster Woche eine Annahmestelle für Schuhreparaturen in den Räumen der Poststelle öffne – in Zusammenarbeit mit dem Schuh- und Sanitätshaus Volk aus Kirchzarten und Elzach. Nach dem Jubiläumsjahr 2018 und dem Rossfest 2019 stehe mit dem Jahr 2020 ein "ganz normales Jahr ohne Großereignis" an. Mit Blick auf das Rossfest sagte Kreutz: "Das Rossfest war wieder eine grandiose Werbung für St. Märgen, aber auch für den gesamten Hochschwarzwald."

Ganz den Goldenen Zwanzigern entsprechend informierte Kreutz über eine "sehr erfreuliche Entwicklung", die man zu Beginn des Jahres 2021 haben werde: "Die Gemeinde wird bis dahin aller Voraussicht nach die Verschuldung unter eine Million gedrückt haben – eine wichtige Größe, um künftige Herausforderungen und eventuell wirtschaftlich schwierige Zeiten bestehen zu können."

Auch Pfarrer Klemens Armbruster schaute in seiner Ansprache zurück auf das "Jahr eins nach dem großen Jubiläumsjahr 2018" und erinnerte an den Spruch, den Thomas Simon auf den Gedenkstein für die Zeitkapsel im Klostermuseum gemeißelt hatte: "In Erinnerung bleibt, was die Geschichte schreibt." Und mit diesem Zitat wollte der Pfarrer an einen erinnern, "der auf seine Weise Geschichte geschrieben hat, aber jetzt fehlt": Klaus Wehrle, der durch einen Unfall im März 2019 ums Leben gekommen ist. "Wir haben einen engagierten Pfarrgemeinderat und Stiftungsrat verloren", sagte der Pfarrer sichtlich bewegt. Er informierte darüber, dass nach einer Großspende vier Hochaltarfiguren aus der Pfarrkirche restauriert werden. "Wenn also demnächst vier Hochaltarfiguren fehlen, sind sie beim Restaurator und nicht gestohlen worden – übrigens ist der kleine Engel, der in der Josefskapelle gestohlen wurde, noch nicht aufgetaucht. Es war Gott sei Dank eine Gipskopie der in den Siebzigerjahren gestohlenen Original-Engel", fügte er schmunzelnd hinzu, bevor er über die Kandidatensuche für die am 22. März anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen informierte: "Sie erweist sich als schwierig – wundern Sie sich nicht, wenn auch Sie gefragt werden."

Vereinssprecher Manfred Herrmann begrüßte im Namen von 37 Vereinen und Gruppen das neue Jahr und blickte auf das Rossfest zurück: "Das Fest ist der sichtbare Beweis dafür, was eine Dorfgemeinschaft mit funktionierendem Vereinsleben auf die Beine stellen kann." Jetzt heiße es knapp zwei Jahre verschnaufen, bevor die Planungen wieder beginnen. Er konnte es nicht lassen, Seitenhieb e nach Berlin zu schicken: "Müssen wir bei Hocks und Festen künftig auch Kassenbelege ausgeben?" fragte er trocken. Oder, in Anspielung auf den Willen von Olaf Scholz, Vereinen, die keine Frauen aufnehmen, die Gemeinnützigkeit zu entziehen, fragte er die 250 Gäste in der Schwarzwaldhalle: "Wer hat den Mut und wird die erste männliche Landfrau?" Er frage sich, ob sich Berlin im Klaren darüber sei, dass das Ehrenamt auf diese Weise nicht gestärkt, sondern geschwächt werde. Die Gäste waren mit ihm einer Meinung und klatschten.