St. Märgen will klar Stellung beziehen

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Fr, 26. Februar 2021

St. Märgen

Gemeinderat unterstützt BLHV-Resolution zu Wolf und Weidetierhaltung im Hochschwarzwald.

. Das Votum war eindeutig. Ohne Gegenstimme unterstützten die Gemeinderäte von St. Märgen eine Resolution des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) zum Thema "Wolf und Weidetierhaltung im Kreisverband Hochschwarzwald", mit dem die berufsständige Interessenvertretung Einfluss auf die Landesregierung nehmen will. "Wir benötigen ein vernünftiges Wolf-Management zum Schutz unserer Weidetiere", sagte Mathias Brugger aus Saig. Eine ordnungsgemäße und rechtssichere Bejagung des Wolfes müsse künftig möglich sein, um "die bereits existenzgefährdeten Familienbetriebe nicht noch weiter zu schwächen. Wölfe müssen künftig schnell und unbürokratisch, ohne langwierige Gerichtsprozesse entnommen werden können", so der BLHV in seinem Positionspapier. Gemeinsam mit Silke Grünewald, der BLHV-Bezirksgeschäftsführerin Freiburg Hochschwarzwald, hatte Brugger in der mit 20 Zuhörern bestens besuchten Ratssitzung in der Schwarzwaldhalle erläutert, welche Gefahren von Wölfen auf die heimische Landwirtschaft ausgehen. Ähnlich wie in Finnland oder Schweden sei ein praxisorientiertes und aktives Wolfsmanagement notwendig, um ein konfliktfreies Zusammenleben der ländlichen Bevölkerung und dem Wolf zu ermöglichen. "Wichtigste Voraussetzung für ein solches Wolfsmanagement ist die rechtssichere Bejagung. Zudem gilt es sogenannte Weidetierschutzzonen zu errichten."

Auch wenn die Population an Wölfen im Hochschwarzwald derzeit nicht hoch sei, müsse mit einem exponentiellen Wachstum gerechnet werden, machte Brugger deutlich. Je mehr Wölfe es gebe, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass sich deren Jagdreviere veränderten. "Wölfe sind eigentlich scheu, die im Wald Rehe, Hasen und andere Waldtiere jagen", sagte Mathias Brugger. Gebe es aber keinen Jagddruck, verliere der Wolf seine Scheu und jage anders. "Die Nutztierrisse, das zeigt sich in den ostdeutschen Ländern, steigen rapide an."

Schutzzäune oder Hütehunde seien keine sinngebende Alternative zu einem vernünftigen Wolfsmanagement. Denn Wölfe seien enorm lernfähig, lernten rasch, Zäune zu überwinden. "Weil rund 70 Prozent der Schwarzwaldbetriebe im Nebenerwerb geführt werden, wird ein Wolf immer wieder nicht ausreichend gesicherte Nutztiere finden. Deshalb ist Herdenschutz alleine keine Lösung, sondern braucht rechtssichere Vergrämungs- und Abschussrichtlinien." Auch die offene Landschaft des Hochschwarzwaldes werde sich durch Wolfsschutzzäune gravierend ändern, so die Referenten. "Wir sind eine Tourismusregion mit rund 200 000 Gästebetten. Ob unsere Gäste, die unsere Landschaft mit offenen Weideflächen und Wald genießen, bei steigender Wolfspopulation weiterhin in den Schwarzwald kommen, ist fraglich. Dieser Aspekt muss klar berücksichtigt werden", fand Gemeinderat Thomas Simon. Und Bürgermeister Manfred Kreutz machte deutlich: "Wir sollten als Gemeinde ein Zeichen setzen, der Resolution zustimmen und uns damit gegenüber der Landesregierung klar positionieren."