Obersäckingen

St. Martin erlaubt Blick in die Kirchenbaugeschichte

Richard Kaiser

Von Richard Kaiser

Di, 05. November 2019 um 17:53 Uhr

Bad Säckingen

Die Friedhofskapelle ist die Keimzelle der Gemeinde in Obersäckingen. Am kommenden Wochenende findet das Patrozinium statt.

Keimzelle von Obersäckingen, zugleich uralter Kulturboden, ist die Kapelle im Friedhof. Sie ist der 1490 errichtete Chor-Anbau der ehemaligen Obersäckinger Pfarrkirche, die bereits 1135 an dieser Stelle stand. Nachdem 200 Meter nördlich davon 1863 die heutige St.-Martins-Kirche eingeweiht wurde, riss man den seit 1135 bestehenden romanischen Teil der Kirche ab und übernahm den gotischen Chor von 1490 als Friedhofskapelle.

St. Martin wurde schon beim Bau der ersten Kirche, vermutlich im achten Jahrhundert, Schutzpatron der damals gegründeten Obersäckinger Pfarrei, die auf die Missionierung des Glaubensboten Fridolin zurückgeht. Beiden Heiligen sind zahlreiche Abbildungen und Skulpturen gewidmet. Beispielsweise die beiden Gemälde aus dem Jahre 1753, die sich über dem Altar der Friedhofskapelle befinden, die der Laufenburger Maler Joseph Tröndlin gefertigt hatte.

In der jahrhundertalten Kirche standen einst drei Altäre, die vom Unteralpfener Schreiner Christoph Schlegel 1753 durch drei neue ersetzt wurden. Doch nur einer davon, der in der heutigen Friedhofskapelle, ist erhalten geblieben. Das Gemälde "Christus am Kreuz" wurde zum Altarbild, denn es war adäquat zu Begräbniszeremonien. Als in den 1950er-Jahren eine Kapellenrestaurierung anstand, rückte man den Ortsheiligen wieder mehr in den Vordergrund. Man tauschte das Kreuz-Bild gegen das ursprüngliche zum Altar gehörende Gemälde, das den hl. Martin bei der Mantelteilung zum Inhalt hat, das ab 1863 in der heutigen Pfarrkirche hing.

Darstellung des heiligen Fridolin
Bevor das Martinsgemälde 1955 in die Friedhofskapelle kam, wurde es restauriert. Ebenso sollte die über dem Bild angebrachte Lünette aufgefrischt werden, die seinerzeit auf einer schwarzbemalten Leinwand lediglich die Buchstabengruppe "IHS" zeigte. Als man die Farbschicht ablöste, kam eine kaum beschädigte Darstellung des hl. Fridolin hervor, wie er den toten Zeugen Ursus zum Gericht geleitet. Auch dieses Gemälde wurde restauriert und leuchtet seither über dem Altar, wie es 1753 von Tröndlin gemalt wurde. Das frühere Altarbild "Christus am Kreuz" kam dagegen mit einem neuem Rahmen an die Seitenwand der Friedhofskapelle und wurde mit einer passenden Ziertafel versehen zu einem Erinnerungsmal an die Toten der beiden letzten Weltkriege.

Patrozinium am Wochenende
So unzertrennbar die Obersäckinger Friedhofskapelle mit der Geschichte der Pfarrei verbunden ist, so bildet das Gleichnis der Mantelteilung stets den Auftakt des alljährlichen Martinifestes. So auch am kommenden Samstag, wenn St. Martin hoch zu Ross den Zug der Kinder mit ihren bunten Laternen anführt, der um 18 Uhr bei der Grundschule beginnt und bei der Pfarrkirche endet. Wie die Kirchengemeinde mitteilt, können im Sinne des Teilens kleine Geschenke mitgebracht werden, die an bedürftige Kinder in Rumänien weitergeleitet werden.

Der Festgottesdienst zu Ehren des hl. Martin findet am Sonntag um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche statt. Der Kirchenchor führt die Messe in G von Christopher Tambling (1964-2015) auf. Außerdem erklingt ein festliches Halleluja, ebenfalls von Tambling, daneben Kanon und Gigue von Johann Pachelbel (1653-1706). Der Orchesterverein Bad Säckingen wirkt mit, an der Orgel ist Michael Asal, und die Gesamtleitung liegt in den Händen von Claudia Moser.

Der Martini-Basar in den Räumen des Kindergartens öffnet um 11.30 Uhr. Wie gewohnt werden ein Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen gereicht. Auch wird für die Unterhaltung der Kinder am Nachmittag gesorgt. Die Pfarrgemeinde ist für Kuchenspenden dankbar, die am Samstag von 14 bis 16 Uhr oder am Sonntag nach dem Gottesdienst im Kindergarten abgegeben werden können. Zum "Martini-Plausch mit Überraschungen aus der Wundertüte" wird am Sonntagabend um 19 Uhr eingeladen. Und im Anschluss daran erfolgt die Verlosung der Hauptpreise. Der Obersäckinger Musikverein ist mit von der Partie und umrahmt nach altem Brauch die geselligen Stunden.