Stadt muss sich ans Klima anpassen

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Mi, 13. November 2019

Lörrach

Hitze, Starkregen und lange Trockenperioden werden auch für Lörrach bauliche Herausforderungen darstellen.

LÖRRACH. In seinem Vortrag in der Reihe "Stadtplan Lörrach – Lörrach plant Stadt" stellte der Geschäftsführer des Planungsbüros Must, Robert Broesi, Möglichkeiten zur Klimaanpassung im urbanen Raum vor. Dabei präsentierte er in der Halle 9 in Lörrach vergangenen Sonntag, wie man den Folgen des Klimawandels wie beispielsweise Hitze und Starkregen mit stadtplanerischen Mitteln begegnen kann.

Das Thema treibe die Stadt seit langem um, erklärte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic. Klimaschutz sei nicht die Aufgabe einer bestimmten Partei oder Gruppe, sondern aller. Es gehe darum, Anreize zu schaffen und grenzüberschreitend Maßnahmen zu planen. "Das Klima kennt keine Grenzen", sagte sie.

Für die kommenden Jahre gebe es drei Klimatrends, erklärte Robert Broesi. Die durchschnittliche Jahrestemperatur werde zunehmen, mit mehr Tagen mit Temperaturen über 30 Grad Celsius und mehr Tropennächten mit Temperaturen über 20 Grad. Die Niederschlagsmenge werde steigen, vor allem im Winter und im Sommer sei mit längeren Trockenperioden zu rechnen.

"Das ist keine Zukunftsmusik , wir sind mitten in diesem Prozess", so der Stadtplaner. Das werde Auswirkungen auf die Gesundheit insbesondere älterer und junger Menschen haben, sorge aber auch für Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt. Beispielsweise könnte die Verbreitung der Tigermücke oder von Ambrosia, auch Traubenkraut genannt, zunehmen.

Zunächst sei es wichtig zu untersuchen, welche Räume in der Stadt am stärksten von diesen Auswirkungen betroffen seien. Diese Daten könnten dann mit der Bevölkerungsverteilung abgeglichen werden, um von Hitzewellen betroffene Stadtgebiete mit besonders vielen Senioren prioritär zu behandeln. Zugleich brauche es ein klares Ziel der Politik und Verwaltung für die Klimaanpassung. Dies bedeute, eine Erhöhung der Dichte und Nutzungsvielfalt in Städten, die Bereitstellung klimaschonender Mobilitätsangebote und eine Verdichtung und Qualifizierung des Stadtgrüns. Bei Neubauten gelte es, Hitzeinseln zu vermeiden und Kaltluftschneisen zu schaffen. Die Begrünung von Häusern, das Pflanzen von Bäumen und das Anlegen von vielen kleinen vernetzen Parks, könnte helfen, die Temperaturen in den Städten zu senken, sagte Broesi.

Offene Gewässer wie Brunnen oder Wasserzerstäuber seien zusätzlich wirksame Maßnahmen. Zudem sei die farbliche Aufhellung von Dächern oder Plätzen eine wirksame Möglichkeiten, für kühlere Temperaturen in der Stadt zu sorgen. Eine große Herausforderung sei der Umgang mit Starkregen. Heutzutage finde die Entwässerung meist unterirdisch statt. Da diese Systeme bei Starkregen schnell an ihre Grenzen kämen, bräuchte es auch oberirdische Lösungen.

Starkregen bringt das System an seine Grenzen

So könne man Straßen so umgestalten, dass Wasser von angrenzenden Gräben und Beeten aufgenommen werden können. Zugleich gelte es, sogenannte Rückhalteräume zu schaffen, um Wasser temporär zu sammeln. So mancher öffentliche Platz könnte etwas tiefer gelegt werden, um im Notfall als Wasserauffangbecken zu dienen. Auch ungenutzter Platz, beispielsweise unter den Rampen von Tiefgaragen, könnte so als Auffangbecken genutzt werden.

Allerdings müsse allen bewusst sein, dass eine Stadt nicht alles alleine stemmen könne. Auch Besitzer von Gebäuden müssten sich Gedanken machen, wie man den Folgen von Starkregen begegne. Lörrach habe Verbesserungspotential. Wenige Dächer sind begrünt, es gibt wenige Grünanlagen in der Stadt. Die Fridays for Future-Bewegung habe vollkommen recht, davon ist Stadtplaner Robert Broesi überzeugt: Es gebe ein Umsetzungs- und kein Wissensdefizit. Städte könnten auch Klimaanpassungsmanager einstellen und Planungsprozesse so betreuen, dass das Klima stets mitgedacht werde.

Zudem könne die Stadt diese Klimaanpassungen vermarkten, da viele Maßnahmen die Lebensqualität erhöhen. Auf die Frage, ob viele dieser Forderungen im ländlichen Raum nicht bereits umgesetzt seien, antwortete Broesi, dass es beides brauche, die Umsetzung auf dem Land und in der Stadt. Bedenken aufgrund zu hoher Kosten hielt er entgegen, dass die positiven Effekte von Klimaanpassungen finanziell schwer zu beziffern seien. Einige Stadtplaner würden dem Thema daher keine Priorität einräumen. Dabei gebe es viele positive Beispiele, stellte Broesi klar und fügte hinzu: "Es ist keine Hexerei."