"Stadt sollte Ursachen untersuchen"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 10. August 2020

Offenburg

Nach Badeunfall im Freizeitbad kritisiert auch der Vorsitzende des Fördervereins des TuS Rammersweier den Ablauf nach der Rettung.

(BZ). Nach dem Badeunfall im Freizeitbad Stegermatt, bei dem eine beim Schwimmen fürs Sportabzeichen bewusstlos gewordene 72-jährige Sportlerin des TuS Rammersweier von Vereinskameradinnen vor dem Ertrinken gerettet wurde, kritisiert auch der Vorsitzende des TuS-Fördervereins Rammersweier den anschließenden Ablauf der Rettungsmaßnahmen mit deutlichen Worten.

"Ein Verein, dessen Mitglieder ihr Sportabzeichen im Schwimmbad ablegen, müssen darauf vertrauen können, dass seine Mitglieder so heil herauskommen wie sie hineingegangen sind", schreibt Fördervereins-Vorsitzender Hans-Peter Goergens in einer Stellungnahme. In dem hinlänglich bekannten Fall (BZ vom 6. und 7. August) sei es "gerade noch einmal gut gegangen." Dies sei jedoch nicht wegen des umsichtigen Handelns der Bademeister der Fall, "sondern durch das schnelle und aktive Handeln von drei Kameradinnen, die automatisch das getan haben, was Sache der Bademeister gewesen wäre."

Goergens schreibt weiter: "Die Behauptung der Stadt stimmt einfach nicht, dass die Bademeister die Frau aus dem Wasser gezogen hätten. Das waren die drei beherzten Frauen des TuS Rammersweier."Vertrauen gewinne man nicht dadurch, dass man reflexartig jegliche Verantwortung von sich weise, meint der Fördervereins-Vorsitzende: "Momentan müssen wir davon ausgehen, dass wir stets für die Sicherheitsmaßnahmen selbst sorgen müssen."

Wie bekannt sei, entstünden der Stadt durch den Badebetrieb hohe Verluste. Woran liegt das?, fragt Goergens. Bekanntlich sei der neue Leiter des Bades, der kein Badefachmann sei, eingestellt um die Kosten zu vermindern. "Zumeist werden Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen", schreibt Goergens, der in Offenburg auch als früherer engagierter Gewerkschafter bekannt ist. Die erste Sparmaßnahme sei wohl die Entlassung der sehr sachkundigen Bad-Betriebsleiterin und stellvertretenden Geschäftsführerin Monika Ludin gewesen.

"Die Stadt sollte sich ein Herz fassen und die Ursachen der unterlassenen Hilfeleistung untersuchen", regt Goergens an. Auch wenn der PSV – verantwortlich für die Abnahme des Sportabzeichens – anwesend gewesen sei: "Für das, was im Bad passiert, ist immer der Betreiber verantwortlich." Wie berichtet hat die Stadt auf die Zuständigkeit des PSV verwiesen, mit dem es für die Nutzung des Bades, wie mit anderen Vereinen auch, einen Überlassungsvertrag gibt. In diesem Vertrag ist auch geregelt, dass die Vereine zuständig für die Aufsicht sind. Der PSV hat dies bestätigt, aber auch darauf verwiesen, dass die akute Rettung der bewusstlosen Frau ja durch die Vereinskameradinnen bestens funktioniert habe und sich die von einer Retterin geäußerte Kritik auf den Ablauf danach bis zum Eintreffen von Notarzt und Rettungsdienst bezogen habe.
"Es ist doch nicht zu viel verlangt, dass ein sachkundiger Mitarbeiter so lange anwesend ist, bis der letzte Gast das Bad verlassen hat. Er muss wissen, wie Rettungsfahrzeuge ins Bad kommen, wo der Rettungsrucksack liegt, muss selbst Rettungsschwimmer sein", schreibt Goergens. Rettungsmaßnahmen müssten ruckzuck möglich sein. "Das ist mit orientierungslosen Mitarbeitern, die in Flipflops auf den Platten herumrutschen, nicht möglich." Nur wenn für die Badegäste sichtbar alles getan werde, dass so etwas nicht mehr passieren könne, werde Vertrauen aufgebaut.