Stadtjugendring: Preis fürs Ehrenamt

Yvonne Siemann

Von Yvonne Siemann

Fr, 31. Januar 2020

Weil am Rhein

Vorsitzender Jörg Corsten kündigt seinen Rückzug an – aus Altersgründen / Leos und alevitische Jugend neue Mitglieder.

WEIL AM RHEIN. Zwei neue Mitgliedsverbände hat der Stadtjugendring seit Mittwochabend: der Bund der alevitischen Jugendlichen (BdaJ) und die Leos. Beide wurden von den Delegierten einstimmig aufgenommen. Der Stadtjugendring vertritt über seine elf Mitgliedsverbände etwa 1500 Jugendliche und 100 Jugendleiter, wobei das Jugendparlament und die Stadtjugendpflege eine beratende Stimme haben.

Wie Aylin Bilen und Baris Sanli berichteten, hat die Weiler BdaJ-Gruppe etwa 20 Mitglieder. Deutschlandweit umfasst der BdaJ 140 Mitgliedsverbände mit um die 78 000 Jugendlichen. Bilen und Sanli sind beide seit sechs Jahren dabei. Sie betonten, dass die Werte der aus der Türkei stammenden alevitischen Religion, wie Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit, bei ihrer Gruppe im Zentrum stehen; gleichzeitig können aber auch Nicht-Aleviten mitmachen. Wichtig sei ihnen die Vernetzung; so gibt es etwa Kontakte zu christlichen und jüdischen Jugendgruppen. Sie führen regelmäßig Benefizveranstaltungen durch, um Kleider und Schulmaterial für türkische Dörfer zu sammeln. Auch machen die BdaJ-Gruppen regelmäßige Müllsammelaktionen; neulich organisierten sie ein Seminar gegen sexualisierte Gewalt.

Die Leos sind die Jugendorganisation des Lions Club, erklärten die Delegierten Sophia Gutmann und Valentin Tesche. Weltweit gibt es in 145 Ländern um die 7000 Clubs, die sich politischer und religiöser Neutralität verpflichtet haben. Die Weiler Leos sind einer von deutschlandweit 93 Clubs und wurden 2009 gegründet. Die etwa 13-köpfige Gruppe mit Mitgliedern zwischen 16 und 29 Jahren engagieren sich für soziale Anliegen. Sie haben bereits über 200 Aktionen mit den Bewohnern des Markus-Pflüger-Heims in Wiechs geleitet. Auch für die Bewohner des Weiler Pflegeheims und die "Tschernobyl-Kinder" organisieren sie Ausflüge und helfen dem Lions Club darüber hinaus bei der Durchführung des Dreiländerlaufs.

Der Vorsitzende des Stadtjugendrings, Jörg Corsten, freute sich über gleich zwei neue Mitglieder und meinte mit einem Blick auf die 16 Anwesenden, dass die Runde vor einigen Jahren noch deutlich kleiner gewesen sei.

In seinem Rückblick seit 2016 wies Corsten auf die gute Vernetzung des Stadtjugendrings und auf seine Präsenz auf Facebook, Instagram und auf einer eigenen Webseite im Internet hin. Auch habe man es geschafft, neue Zuschussrichtlinien und eine neue Satzung zu verabschieden. Bei den politischen Projekten sei es nicht ganz so erfolgreich gelaufen: Leider keine politische Priorität habe gerade die Beleuchtung des Wegs zwischen Haltingen und Binzen, bedauerte Corsten, weshalb es weiterhin keinen sicheren Fahrradweg ins Vordere Kandertal gebe; aber er versprach, die Angelegenheit weiterzuverfolgen. Auch lasse die digitale Präsenz der Weiler Ortsparteien bislang zu wünschen übrig.

Corsten wies die Delegierten darauf hin, dass man beim Stadtjugendring auch Zuschüsse beantragen könne; etwa für Wochenendfreizeiten, Nachwuchswerbung oder verbandsübergreifende Zusammenarbeit. Bislang tun dies nur vier der neun Verbände, weshalb er die Runde dazu aufrief, sich bei ihm zu melden. Angenommen wurde der Antrag, dass es in Zukunft auch Materialzuschüsse von insgesamt 1000 Euro geben soll. Die Mitglieder können sich zehn Prozent ihrer Anschaffungskosten, maximal 200 Euro, zurückerstatten lassen. Bis Ende Oktober werden alle Anträge gesammelt, nächstes Jahr gibt es eine Evaluation.

Corsten erklärte, in zwei Jahren nicht mehr als Vorsitzender antreten zu wollen: "So jung bin ich ja auch nicht mehr." Für die verbleibende Zeit hatte er die Idee, das Ehrenamt zu stärken, zum Beispiel mit der Ehrung einer engagierten Person: "Wenn ihr Ideen habt, kommt auf uns zu." Schließlich sei es beeindruckend, was tagtäglich in den Jugendverbänden geleistet würde. Bis 2022 möchte der derzeitige Vorstand auch die Zusammenarbeit mit Verwaltung, Jugendpflege und Jugendparlament ausbauen. Dazu will er versuchen, die Verbände und die Jugendarbeit allgemein besser zu vernetzen, auch grenzüberschreitend nach Basel, Hüningen und Lörrach.

Termine: 16.11. Herbstdelegiertenversammlung beim BdaJ