Stadtstrand lockt mit Wassersport und Kinder-Unterhaltung

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Von teli

Sa, 11. Juli 2020

Offenburg

BLICK INS ELSASS: Mit Beginn der Sommerferien ist das Angebot auf der Straßburger Malraux-Halbinsel gefragt / Mit OB Jeanne Barseghian beginnt eine neue Ära.

Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet unser "Blick ins Elsass".

Decken selbst mitbringen

Obwohl das Abstandsgebot gilt und das Tragen von Masken angeraten wird, erfreut sich der Straßburger Stadtstrand auf der Malraux-Halbinsel großer Beliebtheit. Gleich in den ersten Tagen der Sommerferien haben vor allem Familien mit Kindern die Gelegenheit genutzt, sich dort verweilen zu können. Bei den Gefährten, mit denen sich Klein und Groß kostenfrei aufs Wasser des Hafenbeckens trauen kann, gibt es sogar eine Neuerung: Mit einem Elektromotor betriebene, wendige Stand-up-Boards. Alle Boote werden nach jeder Nutzung desinfiziert. Für Drei- bis Zwölfjährige hat die Stadt Straßburg ein kleines Unterhaltungsprogramm organisiert, allerdings müssen Sandburgen oder Zeichnungen in Einzelarbeit hergestellt werden, damit der Abstand von einem Meter eingehalten werden kann. Deshalb dürfen sich auch nur 245 Personen zeitgleich am Stadtstrand aufhalten. Liegestühle und Sandspielzeug sucht man in diesem Jahr vergeblich: Besucher müssen sich Decken oder Klappstühle selber mitbringen. Geöffnet ist der Stadtstrand täglich bis zum 31. August von 14 bis 19 Uhr.

Grün-Rote Allianz

Mit der Wahl der 39-Jährigen Jeanne Barseghian zur neuen Oberbürgermeisterin von Straßburg hat am vergangenen Samstag eine neue Ära begonnen: Nicht nur sie gehört einer anderen Generation an als ihr Vorgänger Roland Ries (75), sondern auch die überwiegende Zahl der aus der Mitte des Gemeinderats gewählten 19 Beigeordneten. Kommunalpolitiker mit jahrzehntelanger Erfahrung wie Alain Jund und Marie-Dominique Dreyssé, beide bereits Mitglieder früherer Stadtregierungen, haben den Jüngeren Platz gemacht. 15 der 19 Verantwortungsträger haben zum ersten Mal ein Gemeinderatsmandat inne, nur vier Beigeordnete haben bereits in der rot-grünen Stadtregierung von Roland Ries mitgearbeitet – darunter der Erste Beigeordnete, Syamak Agha Babaei und Alexandre Feltz, der mit dem inzwischen verstorbenen Claus-Dieter Seufert die Substitutionspraxis nach französischem Muster in Kehl und den sicheren Druckraum in Straßburg initiiert hat. Waren die Grünen in den beiden zurückliegenden Legislaturperioden stets die Juniorpartner in einer rot-grünen Stadtregierung, so hat sich das Verhältnis umgekehrt. Was vor dem zweiten Wahlgang noch gescheitert ist, hat danach funktioniert: Die sozialistischen Mandatsträger unter Führung von Catherine Trautmann werden sich an der Stadtregierung beteiligen und stellen eine Beigeordnete. Das lässt darauf schließen, dass sich auch auf der Ebene der Eurométropole, deren Rat am 15. Juli Präsidenten und Vizepräsidenten bestimmt, eine grüne-rote Allianz bilden wird. Bislang haben drei Politikerinnen erklärt, als Präsidentinnen der Eurométropole kandidieren zu wollen: Danielle Dambach, grüne Bürgermeisterin von Schiltigheim, Pia Imbs, parteilose Bürgermeisterin von Holtzheim und Catherine Graef-Eckert, konservative Bürgermeisterin von Lingolsheim.

Mehr Bürgerbeteiligung

31 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind am 28. Juni von weniger als 20 Prozent der Wahlberechtigten gewählt worden. Im Elsass sind bei diesem zweiten Wahlgang noch weniger Menschen zu den Urnen gegangen als beim ersten: Belief sich der Anteil der Nicht-Wähler am 15. März auf 60 Prozent, ist dieser am 28. Juni auf 64 Prozent angestiegen. Politologen wie Richard Kleinschmager sehen die Corona-Krise als Hauptgrund für die historisch niedrige Wahlbeteiligung, führen aber auch die Zersplitterung der politischen Parteien als eine der Ursachen an.

Das Sommerprogramm

Das Sommerprogramm im Elsass unterscheidet sich coronabedingt deutlich von dem aus den Vorjahren. Später als sonst beginnt der Sommerschlussverkauf im Elsass – damit wollte das Wirtschaftsministerium dem Einzelhandel helfen. Los geht es mit den Rabatten auf die Ware, die mindestens einen Monat lang zum regulären Preis in den Läden angeboten war, am 15. Juli; der Schlussverkauf endet am 11. August. Das große Feuerwerk, das traditionell am Nationalfeiertag, am 14. Juli, abgebrannt wird, fällt aus. Stattdessen lädt die Stadt Straßburg zu einem Picknick in den Garten der zwei Ufer ein; sportliche Aktivitäten, Konzerte und eine Filmvorführung stehen auf dem Programm. Der Tag soll auch eine Hommage für das Pflegepersonal in den Krankenhäusern sowie für alle Menschen sein, die sich in der Corona-Krise für andere eingesetzt haben. Nach Einbruch der Dunkelheit werden verschiedene Gebäude im Stadtgebiet in den französischen Nationalfarben Blau-Weiß-Rot beleuchtet, darunter auch die Trambrücke über den Rhein.

Im ehemaligen Konzentrationslager Struthof ist bis zum 23. Dezember eine Ausstellung unter dem Titel "Passant, erinnerst du dich an uns?" zu sehen, die deportierten französischen Widerstandkämpfern gewidmet ist. Die Gedenkstätte ist täglich von 9 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet. Infos: http://www.struthof.fr.